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Porträt : Ein Sammler im Händlerpelz: Richard L. Feigen

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Seine erste Galerie eröffnete Richard Feigen 1957 in Chicago und spezialisierte sich auf Expressionismus und Surrealismus. In fast fünfzig Jahren hat er Werke an 123 Museen weltweit verkauft, so viele wie vielleicht kein Händler sonst; an den Louvre ebenso wie an die National Gallery in Washington, das Getty Museum und Institutionen von Schweden bis Australien.

          „Nur wenige Menschen haben das gewisse ,Auge', die Fähigkeit, sich in einen Künstler hineinzuversetzen, zu sehen, was er gesehen hat, zu verstehen, was das intellektuelle Klima der Zeit war, das Alter der Leinwand, der Pigmente zu spüren. Dieses ,Auge' scheint angeboren zu sein, nicht erworben.“ Keine Sekunde läßt Richard Feigen in seinen Memoiren Zweifel daran, daß er mit einem solchen Auge geboren ist; seine Karriere gibt ihm recht.

          Der Galerist sitzt zurückgelehnt an einem breiten Schreibtisch in seinem holzgetäfelten Büro im Piano nobile eines eleganten New Yorker Townhouse. Seit rund fünfzehn Jahren ist die Richard L. Feigen Gallery auf der 69th Street zwischen Madison Avenue und Park Avenue beheimatet. Sein kantiges, leicht gebräuntes Gesicht, seine sportliche Figur, sein perfekt gebügeltes Hemd und sein silbergestreiftes Haar verleihen ihm die Aura eines Hollywood-Stars. Ohne Zögern würde man ihm die Rolle des Chefarztes anbieten. Jet-set und Bildung sind ihm anzusehen, nicht aber, daß er am 8. August fünfundsiebzig Jahre alt wird.

          An der Wand seines Büros, gegenüber der Bibliothek, hängen Aert de Gelders Bildnis einer betenden alten Frau und eine entzückende kleine Darstellung der Heimkehr des verlorenen Sohnes von Jan Liss, daneben ein großer italienischer Spätmanierist in goldenem Prunkrahmen. Auf dem Sofatisch liegt eine suppentellergroße Lupe, auf einem anderen Tisch die Schwarzlichtlampe. „Ich kenne keinen anderen Händler, der die italienische Goldgrundmalerei ebenso liebt wie Beckmann und Rosenquist“, sagt Frances Beatty, die als Vice President mit Feigen die Geschäfte leitet und seit einem Vierteljahrhundert mit von der Partie ist.

          Er mochte Max Beckmann schon immer

          „I am a collector in dealer's clothes“, sagt Feigen - „ein Sammler im Händlerpelz“. Mit seiner rauhen Stimme, in der ein Hauch Arroganz mitschwingt, erzählt er, wie er sich schon als Jugendlicher für deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts interessierte. Aus einer wohlhabenden Chicagoer Familie stammend, ging er zum Studium nach Harvard und zog 1953 nach New York. Heute lebt er in der reichen Vorstadt Katonah, unterhält ein Haus in Manhattan und eine Wohnung in Paris. In den fünfziger Jahren konnte er noch bei den deutschen Emigrés in New York Kunst kaufen, bei berühmten Kunsthändlern wie Karl Lilienfeld, J.B. Neumann und Curt Valentin. „Ich mochte Max Beckmann schon immer, aber er war immer mindestens doppelt so teuer wie alle anderen.“ Beckmanns Bilder, wenn er sie sich doch leistete, behielt er meist für sich. Kirchner, Schmidt-Rottluff, Heckel und Pechstein hat er wieder verkauft.

          Seine erste Galerie eröffnete Feigen 1957 in Chicago mit der Ausstellung „Masterpieces of 20th Century German Art“. Er spezialisierte sich auf Expressionismus und Surrealismus. 1963 eröffnete er eine zweite Galerie in New York, in der er unter anderem mit van Gogh, Monet und Picasso handelte. Zwischen 1965 und 1973 leitete er außerdem eine Galerie zeitgenössischer Kunst im damals aufblühenden New Yorker Stadtteil Soho, wo er bereits 1966 Joseph Beuys ausstellte.

          Mit dem Nachlaß von Joseph Cornell war er von 1976 bis 1987 zusammen mit Leo Castelli und der Corcoran Gallery betraut. Feigen verwaltet außerdem den Nachlaß des rätselhaften Pop-Künstlers Ray Johnson, der sich 1995 das Leben nahm, indem er in Long Island von einer Brücke in die eisigen Fluten sprang. Zuvor hatte er Feigens Geschäftspartnerin Beatty angerufen und angekündigt, er sei mit seiner Serie von „Nichts“ fertig und arbeite jetzt an „Etwas“. Sein Tod wurde zur ultimativen Performance. Für nächstes Jahr ist wieder eine Ausstellung von Johnsons Arbeiten bei Feigen Contemporary geplant.

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