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Nachbericht aus London : Bieter, Lose, Sensationen

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Jenny Savilles „Propped“, Öl auf Leinwand, 213,4 mal 182,9 cm aus dem Jahre 1992 gilt als teuerstes Kunstwerk eines lebenden Künstlers. Bild: Sotheby’s/VG Bild-Kunst

Nicht bloß Banksy: Bilanz der Auktionen mit Zeitgenossen bei Sotheby’s, Christie’s und Phillips in London.

          Eigentlich ist Jenny Saville der Star der Auktionswoche mit Zeitgenossen in London: Ihr großformatiges Gemälde „Propped“ erzielte bei Sotheby’s einen Hammerpreis von 8,25 Millionen Pfund, gegenüber einer Schätzung von drei bis vier Millionen; das sind mit Aufgeld 9,5 Millionen Pfund – der höchste Preis, der jemals für das Werk einer lebenden Künstlerin bezahlt wurde. Allerdings stahl der Streich, den der Street Artist Banksy Sotheby’s spielte, Saville die gerechte Schau. Als bei 860 000 Pfund (Taxe 200 000/300 000) der Hammer für eine Leinwand-Version von Banksys bekanntestem Motiv „Girl with Balloon“ fiel, fing das Bild an, sich selbst zu schreddern. Banksy hatte diesen Mechanismus vor dem ersten Verkauf des Werks 2006 eingebaut, den ein Komplize oder er selbst jetzt vom Saal aus aktivierte (Kommentare auf dieser Seite). Später teilte er über seine Instagram-Seite mit, so warne er Sammler, die seine Arbeiten gewinnbringend abstoßen wollen.

          Savilles „Propped“ ist ihr wohl bekanntestes Bild, und es war mit einer Garantie versehen. Gemalt 1992, war es 1997 in der „Sensation“-Schau mit damaligen Werken aus der Sammlung von Charles Saatchi zu sehen, zuerst in der Royal Academy of Arts in London, dann in Berlin und New York; die umstrittene Ausstellung machte die „Young British Artists“, wie Damien Hirst oder Tracey Emin, berühmt. „Propped“ (etwa: aufgebockt) zeigt eine übergewichtige nackte Frau, auf einem Bettpfosten sitzend, den ihre in Hochzeitsschuhen steckenden Füße umschlingen. Ihr Gesicht ist nicht schmerzverzerrt, doch sie gräbt die Fingernägel in ihre Oberschenkel. Savilles vorheriger Rekord von 6,8 Millionen Pfund (mit Aufgeld) war im Juni 2016 aufgestellt worden, als ihr monumentales Gemälde „Shift“ bei Sotheby’s an das Long Museum in Schanghai verkauft wurde. Den Rekord für das teuerste Werk einer lebenden Künstlerin hielt bislang mit 9,8 Millionen Dollar (mit Aufgeld) Cady Noland für „Bluewald“ von 1989. Das teuerste Werk eines lebenden Künstlers ist ein „Ballon Dog“ von Jeff Koons, mit 58,4 Millionen Dollar (mit Aufgeld), verkauft 2013 bei Christie’s in New York.

          Savilles Bild war eines von 25 Werken, die aus der Sammlung des 2014 gestorbenen David Teiger zugunsten seiner Stiftung zu Beginn versteigert wurden. Sie trugen 35,9 Millionen Pfund zum Gesamtumsatz bei. Der Abend begann vielversprechend, als „He wants to see it all“ von Kai Althoff mit 470 000 Pfund seine obere Taxe von 120 000 fast vervierfachte und Peter Doigs „Buffalo Station I“ in Pink von 1997/98 auf 6,5 Millionen stieg. Gleich darauf wurde eine Version in Gelb, „Buffalo Station II“ für 3,8 Millionen Pfund vermittelt; geschätzt waren beide auf jeweils sechs bis acht Millionen. Bei Daniel Richters Gemälde „Jeans“ war ein Sammler aus Taiwan mit 360 000 Pfund (100 000/150 000) erfolgreich.

          John Currins Porträt „Minerva“ ging zunächst zurück. Der Auktionator Oliver Barker rief es ganz am Ende noch einmal auf, was fast im Trubel um den geschredderten Banksy unterging. Doch das Bild wurde schnell verkauft und damit sämtliche Lose der Teiger-Kollektion – ein sogenannter white glove sale. Von den insgesamt 65 Losen des Abends gingen neun zurück. 68,7 Millionen Pfund wurden eingespielt, ohne den Banksy, der da noch als unverkauft galt.

          Phillips spielte mit seiner Abendauktion 20,2 Millionen Pfund ein, 32 von 36 Werken fanden neue Besitzer. Das Spitzenlos stellte auch hier eine Malerin: Joan Mitchells „Perch and Twirl“ von 1973 stieg auf 2,6 Millionen Pfund (1,5/2,5 Millionen). Gerhard Richters „Hände“, gemalt 1963, blieben mit 1,7 Millionen (2/3 Millionen) unter ihrer Erwartung.

          Christie’s erzielte bei seinem Abendtermin den höchsten Umsatz, mit 84,6 Millionen Pfund; hinzu kam der Erlös der Sektion mit italienischen Zeitgenossen, 39,5 Millionen Pfund. Und dort war auch das teuerste Los der Woche: Für Francis Bacons „Figure in Movement“ auf gelblichem Grund bot ein Sammler am Telefon von Francis Outred 17,5 Millionen Pfund (15/20 Millionen). Albert Oehlens großer „Stier mit Loch“ stellte mit drei Millionen Pfund (800 000/1,2 Millionen) gleich zu Beginn einen Künstlerrekord auf. Keith Harings gelbes „Untitled“- Quadrat mit tanzenden Figuren überrundete mit 3,3 Millionen (3/5 Millionen) seine untere Taxe. Hurvin Anderson gehörte zu den Gewinnern des Abends: Sein „Country Club“ erzielte 1,7 Millionen (1/1,5 Millionen) und „Ball Watching IV“ mit einem Gebot von 1,6 Millionen fast den gleichen Preis, obwohl die Taxe dort bei nur 350 000 bis 550 000 Pfund gelegen hatte.

          Überraschend war allerdings der Rückgang des weithin publizierten „Schädels“ (12/18 Millionen) von Gerhard Richter, dessen Taxe bei zwölf bis achtzehn Millionen Pfund lag. Ebenso erging es Jeff Koons’ blau-glänzendem aufgeschlagenen Ei „Cracked Egg (Blue)“ (10/15 Millionen). Christie’s muss da seine Preisstrategie an die neue Zurückhaltung im Spitzenbereich anpassen. Passend zur „Frieze“ -Saison haben Sammler traditionell auch eher Lust auf jüngere, weniger hochpreisige Kunst und auf Auktionsneulinge.

          Sotheby’s spielte in der Auktionswoche zur Frieze mit Tag- und Abendauktion 82,8 Millionen Pfund ein. Christie’s hatte vier Auktionen angesetzt und preschte mit 148,1 Millionen Pfund davon. Bei Phillips waren es 31,7 Millionen für drei Zeitgenossen-Auktionen, inklusive Keramik; das sind zehn Prozent mehr als im Oktober 2017.

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