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Picasso : Das Kind mit der Taube geht

Verlust für England: Picassos Schlüsselwerk „Das Kind mit der Taube“ wurde durch Vermittlung von Christie’s ins Ausland verkauft - wahrscheinlich nach Qatar.

          Der Versuch der britischen Regierung, Picassos „L’enfant à la colombe“ vor der Ausfuhr zu bewahren, ist gescheitert. Das beliebte Schlüsselwerk aus der Frühzeit des Künstlers ist durch die Vermittlung von Christie’s ins Ausland verkauft worden, wahrscheinlich nach Qatar. Dorthin folgt es anderen Trophäen, die sich das mit Informationen wenig zuvorkommende Emirat in den letzten Jahren gesichert haben soll, unter anderem eine Fassung von Cézannes „Kartenspielern“ aus dem Nachlass des griechischen Reeders George Embiricos, die Gerüchten zufolge „mehr als“ 250 Millionen Pfund gekostet habe, sowie Mark Rothkos „White Centre (Yellow, Pink and Lavender on Rose)“, das 2007 bei Sotheby’s mit 65 Millionen Dollar einen Weltrekord aufstellte, außerdem die Sammlung des französischen Filmregisseurs Claude Berri mit Werken von Lucio Fontana, Georgio Morandi und Richard Serra, die dem französischen Staat in Aussicht gestellt worden waren. Dieser konnte jedoch mit den Scheich-Milliarden nicht konkurrieren.

          „Der Abzug wäre ein Unglück“

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Wie alle bedeutenden Kunstwerke oberhalb eines bestimmten, je nach Art des Objekts variierenden Werts wurde auch das „Kind mit Taube“ im vergangenen August mit einem Ausfuhrstopp belegt, in der Hoffnung, dass sich bis Mitte Dezember 2012 ein britischer Käufer fände, der den „empfohlenen Preis“ von fünfzig Millionen Pfund aufbringe. Wenn sich ein ernsthafter Interessent gemeldet hätte, wäre die Frist bis Juni 2013 verlängert worden. Aber die Museumskassen sind erschöpft, und nun kommt das 1901 gemalte, den Beginn der Blauen Periode des knapp zwanzigjährigen Picasso markierende Gemälde, das nach den Worten des Gutachtens für die Regierung „so eng mit unserer Geschichte und unserem nationalen Leben verwoben ist, dass der Abzug ein Unglück wäre“, England abhanden.

          Das anrührende Bild gehört zu den ersten Werken Picassos, die in britischen Besitz gelangten. Es wurde 1924 von dem, durch Van Goghs Porträt bekannten, schottischen Galeristen Alexander Reid an die Sammlerin R.A.Workman verkauft. Vier Jahre später hat es der Textilunternehmer und Gründer des nach ihm benannten kunsthistorischen Instituts Samuel Courtauld erworben. Er hat es 1947 Christabel Lady Aberconway vermacht, einer Society-Schönheit, die in künstlerischen und intellektuellen Kreisen viel gerühmt war. In ihrem Haus hing ein Hinweis mit dem Vermerk: „Im Brandfall bitte die Bilder in dieser Reihenfolge retten“; das „Mädchen mit Taube“ stand an erster Stelle. Sie hatte fünf Kinder, aber es ist unklar, wer die Erben des Bildes sind, die es nach ihrem Tod 1974 bis 2011 als Dauerleihgabe der Londoner National Gallery zur Verfügung stellten. Jetzt ist das „Mädchen mit Taube“ noch bis zum 26. Mai im Courtauld Institute in der ausgezeichneten Ausstellung, „Als Picasso Picasso wurde: Paris 1901“ zu sehen.

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