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Sandy und Peter Max : Der den Schaden hat

Nach Hurrikan Sandy ziehen jetzt auch die Kunstversicherer Bilanz. Der Kunstproduzent Peter Max reklamiert mit 300 Millionen Dollar einen besonders großen Verlust.

          Die Gesamthöhe der durch den Hurrikan Sandy verursachten Schäden wird auf 25 Milliarden Dollar geschätzt. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge entfallen davon 500 Millionen Dollar, also zwei Prozent des Gesamtschadens, auf Verluste von Galerien. Wenn diese Schätzung realistisch ist, müssen die auf Kunstversicherung spezialisierten Gesellschaften genauso viel für zerstörte Kunstwerke und ruinierte Schauräume ausgeben, wie sie in einem Jahr an Prämien einnehmen.

          Ist mit einer kräftigen Erhöhung der Prämien für New Yorker Galeristen zu rechnen? Der Marktführer AxaArt teilte zwei Wochen nach dem Sturm mit, dass man mit Auszahlungen in Höhe von vierzig Millionen Dollar rechne, und gab zu verstehen, dass man recht glimpflich davongekommen sei. Allein in Chelsea sind bei Axa Kunstwerke in einem Gesamtwert von einer Milliarde Dollar versichert.

          Von den 500 Millionen Dollar sollen angeblich sechzig Prozent für einen einzigen Geschädigten zu Buche schlagen: den Pop-Art-Veteranen Peter Max, unermüdlicher Selbstvermarkter und Kopist fremder Ikonen und eigener Maschen. Max hat sein Atelier nicht in Chelsea, sondern auf der Upper Westside. In einem überschwemmten Lagerhaus sollen aber Werke auf Papier zerstört worden sein, deren Wert mit 300 Millionen Dollar angegeben wird. Der größte Versicherungsschaden der Kunstgeschichte?

          Während andere Künstler dokumentiert haben, was Sandy ihnen geraubt hat, findet sich im Internetladen von Peter Max noch kein Hinweis darauf, dass er zu den Opfern des Hurrikans gehört. Für den heutigen Samstag ist ein Auftritt des fünfundsiebzigjährigen Malers in Philadelphia angekündigt, wo er Werke in einer Filiale der Wentworth Gallery, Amerikas größtem Kunstkaufhaus, zeigen wird. Am kommenden Wochenende ist Max dann in Florida, im Februar und März in Kalifornien und wieder Florida, wo offenbar besonders viele treue Sammler wohnen - oder jedenfalls Fans, die erst noch Sammler werden sollen.

          Dem Wasserschaden zum Trotz kann anscheinend von einer Knappheit von Max-Originalen nicht die Rede sein. Es ist unbekannt, wie viele Werke in der Flut untergegangen sein sollen. Die Ro Gallery in Long Island City bietet im Internet 84 Gemälde und Zeichnungen von Peter Max an, darunter elf Freiheitsstatuen, vier Sonnenaufgänge mit dem Titel „Better World“ und zwei Porträts von Nelson Mandela. Die Filzstiftzeichnung eines Mönchs ist für 1500 Dollar zu haben. Für ein Porträt von Frank Sinatra werden 200.000 Dollar verlangt und für die „Version 2“ der Mona Lisa 300.000 Dollar. Liebhaber schöner schneller Automobile betrübte es derweil übrigens, dass Peter Max es sich leisten konnte, seine Sammlung von 36 Corvettes zwanzig Jahre lang in einem Parkhaus in Brooklyn einstauben zu lassen.

          Wird die Welt je erfahren, welchen Teil des Riesenwerks von Peter Max sie abschreiben muss? Sollte der Schatz vielleicht aus Zeichnungen und Gemälden bestehen, die noch niemand jemals zu Gesicht bekommen hat? Hartnäckig behauptet Peter Max, die Entwürfe für den Beatles-Film „Yellow Submarine“ gemacht zu haben, die Heinz Edelmann mit seiner Erlaubnis kopiert habe. Was für eine wunderschöne Vorstellung - schöner als jeder psychedelische Traum -, dass diese legendären Blätter jetzt ewig unter Wasser liegen.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in München und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

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          Quelle: F.A.Z.

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