Man könnte neidisch werden: Da halten wir Deutschen uns für die weltbesten Trenner wiederverwertbarer Rohstoffe, nehmen selbst gebrauchte Teebeutel auseinander, um Papier und Inhalt verschiedenfarbigen Mülleimern zu übergeben - und da macht uns ausgerechnet ein Engländer darauf aufmerksam, dass es die nachhaltigste Maßnahme in Sachen Umweltschutz sei, Antiquitäten zu kaufen. Nigel Worboys, Antiquitätenhändler in London, fiel auf, dass kein heute lebender Tropenholzbaum, kein momentan die afrikanische Savanne durchstreifender Elefant sterben müsste, wenn die Leute einfach mehr Antiquitäten erwerben würden.
Auf seine Initiative hin gaben einige Händler eine Analyse der CO2-Bilanz (carbon footprint) einer antiken Kommode in Auftrag, und - surprise, surprise - das Ergebnis war, dass das antike, bereits vor mehr als hundert Jahren gebaute Möbel sechzehnmal weniger die heutige Umwelt belastet als eine soeben industriell fertiggestellte Kommode. Nigel Worboys’ rief die Organisation „Antiques are green: Invest in the future, recycle the past“ ins Leben, lies die Leser einiger Hochglanz-Antiquitätenmagazine über das Logo entscheiden - es ist ein dreiflammiger Kerzenleuchter geworden -, und fertig war die neue grüne Bewegung.
Entstanden ist eine versponnene Müsli-Idee, die sich gerade auch an den jungen Konsumenten richtet: Kauft Altes, wo die Massenproduktion von Neuem die Umwelt schädigt! Erfreut Euch an guter Verarbeitung und schönem Äußeren, vererbt es, anstatt immer neuen Sperrmüll zu produzieren - tell your friends! Das erfreut den angelsächsischen Antikhandel, der stolz das Logo der „Grünen Antiquitäten“ auf Website und Ladentür führt - es wurde in England, Irland, Neuseeland und sogar schon im fernen Uruguay gesichtet. Nigel Worboys will noch mehr: Zurzeit bemüht er sich der britischen Regierung eine Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Antiquitäten abzuringen, um an den Subventionen für grüne Geschäftsideen teilzuhaben.