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Sammlung Herrmann : Künstler sind seine Klienten

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Der Berliner Manfred Herrmann ist nicht nur per du mit künstlerischen Zeitgenossen, er kümmert sich auch um ihre Steuererklärungen. Nebenbei kommt so eine interessante Sammlung zusammen.

          Künstler und Steuern scheinen nicht zusammenzupassen: Beim einen denkt man an verrauchte Dachbodenateliers, magere Aktmodelle und triefende Borstenpinsel, beim anderen an Taschenrechner, Aktenordner, Bemessungsgrundlagen und Doppelbesteuerungsabkommen. Wenn der Künstler in kreativer Rage ist, ignoriert er alles andere bei Nacht und bei Tag, der Steuerberater dagegen achtet genau auf Fristen und Verspätungszuschläge.

          So ist der Berliner Manfred Herrmann, Jahrgang 1948, ein überraschendes Phänomen: Vor 35 Jahren gründete er eine Steuerberatungsgesellschaft und leitet heute mit drei weiteren Gesellschaftern die Kanzlei HPTP. Trotzdem ist er per du mit Künstlern wie John Bock, Damien Hirst und Jonathan Meese. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat er zusammen mit seiner Frau eine Sammlung zusammengetragen, die rund 350 Werke umfasst, vornehmlich von zeitgenössischen Berliner Künstlern und solchen - wie Hirst oder Nan Goldin -, die eine Zeitlang in Berlin gelebt haben.

          Über dem Kamin ein Meese

          Als Herrmann in den siebziger Jahren seine spätere Frau Burglind-Christin Schulze kennenlernte, stand die Kunst für ihn zuerst noch im Hintergrund. Sie studierte damals Kunstgeschichte, und er begleitete sie, als sie an einem Referat über Venedig arbeitete, in die Lagunenstadt. „Wir haben vor Ort Canaletto-Veduten überprüft. Natürlich kam dabei heraus, dass er seine Sichtachsen optimiert hat“, erzählt Herrmann lachend, im Jargon ganz der Steuerprüfer. Seine Frau, sagt er, hat großen Einfluss auf die Sammlung: „Daniel Richter zum Beispiel fand sie schon früh ganz toll.“

          Bei den Beiden zu Hause in Friedenau hängt Richters nächtliches Gemälde eines müden Punkers im Rautenpulli vor einem Lagerfeuer aus dem Jahr 2006. Hier finden sich auch andere Lieblingsbilder, zum Beispiel Jonathan Meeses mehr als zwei Meter hohes Bild „Baby de Large V (Das Wieglied gebrochen)“ von 2002, auf dem überlebensgroß Charlie Chaplin als „großer Diktator“ in enger Umarmung mit der Weltkugel zu erkennen ist. Im Esszimmer hat Michel Majerus’ „Simplicity“ von 2001 seinen Platz, und Meeses monumentaler „Echnaton im Isisstall“ von 2000 hängt über dem Kamin.

          Künstler und Galeristen gehörten zu Herrmanns ersten Kunden, „und dann wächst mit den Kontakten das Interesse“. Den größten Einfluss hatte dabei vielleicht der Galerist Volker Diehl. Erst wurde er selbst, dann auch seine Künstler und deren Freunde zu Klienten der Kanzlei. Es habe sich eben so eine „Empfehlungsstruktur“ gebildet, erklärt Herrmann. Heute gehören zu seinen Mandanten die Galeristen Bruno Brunnet und Max Hetzler ebenso wie der Videokünstler Julian Rosefeldt, der Maler Herbert Volkmann und der Fotograf Magnus von Plessen. Bei Volker Diehl kaufte Herrmann auch das erste Bild seiner Sammlung, Erwin Bohatschs 1,5 mal 1,2 Meter große, erdtonige Malerei „Der Fallende“ von 1984, die in der Kanzlei an der Rudi-Dutschke-Straße hängt.

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