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Restitutionsstreit Goudstikkers umstrittenes Erbe

08.05.2007 ·  Der Restitutionsstreit um den Nachlass des jüdischen Kunsthändlers Jacques Goudstikker geht in die nächste Runde. Marei von Saher, Goudstikkers alleinige Erbin, erhebt Anspruch auf zwei Tafeln von Lucas Cranach d.Ä. und hat einen Prozess gegen die kalifornische Norton Simon Art Foundation angestrengt.

Von Lisa Zeitz, New York
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Marei von Saher, die in Connecticut residierende Schwiegertochter und alleinige Erbin des im Jahr 1940 tödlich verunglückten holländisch-jüdischen Kunsthändlers Jacques Goudstikker (F.A.Z. vom 31. März), hat einen Prozess gegen die kalifornische Norton Simon Art Foundation angestrengt. Von Saher erhebt Anspruch auf zwei Tafeln von Lucas Cranach d. Ä. aus der Zeit um 1530. Der Wert der Gemälde mit den lebensgroßen Darstellungen von Adam und Eva ist im vergangenen Jahr von der Versicherung des Norton Simon Museum auf 24 Millionen Dollar geschätzt worden.

Der Industrielle und Philanthrop Norton Simon hat die Werke Anfang der siebziger Jahre für 800.000 Dollar von George Stroganoff-Scherbatoff erworben. Jacques Goudstikker hatte sie 1930 auf einer Auktion von den Sowjets gekauft. Rund zehn Jahre später entriss Hermann Göring die beiden Tafeln dem Goudstikkerschen Inventar in Amsterdam, zusammen mit Hunderten anderer Alter Meister. Nach dem Krieg wurden Cranachs Bilder der holländischen Regierung ausgehändigt, die wiederum die Familie Stroganoff als rechtmäßigen Eigentümer identifizierte.

Rückgabe oder Schadensersatz

Während Marei von Saher argumentiert, dass „Adam und Eva“ nicht Teil der Sammlung Stroganoff gewesen seien und ihr Schwiegervater die Bilder 1930 in gutem Glauben erworben habe, pocht die Norton Simon Art Foundation darauf, dass Goudstikker um die unrechtmäßige Enteignung der Stroganoffs gewusst habe und nun sie - die Norton-Simon-Stiftung - rechtmäßige Eigentümerin sei. Marei von Saher verlangt die Werke oder 45 Millionen Dollar Schadensersatz. Ihr Anwalt Lawrence Kaye wird in Kalifornien von Randol Schoenberg unterstützt, der sich einen Namen mit der Restitution der Klimt-Werke aus der Österreichischen Nationalgalerie an Maria Altmann gemacht hat.

Aufgrund eines Gerichtsurteils wurden Marei von Saher in einem sensationellen Fall kürzlich 202 Werke aus holländischen Museen zurückerstattet; aber Lawrence Kaye lässt verlauten, dieser Weg sei die Ausnahme. Bisher dreißig von den rund 1300 Jacques Goudstikker geraubten Kunstwerken sind von Saher ohne Gerichtsverfahren ausgehändigt worden - darunter ein Gemälde von Rachel Ruysch aus der Dresdner Gemäldegalerie und eine Degas-Zeichnung aus dem Israel Museum of Art. Nun sei Marei von Saher traurig, dass man sich mit dem Norton Simon Museum nicht außergerichtlich habe einigen können. Die Suche nach Goudstikkers Meisterwerken geht weiter.

Quelle: F.A.Z., 05.05.2007, Nr. 104 / Seite 47
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