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Schätze im Tresor : Kein Hochhaus, weit und breit

  • -Aktualisiert am

Frankfurt, die Stadt der hohen Türme und Shopping-Paradiese, hat auch eine Vergangenheit. Einiges davon haben nicht Banker, sondern Kunstfreunde im Tresor.

          Wer hier an die Schätze will, der muss schon klingeln. In Frankfurt, in der Braubachstraße, im Herzen des alten Stadtkerns, gibt es einen Laden, der Besuchern seit mehr als dreißig Jahren verspricht, sie in vergangene Zeiten zu führen, einen Hauch Geschichte sichtbar zu machen. Es ist ein Kunst- und Buchantiquariat, das schon im Namen Kostbares verspricht: Tresor am Römer.

          Wer den Klingelknopf drückt, den empfängt die Inhaberin, Sibylle Wieduwilt, in einem behaglich eingerichteten, großen und hellen Raum mit Biedermeiersofa und Kristalllüster. Sie hütet hier etwa 2.500 antiquarische Bücher und 10.000 alte Grafiken, die zu Einzelpreisen zwischen derzeit zehn und 25.000 Euro zu haben sind. Unter den Bildern sind viele Landkarten, Tier-, Pflanzen- und Genredarstellungen sowie Stadtansichten.

          Erstrangige Touristenattraktion

          Stichwort Frankfurt zum Beispiel: Wer heute jenseits von futuristischen Shoppingparadiesen und gigantischen Bankenhauptsitzen das alte Frankfurt entdecken will - die Altstadt ist ja durch den Bombenhagel der Alliierten im März 1944 nahezu vollständig zerstört worden -, der kann das im Tresor am Römer tun.

          Da findet der Besucher dann beispielsweise eine kolorierte Lithografie der Alten Brücke aus dem Jahr 1828 nach einem Gemälde des Frankfurter Künstlers Carl Morgenstern (3.600 Euro): Im Vordergrund einige fein gekleidete Herrschaften in angeregtem Gespräch, selbstbewusste Bürgersleute der Freien Reichsstadt. Der Blick des Betrachters geht nach Westen weit über den Main und seine Ufer, an dem Segelboote festgemacht haben. Man sieht den Dom - hier noch ohne die erst knapp fünfzig Jahre später nach dem großen Brand erbaute Steilkuppel - und neben der Uferstraße eine hohe Häuserzeile, die, stünde sie so noch heute, eine erstrangige Touristenattraktion sein würde.

          Trachtenmotive und Karikaturen

          Beeindruckend auch, unter vielen anderen Blättern, ein großformatiges, über einen Meter langes Bild des Augsburger Kupferstechers Hieronymus Sperling aus dem Jahr 1743, das in filigraner Manier das Feuerwerk anlässlich der Wahl und Krönung Karls VII. zum römisch-deutschen Kaiser zeigt (1.200 Euro). Oder eine winterliche Ansicht des Liebfrauenbergs mit Pferdeschlitten (640 Euro) aus dem Jahr 1738 oder eine Lithographie des französischen Landschaftsmalers Auguste Mathieu, die den Blick auf den Dom vom Süden aus zeigt (780 Euro), oder eine altgouachierte Aquatinta, die um 1815 entstand und auf der napoleonische Truppen sich unters Volk mischen und mit Frankfurter Mädchen schäkern (1.750 Euro).

          Eines der teuersten Frankfurt-Stücke ist eine gerahmte Stadtansicht in altkolorierter Aquatinta in Sepia und Blau (5.000 Euro). Das Blatt ist selten, Entwurf und Ausführung stammen von Ursula Magdalene Reinheimer.

          Außer den vielen Francofurtensien bietet der Tresor am Römer aber auch andere dekorative Grafik, darunter alte Ansichten von Tübingen, Dortmund, Jena, Leipzig, Rom oder Venedig, sowie Militaria-, Berufs- und Trachtenmotive und Karikaturen.

          Zitrusfrucht-Zucht im Barock

          Zeitlich reichen die meisten Stücke von den Anfängen der Druckkunst in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts bis ins zwanzigste Jahrhundert. Das zur Zeit älteste Blatt ist eine kostbare, handbeschriebene und bemalte Pergament-Seite aus dem Chorbuch eines Benediktinerkloster bei Guilanova in Italien, zwischen 1330 und 1340 entstanden, mit dem heiligen Thomas, der, dem Himmel zugewandt, betet ( 6.800 Euro).

          Bei den Büchern ist der Frankfurter Tresor spezialisiert auf alte Reisebeschreibungen und illustrierte Werke aus der Naturwissenschaft. Wer schon immer mal wissen wollte, welchen Umgang man im Barock mit Zitrusfrüchten empfahl, der bekommt für 20.000 Euro die Erstausgabe des Anfang des 18. Jahrhunderts entstandenen Nürnbergischen Hesperides mit eindrucksvollen Stichen und Ratschlägen zur Zucht von Zitronen und Pomeranzen.

          Quelle: F.A.S.

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