http://www.faz.net/-gqz-75obc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 11.01.2013, 14:25 Uhr

Sandy und Peter Max Der den Schaden hat

Nach Hurrikan Sandy ziehen jetzt auch die Kunstversicherer Bilanz. Der Kunstproduzent Peter Max reklamiert mit 300 Millionen Dollar einen besonders großen Verlust.

von , New York

Die Gesamthöhe der durch den Hurrikan Sandy verursachten Schäden wird auf 25 Milliarden Dollar geschätzt. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge entfallen davon 500 Millionen Dollar, also zwei Prozent des Gesamtschadens, auf Verluste von Galerien. Wenn diese Schätzung realistisch ist, müssen die auf Kunstversicherung spezialisierten Gesellschaften genauso viel für zerstörte Kunstwerke und ruinierte Schauräume ausgeben, wie sie in einem Jahr an Prämien einnehmen.

Patrick Bahners Folgen:

Ist mit einer kräftigen Erhöhung der Prämien für New Yorker Galeristen zu rechnen? Der Marktführer AxaArt teilte zwei Wochen nach dem Sturm mit, dass man mit Auszahlungen in Höhe von vierzig Millionen Dollar rechne, und gab zu verstehen, dass man recht glimpflich davongekommen sei. Allein in Chelsea sind bei Axa Kunstwerke in einem Gesamtwert von einer Milliarde Dollar versichert.

Von den 500 Millionen Dollar sollen angeblich sechzig Prozent für einen einzigen Geschädigten zu Buche schlagen: den Pop-Art-Veteranen Peter Max, unermüdlicher Selbstvermarkter und Kopist fremder Ikonen und eigener Maschen. Max hat sein Atelier nicht in Chelsea, sondern auf der Upper Westside. In einem überschwemmten Lagerhaus sollen aber Werke auf Papier zerstört worden sein, deren Wert mit 300 Millionen Dollar angegeben wird. Der größte Versicherungsschaden der Kunstgeschichte?

Während andere Künstler dokumentiert haben, was Sandy ihnen geraubt hat, findet sich im Internetladen von Peter Max noch kein Hinweis darauf, dass er zu den Opfern des Hurrikans gehört. Für den heutigen Samstag ist ein Auftritt des fünfundsiebzigjährigen Malers in Philadelphia angekündigt, wo er Werke in einer Filiale der Wentworth Gallery, Amerikas größtem Kunstkaufhaus, zeigen wird. Am kommenden Wochenende ist Max dann in Florida, im Februar und März in Kalifornien und wieder Florida, wo offenbar besonders viele treue Sammler wohnen - oder jedenfalls Fans, die erst noch Sammler werden sollen.

Dem Wasserschaden zum Trotz kann anscheinend von einer Knappheit von Max-Originalen nicht die Rede sein. Es ist unbekannt, wie viele Werke in der Flut untergegangen sein sollen. Die Ro Gallery in Long Island City bietet im Internet 84 Gemälde und Zeichnungen von Peter Max an, darunter elf Freiheitsstatuen, vier Sonnenaufgänge mit dem Titel „Better World“ und zwei Porträts von Nelson Mandela. Die Filzstiftzeichnung eines Mönchs ist für 1500 Dollar zu haben. Für ein Porträt von Frank Sinatra werden 200.000 Dollar verlangt und für die „Version 2“ der Mona Lisa 300.000 Dollar. Liebhaber schöner schneller Automobile betrübte es derweil übrigens, dass Peter Max es sich leisten konnte, seine Sammlung von 36 Corvettes zwanzig Jahre lang in einem Parkhaus in Brooklyn einstauben zu lassen.

Mehr zum Thema

Wird die Welt je erfahren, welchen Teil des Riesenwerks von Peter Max sie abschreiben muss? Sollte der Schatz vielleicht aus Zeichnungen und Gemälden bestehen, die noch niemand jemals zu Gesicht bekommen hat? Hartnäckig behauptet Peter Max, die Entwürfe für den Beatles-Film „Yellow Submarine“ gemacht zu haben, die Heinz Edelmann mit seiner Erlaubnis kopiert habe. Was für eine wunderschöne Vorstellung - schöner als jeder psychedelische Traum -, dass diese legendären Blätter jetzt ewig unter Wasser liegen.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Londoner Auktionen Immerhin einmal wieder ein kapitaler Picasso

Die Londoner Auktionen mit Impressionismus und Moderne bei Sotheby’s und Christie’s finden am 21. und 22. Juni statt - diesmal mit deutlich verschlanktem Angebot. Eine Vorschau Mehr Von Anne Reimers/London

19.06.2016, 10:23 Uhr | Feuilleton
Australien Hilfe für das Great Barrier Reef

Australiens Premierminister Malcolm Turnbull versprach am Montag in Townsville eine Milliarde australische Dollar, das sind umgerechnet 660 Millionen Euro, zur Rettung des Great Barrier Reefs im Nordosten des Landes. Es gilt als eins der sieben Weltwunder der Natur und ist durch die globale Erwärmung extrem bedroht. Mehr

14.06.2016, 02:00 Uhr | Gesellschaft
Die Vorzüge des Privatmuseums Wer jetzt keins hat, baut sich eins

Nach Südkorea und den Vereinigten Staaten hat Deutschland die meisten Privatmuseen. Wie erklärt sich der Erfolg dieser Häuser hierzulande? Mehr Von Julia Voss

26.06.2016, 08:18 Uhr | Feuilleton
Ungezahlte Löhne Autowäscher erhalten nach Klage Millionensumme

Nachdem mehrere amerikanische Autowäscher für ihre Arbeit nicht entlohnt wurden, klagten sie vor einem Gericht in New York. Nun entschied das Gericht zu ihren Gunsten, insgesamt umgerechnet 1,4 Millionen Dollar erhalten die 18 Kläger. Der eine mehr, der andere weniger, je nach Dienstjahren. Mehr

22.06.2016, 13:47 Uhr | Gesellschaft
Art Basel In einer dynamischen Welt

Die Kunst auf der Art Basel kann und will die politischen Verhältnisse nicht aussparen. Das ist keine Frage ihrer Entstehungszeit. Die Traditionsmesse bleibt der entscheidende Schauplatz für die internationale Klientel. Mehr Von Brita Sachs/Basel

18.06.2016, 10:15 Uhr | Feuilleton

Die unerträgliche Leichtigkeit des politischen Seins

Von Berthold Kohler

Boris Johnson begeht Fahnenflucht, weil er weiß, dass er seine Versprechen nicht halten kann. Doch könnte auch dieser Offenbarungseid sein Gutes haben. Mehr 195