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Picassos „Kind mit Taube“ Ausfuhrstopp

 ·  Für fünfzig Millionen Pfund versucht Christie’s, Picassos „Kind mit Taube“ zu vermitteln. Ausführen darf der Käufer das Bild allerdings nicht. Das hat jetzt die britische Regierung verfügt.

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Die britische Regierung hat eines von Picassos beliebtesten Frühwerken mit einem vorübergehenden Ausfuhrstopp belegt: Picasso lebte, gerade zwanzig Jahre alt, noch nicht lange in Paris, als er 1901 das berühmte „Kind mit Taube“ malte, das den Übergang von seinem impressionistischen Stil zur Blauen Periode markiert. Das Gemälde befindet sich seit spätestens 1924 in britischem Besitz, als es der einflussreiche schottische Kunsthändler Alexander Reid - den Vincent van Gogh durch seinen Bruder Theo kannte und in einem eindringlichen Porträt festhielt - an die in London lebende Sammlerin Mrs R.A.Workman verkaufte, die Gattin eines kanadischen Unternehmers.

Vier Jahre später hat sie das „Kind mit Taube“ an den Industriellen Samuel Courtauld verkauft, dessen Impressionisten-Sammlung den Grundstock des von ihm gegründeten Courtauld-Instituts bildet. Als Courtauld 1947 starb, vermachte er das Gemälde seiner Geliebten Christabel Lady Aberconway, der Frau eines walisischen Adeligen, die Oscar Wilde als Kind gekannt hatte und die in einem illustren Kreis von Schriftstellern und Künstlern wie H.G.Wells und Cecil Beaton verkehrte.

Mit der britischen Sammelgeschichte verwoben

Anfang dieses Jahres nun wurde bekannt, dass das „Kind mit Taube“ aus dem Nachlass Lady Aberconways für fünfzig Millionen Pfund auf dem Markt sei. Christie’s erhielt den Auftrag, auf privatem Wege einen Käufer zu vermitteln. Die Abwicklung des Geschäfts hängt freilich von der Ausfuhrgenehmigung ab, die jetzt vorerst bis Dezember verweigert wird. Sollte sich in der Zwischenzeit im Land ein Interessent mit ernsthaften Kaufabsichten finden, könnte dieser Stopp bis Mitte Juni nächsten Jahres verlängert werden, um dem Käufer die Gelegenheit zu geben, die Mittel aufzutreiben. Für öffentliche Institutionen gibt es steuerliche Begünstigungen, die den Preis für das Werk erheblich reduzieren würden. Die Kassen der National Gallery etwa, wo das „Kind mit Taube“ seit Lady Aberconways Tod im Jahr 1974 bis 2010 als Leihgabe hing, sind durch die Anschaffung von Tizians zwei Gemälden nach Ovids „Metamorphosen“ erschöpft.

Das „Kind mit Taube“ sei nicht nur von herausragender ästhetischer Bedeutung, heißt es in der Begründung für den Ausfuhrstopp, sondern als eine der frühesten britischen Erwerbungen eines Ölgemäldes von Picasso auch mit der Sammelgeschichte des Landes verwoben. Wie sehr das Bild zum Verständnis von Picassos in britischen Sammlungen nur mit fünf Gemälden vertretenem Frühwerk beiträgt, macht die hervorragend kuratierte Ausstellung, „Picasso und die moderne britische Kunst“ anschaulich, die zurzeit in Edinburgh in der Scottish Gallery of Modern Art zu sehen ist.

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