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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Schweizer Kunst und Moderne Polens Melancholie

 ·  Albert Anker, Felix Vallotton und Giovanni Giacometti: Die üblichen Verdächtigen setzten die Glanzlichter im Angebot mit Schweizer Kunst und Moderne bei Koller in Zürich.

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© Koller Albert Anker, „Strickendes Mädchen“ von 1883/1884, Öl auf Leinwand, 56 mal 43 cm (Taxe 2/3 Millionen Franken)

Die Überraschung ist klein: Auch am 22. Juni bei Koller in Zürich stellt Albert Anker die dicksten Brocken bei der Schweizer Kunst. Unter drei Gemälden ist „Lied der Heimat“ das Prunkstück: Das Motiv des Großvaters mit zwei Enkeln am Klavier erinnert an die politischen Wirren im Europa des 19. Jahrhunderts, die die Schweiz zum Exilort vor allem polnischer Flüchtlinge machte.

Das vielfach ausgestellte Gemälde blieb seit seiner Entstehung im Jahr 1874 stets in Schweizer Privatbesitz; jetzt erwartet Koller 2,4 bis 3,4 Millionen Franken für das Meisterwerk. In dasselbe Preissegment fallen ein „Strickendes Mädchen“, das Anker zehn Jahre später vollendete (Taxe 2/3 Millionen Franken), und das 1864 entstandene Großformat „Die Taufe“ (2,5/3,5 Millionen). Um diese drei Höhepunkte gruppieren sich elf weitere Anker-Arbeiten, deren Taxen zwischen 3000 und 300.000 Franken liegen.

Felix Vallotton ist eine Generation jünger als Anker, und er prägte die Kunst in Paris um 1900 mit seinen Holzschnitten nachhaltig. Vallottons 1915 in dramatisches Licht getauchte Landschaft „Le phare, soir“ (400.000/ 600.000) gibt einen Blick von Honfleur auf einen Leuchtturm an der normannischen Küste und das Meer wieder. Giovanni Giacometti fand seine Motive meist in seiner Schweizer Heimat, so auch für „Bosco d’autumno“ von 1924 (600.000/900.000). Konventioneller und doch reizvoll ist seine große „Bergeller Landschaft“ 600.000/ 800.000).

Giovannis Sohn Diego Giacometti, der jüngere Bruder von Alberto, steuert eine filigran in Bronze gegossene, von einer Glasplatte bedeckte Konsole (300.000/500.000) bei, die mit einigem Getier und drei stilisierten Bäumen geschmückt ist: Das elegante Möbel trägt den Titel „La Promenade de amis“. Wer sich darüber hinaus mit Objekten von Diego einrichten möchte, greift zu einem Paar löwenkopfbesetzter Fauteuils (100.000/150.000), die, wie eine Lampe von 1965 (70.000/ 100.000), in Bronze gegossen sind.

Paul Signacs „Bateaux au mouillage à Locmalo“ sind eines der ersten Lose in der Auktion mit moderner Kunst; die Erwartungen für das pointillistische Gemälde von 1922 reichen von 1,2 bis 1,8 Millionen Franken. Wenig darunter liegt Renoirs gemalte „Nue dans la verdure“ von 1887 (1,2/1,6 Millionen). Beim 20. Jahrhundert firmiert Paul Klee mit dem großartig reduzierten „Häuser Treppe“ (500.000/ 800.000) aus seiner Weimarer Bauhauszeit, das einst dem Sturm-Publizisten Herwarth Walden gehörte. Stilistisch komplett anders, doch ebenso selbstbewusst tritt Salvador Dalí auf, der seine „Venus y cupidillos“ 1925 auf eine kleine, fast quadratische Leinwand malte und sich dabei mit vexierhaft verschlüsselten erotischen Anspielungen nicht zurückhielt, damals gerade einundzwanzig Jahre alt (1,5/ 2,2 Millionen).

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