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Porträt Wer Bilder sammelt, muß meschugge sein: Michael Werner zeigt Stobers Lüpertz-Sammlung

03.07.2005 ·  Hans-Hermann Stober war ein passionierter Sammler, der seine Künstler über Jahrzehnte nicht aus den Augen ließ. Seit er Markus Lüpertz Mitte der siebziger Jahre kennenlernte, begleitete er in eigenwilliger Vollständigkeit jede Werkphase des Malers.

Von Catrin Lorch
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Das schwarzweiße Foto zeigt den Malerfürsten als jungen Mann mit offenem Gesicht. Schuhe und Hose sind klecksig farbverkrustet, entspannt hat er sich auf dem Boden niedergelassen. Ihm gegenüber steht ein Herr im eleganten Karo - offensichtlich ist man inmitten eines vertraulichen Dialogs. Die Szene einer Freundschaft zeigt den Maler Markus Lüpertz und den Bauunternehmer Hans-Hermann Stober irgendwann in den siebziger Jahren. Der gebürtige Karlsruher - der von sich sagte: „Ich mußte zweiunddreißig Jahre alt werden, um mit zeitgenössischer Kunst konfrontiert zu werden“ - ist da schon in Berlin über befreundete Architekten in Kontakt mit der Kunst gekommen. Und er ist zum Sammler geworden, der Graubner kauft und Mack, Hödicke, Kirkeby, Penck und Polke. Stober lernt unweigerlich Markus Lüpertz kennen, der nicht nur als „Inspirator des Kunstlebens von Berlin“ von sich reden macht, wie sich Zeitgenossen erinnern, sondern seit seiner Retrospektive in der Kunsthalle von Baden-Baden im Jahr 1973 berühmt geworden ist.

Aus dem Verhältnis zwischen Maler und Sammler wird mehr - Stober überläßt Markus Lüpertz sein „Kutscherhaus“ als Atelier und Wohnung und verfolgt dessen künstlerischen Werdegang mit akribischer Aufmerksamkeit: Seit den Mitte der siebziger Jahre entstandenen „Dithyramben“ begleitet die Sammlung Stober in eigenwilliger Vollständigkeit jede Werkphase des Malers - der Freund Hans-Hermann Stober wählte unter den „Deutschen Motiven“, den „Stil-Bildern“ oder den „Schönen Gegenständen“, und bis Mitte der Achtziger gelangten wichtige Werkgruppen in seinen Besitz. Darunter sind Motive wie die „Segel“ aus dem Jahr 1966 oder die vier Jahre später entstandene „Seerose“ , die dokumentieren, daß dieser Sammler mit einem präzisen Blick hochattraktive Motive auswählte, die gerade erreichte Etappenziele im künstlerischen Lauf des Markus Lüpertz markieren: Seerosenblätter und geblähte Segel sind deutlich erkennbar, doch werden sie von einer anderen Kraft als Wind und Wasser in der Schwebe gehalten; die gestaffelt-verschränkte Komposition lädt die entspannten Szenerien mit latenter Dynamik auf.

Der attraktivste unter den Stahlhelmen

„Helm II“ gehört ebenfalls zu der Präsentation in der Kölner Galerie von Michael Werner, der das gesamte Konvolut aus dem Nachlaß des verstorbenen Hans-Hermann Stober erworben hat. Lüpertz' Militaria waren während der frühen siebziger Jahre umstrittenste Sujets, und Stobers Version muß als eine der attraktivsten gelten: Der olivgrüne Stahlhelm verschmilzt mit einem grauen Militärmantel zum düsteren Gebirge, dessen Konturen in mattem Lila abschattiert sind (450 000 Euro). Unter den Motiven der achtziger Jahre fallen freie Kompositionen wie „Rendezvous“ oder „Das Gerücht“ auf - und eine Serie von kleineren Formaten: drei in klaren Farben gehaltene Variationen, von denen die eine „Kopf oder Erinnerung“ heißt und die tatsächlich alle ein schwarz ausgemaltes Profil zeigen, das auf einer grünen Wiese liegt, wie eine Muschel im Sand.

Der Anomale kauft weiter

„Der sogenannte Sammler ist eine meschugge Person“, hat Hans-Hermann Stober einmal mit Ironie von sich erzählt, der „ständig und über Jahrzehnte“ mit seinen Künstlern mitzieht und sich zeit seines Lebens nie von einem Bild getrennt hat - allerdings war Spekulation auch nicht sein Ziel, wer Geld verdienen wolle, der solle doch lieber mit brasilianischem Kaffee oder südafrikanischem Gold handeln, meinte er und klassifizierte das Terrain der Kunst als „irrationales Gebiet“. „Der normale Mensch hört dann auf zu kaufen, wenn er keine freie Wand mehr hat. Der Anormale kauft weiter. Und spätestens - auch frühestens - wenn er das Spielzimmer der Kinder zum Lager umfunktioniert hat, ist er das, was man einen Sammler nennt.“

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