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Pariser Kunstmarkt Was geschieht mit den Pariser Kunsthändlern?

18.10.2007 ·  Generationenwechsel in der Pariser Kunstszene: Ermüdet vom Konkurrenzdruck durch die großen Auktionshäuser schließen zwei berühmte Kunsthändler ihre Galerien. Angela Dandois und Maurice Ségoura kämpften zuletzt immer aussichtsloser für bleibende Werte im beschleunigten Kunstbetrieb.

Von Angelika Heinick, Paris
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In nur wenigen Jahren hat sich das Bild des traditionellen Pariser Kunst- und Antiquitätenhandels stark gewandelt, und die Königsdisziplin, die französische Schreinerkunst des 18. Jahrhunderts, hat zum ersten Mal ernsthafte Konkurrenz bekommen. Die Preise für das Mobiliar von Art-déco-Designern wie Armand Albert Rateau, Jacques-Emile Ruhlmann, Jean-Michel Frank oder Eileen Gray gleichen sich denen der Meisterwerke des Dixhuitième an.

Lange beherrschten die Händlerfürsten Jacques Perrin, Maurice Ségoura, Jean-Marie Rossi, Didier Aaron und Bernard Steinitz mit kunstvollen Inszenierungen des französischen Rokoko und des Louis-XVI-Stils samt kostbaren Wandvertäfelungen und Damastbespannungen die „Biennale des Antiquaires“. Auf der jüngsten Ausgabe der Pariser Prestigemesse im September hieß der Star Jean-Michel Frank bei Cheska Vallois, und Pierre Passebon sorgte mit einem blauen Plastiklüster von Verner Panton für eine Sensation. Der Einzug von Plastik auf der Biennale ist keineswegs das Zeichen eines oberflächlichen Geschmackswandels: Jüngere Sammler ziehen die Designermöbel der sechziger Jahre vor, die sich in minimalistisch ausgestatteten Interieurs mit Gegenwartskunst besser vertragen.

Generationenwechsel

Es vollzieht sich im Pariser Handel ein Generationenwechsel: Nach fast fünfzig Jahren hat Maurice Ségoura seine Galerie im März 2006 geschlossen und seine Bestände im vergangenen Oktober bei Christie's in New York versteigern lassen. Die Auktion spielte mit achtzehn Millionen Dollar fast doppelt so viel ein wie erwartet. Mehrere Gründe haben zur Schließung der Galerie geführt: François Pinault, der Eigentümer des Hôtel de Clermont-Tonnerre an der Place François Premier, wo die Galerie 1994 prunkvolle Räume bezogen hat, habe das Gebäude anders nutzen wollen, erklärt Maurice Ségoura, und er selbst wolle mit 74 Jahren, auch aus gesundheitlichen Gründen keine neue Galerie aufmachen.

Seine beiden Söhne, die viele Jahre in der Galerie präsent waren, wollten das Geschäft nicht übernehmen. Jacques Perrin, sein enger Freund und Händlerkollege, bedauert diesen Entschluss: Die Lagerbestände der Galerie hätten zweifellos einen soliden Grundstock für die zweite Generation gebildet. Doch beide wissen, dass das Geschäft heute für junge Händler viel schwieriger ist. Die herausragenden Möbelstücke, die noch Abnehmer finden, sind selten und, so sagt Jacques Perrin, „selbst für uns Händler“ sehr teuer geworden.

Erste Frau im „Goldenen Dreieck“

Ariane Dandois eröffnete ihre erste Galerie 1973. Erst im Dezember 1999 ließ sie sich im exklusiven Händlerviertel des Faubourg Saint-Honoré nieder und weihte ihre neue Galerie an der Rue du Faubourg Saint-Honoré mit einer Ausstellung bemalten italienischen Barockmobiliars ein. Als erste Frau im Antiquitätenhandel des „Goldenen Dreiecks“ am rechten Seineufer machte sich die attraktive Pariserin mit eigenwilligen Stilmischungen in einem kühlen zeitgenössischen Ambiente vor allem in den Vereinigten Staaten einen Namen.

In diesem Frühjahr hat sie nun ebenfalls ihre Galerie geschlossen und gibt deren Bestände in rund 800 Losen zu einer Gesamttaxe von dreizehn bis siebzehn Millionen Dollar am 24. und 25. Oktober bei Sotheby's in New York zur Auktion. Die Wahl von New York ergab sich von allein: Achtzig Prozent ihrer Kundschaft lebten dort, sagt Dandois, und nur ein großes Land wie Amerika könne eine solche Menge Lagerbestände aufnehmen. Sotheby's habe von ihr den Vorzug erhalten, weil das Haus in New York über größere Räumlichkeiten verfüge, in denen der Dekorateur Juan Pablo Molyneux, der auch die Ségoura-Auktion gestaltete, ihre Stücke inszenieren wird.

Die Entscheidung, ihre Galerie aufzugeben, sei ihr nicht leichtgefallen, doch ihre Tochter Ondine de Rothschild wolle das Geschäft nicht übernehmen. Sie kann deren Gründe nachvollziehen: Sie selbst habe dreißig Jahre lang kaum Urlaub gemacht und kein Familienleben gehabt. Aufgrund des Mangels an Spitzenobjekten sei es immer schwieriger, regelmäßige Ausstellungen zu organisieren. Ihre letzte Schau bestritt Dandois vor fünf Jahren mit Empire-Möbeln aus Europa. Außerdem finde sie es gut, sagt die Galeristin, die in einem von Männern beherrschten Milieu hart um ihren Platz kämpfen musste, „auf dem Gipfel des Erfolgs“ aufzuhören.

Der Markt der kleinen Händler schrumpft

Kein Händler gibt gern zu, dass er vom Geschmackswandel der Kundschaft betroffen ist. Dennoch schaut Jacques Perrin, der viele Jahre das „Syndicat National des Antiquaires“ leitete, mit Skepsis in die Zukunft des traditionellen Antiquitätenhandels und auch der Kunsthandlungen für Alte Meister: „Der Markt schrumpft.“ Als Grund führt er die Eroberung des Markts durch die großen Auktionshäuser an: Die Kunden gingen dorthin wie ins Spielcasino, erklärt er, und sie freuten sich, ein Objekt besonders teuer zu kaufen, um dessen Preis sie bei ihm feilschen würden.

Aber man müsse auch anerkennen, so Perrin, dass Christie's und Sotheby's durch ihr Marketing den Markt „dopen“. Er selbst spielt nicht mit dem Gedanken, seine Galerie aufzugeben. Einer seiner Söhne, Philippe, werde das Geschäft übernehmen. Patrick Perrin, der ebenfalls eine Galerie besitzt, hat sich indessen auf die Organisation von Messen wie des „Pavillon des Arts et du Design“ spezialisiert.

Die Mechanismen des Marketing

Das Händlerduo Bernard und Benjamin Steinitz hat Christie's beauftragt, am 19. Oktober in New York, am 14. November in Paris und am 6. Dezember in London 600 zusammen auf rund zehn Millionen Dollar geschätzte Lose zu versteigern. Das seien etwa zehn Prozent des Galeriebestands, erklärt der Sohn Benjamin Steinitz. „Ich brauche Geld“, sagt der Vater Bernard Steinitz, der die Galerie 1968 eröffnet hat, mit entwaffnender Direktheit. Doch er will keineswegs aus dem Geschäft aussteigen, sondern seine Pariser Galerie an der Avenue Matignon erweitern und im Herbst zusätzlich eine Galerie in London eröffnen.

Im Hause Steinitz sieht man die Auktionshäuser weniger als Konkurrenz denn als Mittel zum Zweck: „Wir möchten die Marketing-Maschine Christie's nutzen“, so Benjamin Steinitz, „um unseren Namen, unser Unternehmen in der Welt bekannt zu machen.“ Es ist nicht das erste Mal, dass Bernard Steinitz auf umfangreiche Auktionen zurückgreift: Im November 1993 veranstaltete er - am Pult stand Joël-Marie Millon - in den riesigen Lagerräumen Saint-Ouen bei Paris, die er nun verkauft hat, eine Mammutversteigerung mit mehr als tausend Losen. Aufgrund der schwachen Konjunktur spielte die Auktion mit 23,5 Millionen Franc zwar nur die Hälfte der erhofften Summe ein, aber sie machte das Haus Steinitz weit über die Kreise der Eingeweihten hinaus bekannt.

Bleibende Wert auf einem beschleunigten Markt

Die nun geschlossenen Galerien Ségoura, Dandois und François Fabius - Fabius ist im vergangenen Jahr verstorben - haben in Paris Lücken hinterlassen, die auf der nächsten Biennale des Antiquaires zu spüren sein werden. Das Fortbestehen von Galerien wie zum Beispiel Aaron oder Kugel scheint jedoch gesichert. Die auf den Finanzmärkten zu Vermögen gelangte neue Kundschaft wolle nur noch Gegenwartskunst, so analysiert Perrin, und gehe an den Kunstmarkt heran wie an die Börse: Man kaufe die Werke, deren Preise stiegen. Auch wenn die Traditionsgalerien weiter mit bleibenden Werten handeln, müssen sie sich der „Beschleunigung des Markts“, so Benjamin Steinitz, anpassen.

Quelle: F.A.Z., 13.10.2007, Nr. 238 / Seite 48
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