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Serie : Der Kunstmarkt Köln '67: Aus dem Zentralarchiv 22

  • -Aktualisiert am

Am 12. September 1967 wurde der erste Kunstmarkt Köln eröffnet. Um ihre Pläne für die weltweit erste Messe für moderne Kunst zu verwirklichen, hatten die Galeristen Hein Stünke und Rudolf Zwirner den Verein progressiver deutscher Kunsthändler gegründet.

          Es war der Düsseldorfer Galerist Alfred Schmela, der Robert Indiana für die Gestaltung des Plakats zur weltweit ersten Messe für moderne Kunst hatte gewinnen können. Als Lohn erhielt Indiana dreihundert Exemplare des Plakats, die ihm aus den Werkstätten von Hein Stünkes Galerie „Der Spiegel“ frei Haus nach New York geliefert wurden. Die Speditionsbescheinigung wird im Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels (Zadik) verwahrt.

          Dort findet sich auch die Satzung des Vereins progressiver deutscher Kunsthändler, der am 25. November 1966 ins Vereinsregister eingetragen wurde. Als Gründungsmitglieder haben die Galeristen Stünke und Zwirner (Köln), Schmela, Niepel und Pooch (Düsseldorf), Brusberg (Hannover) und Springer (Berlin) die Satzung unterschrieben. Den Verein progressiver deutscher Kunsthändler hatten Hein Stünke und Rudolf Zwirner gegründet, weil sie nicht als Einzelpersonen, sondern nur als Vertreter einer Institution mit der Stadt Köln verhandeln konnten, um ihre Pläne für eine Messe für moderne Kunst verwirklichen zu können.

          Ein sensationeller Erfolg

          Am 12. September 1967 wurde der Kunstmarkt Köln '67 im großen Saal des Gürzenich eröffnet, den die Stadt kostenlos zur Verfügung stellte. Der Kunstmarkt erwies sich als sensationeller Erfolg, der schnell zu Nachahmungen führte: Im Jahr 1969 wurde die Art Basel gegründet, 1973 die Pariser Fiac - und bereits im Jahr 1974 waren die Kunstmessen so zahlreich geworden, daß die ebenfalls im Gefolge der Messen gegründete „Europäische Kunsthändler Vereinigung“ sich zum Ziel setzte, „die Kunstmärkte auf lange Sicht überhaupt abzuschaffen“: So steht es im Protokoll der Mitgliederversammlung des Vereins progressiver deutscher Kunsthändler vom 7. Februar 1974. Aber das Modell läuft und läuft und läuft.

          Dokumente zur Gründungsgeschichte

          Auf der diesjährigen Art Cologne - so wurde der Kunstmarkt Köln im Jahr 1984 nach dem Zusammenschluß mit dem Internationalen Kunstmarkt Düsseldorf umbenannt - präsentiert das Zadik seine Publikation und eine Ausstellung über die Gründungsgeschichte und die ersten Jahre der Kunstmesse und ihre Auswirkungen auf die Kunstentwicklung. Dazu gehören zahlreiche Originaldokumente - wie Hein Stünkes und Rudolf Zwirners erste Ideenskizzen für die Kunstmesse und die Protokolle des Vereins progressiver deutscher Kunsthändler: Sie liefern besonders konzentrierte Informationen zu den ersten Jahren, zu den Abwerbungsversuchen der Stadt Düsseldorf und zu den neu gegründeten Konkurrenzmessen, zum schon damals schwierigen Problem der begrenzten Ausstellerzahl und zu vielen weiteren Aspekten dieser neuen Form der Kunstvermittlung und Kunstvermarktung.

          Luxuskataloge und kleine Skandale

          Die frühen, noch riesig dimensionierten Kataloge und „Luxuskataloge“ und zahlreiche Werbematerialien sind zu sehen und darüber hinaus auch eine Vielzahl von Fotos von der Gestaltung der Kojen, von den Galeristen, Sammlern und Messebesuchern - und von den kleinen Skandalen am Rande wie etwa Beuys', Vostells und Staecks von dem Galeristen Helmut Rywelski im Jahr 1970 organisierte Protestaktion „Wir betreten den Kunstmarkt“. Die sentimentale Zeitreise zurück in die (studenten-)bewegten Zeiten der späten sechziger und frühen siebziger Jahre wird vervollständigt durch die Vorführung zeitgenössischer Fernsehberichte über die ersten Kunstmärkte, die vom WDR für sein Magazin „Hier und Heute“ produziert wurden.

          Unsere Abbildung entstand am Eröffnungsabend des ersten Kölner Kunstmarkts und zeigt den Galeristen Hans Mayer, damals gerade siebenundzwanzig Jahre alt, im Gespräch mit Stünke. Mayers Miene läßt nicht unbedingt ahnen, was er später einem Reporter des WDR-Fernsehens erklären sollte: daß nämlich alle seine Erwartungen an die Kunstmesse schon am ersten Tag übertroffen worden waren. Mit seiner erst zwei Jahre zuvor gegründeten Esslinger (op)art galerie gehörte Mayer, heute selbst einer der „Dinosaurier“, zu den jüngsten Mitgliedern des Vereins progressiver deutscher Kunsthändler.

          Quelle: F.A.Z., Kunstmarkt extra (Redaktionsbeilage), 29. Oktober 2003

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