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Veröffentlicht: 18.01.2012, 09:21 Uhr

Sammlung Lauder Oh my God!

Dem Sohn und Erben von Estée Lauder, Ronald Lauder, gehört eine fabelhafte Kunstsammlung. Zurzeit kann sie in der New Yorker Neuen Galerie besichtigt werden.

von Lisa Zeitz

Ronald Lauders Sammeltätigkeit hat ein einfaches Prinzip - sagt er selbst: „Ich teile Kunst in drei Kategorien ein: ,Oh’ . . ., ,Oh my’ . . . und ,Oh my God’. Mein Ziel war von Anfang an, nur ,Oh my God’ zu kaufen.“

Die auf österreichische und deutsche Kunst spezialisierte Neue Galerie auf Manhattans Upper East Side, die er zusammen mit seinem Freund, Mentor und Kunsthändler Serge Sabarsky ins Leben gerufen hat, feiert ihr zehnjähriges Bestehen mit einer Ausstellung von Ronald Lauders Privatsammlung. Man ist schon gewohnt, dort allerfeinsten Werken, etwa von Gustav Klimt und Egon Schiele, zu begegnen, doch das Spektrum dieser Sammlung beeindruckt nun auch den eingefleischtesten Museumsbesucher.

Eine Tapisserie aus dem 15. Jahrhundert

Was der Milliardär, der sein Vermögen der Kosmetikfirma seiner Mutter Estée Lauder zu verdanken hat, im Lauf seiner mehr als fünfzigjährigen Sammelleidenschaft zusammengetragen hat, reicht vom dritten vorchristlichen bis zum späten 20. Jahrhundert und umfasst keltische Gürtelschnallen, ottonische Elfenbeine, niederländische und italienische Renaissanceporträts oder bronzene Charakterköpfe von Franz Xaver Messerschmidt ebenso wie Zeichnungen von Seurat und Van Gogh und Werke von Beuys, Kippenberger und Polke. Wer die geschwungeneTreppe in die Beletage hinaufsteigt, wird von einem Bildteppich des 15. Jahrhunderts aus Tournai begrüßt.

Ein paar Schritte weiter geht es in den dunkel getäfelten Saal, in dem sonst Vitrinen mit Arbeiten aus der Wiener Werkstätte prunken: Jetzt tut sich hier eine eklektische Schatz- und Waffenkammer auf. Modelle lebensgroßer Streitpferde sind stilecht gesattelt und tragen Rüstungsteile über Kopf und Brust, die zu den Rüstungen ihrer Reiter passen. Unter den Waffen ist ein österreichisches Schwert aus dem 15. Jahrhundert, das so schwer aussieht, als ob ein Mensch allein es kaum heben kann. Daneben sind barocke Pistolen mit feinster Einlegearbeiten zu bewundern.

Sechs Gemälde von Cézanne

Ronald Lauder war zwölf Jahre alt, als der Freund seines Vaters ihm die ersten historischen Waffen schenkte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt entwickelte sich seine Sammelleidenschaft zu einer Sucht: „Ich finde Parade-Rüstungen wunderschön, aber Rüstungen, die in Schlachten getragen wurden, sind in ihrer Einfachheit noch berückender“, schreibt er im Vorwort des prächtigen, 540 Seiten schweren Katalogs, der im Prestel Verlag herausgekommen ist. Er besitzt eine der reichsten Sammlungen an Rüstungen weltweit und hat damit auch das Metropolitan Museum bestückt, wo eine der Galerien nach ihm benannt ist. Dass Ronald Lauder zu den reichsten Männern Amerikas gehört und dass er das Steuernsparen, unter anderem mit seinem philanthropischen Einsatz, zu einer besonderen Kunst erhoben hat, beleuchtete kürzlich die „New York Times“.

Über einer Reihe faszinierender Helme mit engen Sehschlitzen hängen sechs Ölbilder von Cézanne: Sein herrlich melancholischer Mann mit verschränkten Armen scheint im Angesicht all der martialischen Geräte resigniert den Kopf zu schütteln. (Cézanne hat noch eine ganz ähnliche Version dieses Motivs gemalt, die drei Straßen weiter im Guggenheim Museum als Teil der Thannhauser Collection ausgestellt ist.) Zu Lauders mittelalterlichen Kostbarkeiten zählen emaillierte Reliquiare aus Limoges und Nürnberger Aquamanilien in Pferdeform ebenso wie ein reich verzierter elfenbeinerner Krummstab des 14. Jahrhunderts aus Volterra.

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