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Berliner Ergebnisse : Noch immer lockt der Mondschein

Die Ergebnisse der Frühjahrsauktionen bei Grisebach in Berlin mit 19. Jahrhundert, Moderne und Zeitgenossen - und dem Spitzenlos von Max Beckmann

          Der Favorit der Auktions-Suite bei Grisebach in Berlin erfüllte seine Rolle perfekt: Max Beckmanns kältestarrer „Tiergarten im Winter“, versehen mit einer Erwartung von 700 000 bis eine Million Euro, kam auf 1,5 Millionen. Erworben hat das Gemälde der Kunsthändler Wolfgang Wittrock, der mit Aufgeld dafür 1,8 Millionen Euro bezahlt. Es wäre wünschenswert, dass Beckmanns symbolisch aufgeladenes Bild aus dem Jahr 1937 künftig in einem Berliner Museum aufgehoben sein wird.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Ansonsten lag diesmal nicht viel Glanz auf den fünfzig „Ausgewählten Werken“, und Ausreißer sind nicht zu verzeichnen. Gabriele Münters „Herbstliche Landstraße“ von 1910 in Öl auf Pappe blieb gegen ein Gebot von 250 000 Euro im Schätzungsrahmen (Taxe 200 000/300 000). Die hohen Erwartungen an Walter Dexels „MO1925 I“ brachten einen Zuschlag unter Vorbehalt bei 130 000 Euro (150 000/200 000). Einen Achtungserfolg kann der Holländer Franz Willems verbuchen für sein neusachliches Frauenbildnis „Im Schein der Fotolampe“ von 1925 mit immerhin 40 000 Euro (18 000/24 000); die „Ausschauende“ seines deutschen Kollegen Georg Schrimpf aus demselben Jahr (60 000/80 000) blieb liegen. Insgesamt mussten fünfzehn Rückgänge hingenommen werden, darunter auch Erich Heckels sanftes „Lilien“-Bild von 1912 (200 000/300 000). Der unübersehbare Mangel in diesem Frühjahr an wirkungsvollen Werken des Expressionismus, die lange Zeit die Domäne von Grisebach darstellten, machte sich stark bemerkbar.

          Der Tod der heiligen Rosalie

          Bei der Kunst des 19. Jahrhunderts, die inzwischen traditionell den Auftakt bildet, brachte Lovis Corinths früher „Liegender weiblicher Rückenakt“, taxiert auf 200 000 bis 300 000 Euro, ein Gebot genau in Höhe der Obertaxe ein; inklusive Aufgeld kostet das attraktive Gemälde seinen Käufer 375 000 Euro. Empfindlich dagegen ist der Flop von Pissarros dann doch ein wenig fadem Ölbild „Route de Marly, Louveciennes“, dessen Schätzung bei 400 000 bis 600 000 Euro gelegen hatte, dem mit Abstand teuersten Los dieser Partie. Zum Shooting Star avancierte dafür Johan Christian Clausen Dahls zauberhafte „Mondscheinlandschaft“ mit dem zweithöchsten Zuschlag der Auktion bei 132 000 Euro, gegenüber einer Erwartung von 40 000 bis 60 000 Euro. Erstaunlich hoch bewertet wurde auch der in der Wolle nazarenisch gefärbte „Tod der heiligen Rosalie“ des Wieners Heinrich Schwemminger von 1838; das Ölgemälde samt zwei Vorzeichnungen schaffte 22 000 Euro (4000/6000). Das übrige Angebot hielt sich weitgehend im Rahmen der Erwartungen, die manchmal schon unter tausend Euro lagen.

          Von 99 Losen gingen der Anzahl nach nur zehn Lose zurück. Dem Wert nach sind das allerdings – hier gemessen an den unteren Taxen der Rückläufe – 589 000 Euro. Dieser Summe gegenüber steht die untere Gesamtschätzung der Offerte, nämlich 1,61 Millionen Euro – das heißt, dem Wert nach blieb mehr als ein Drittel unverkauft. Das spricht keineswegs gegen die ganze Liebesmüh mit diesen Blättchen und Studien des 19. Jahrhunderts. Im Gegenteil, die finden immer ihre Liebhaber! Es zeigt aber, dass diese Kenner extrem wählerisch sind. Sie winken – vor allem wenn es teurer wird – lieber ab: nicht nur bei einem untypischen Pissarro, sondern eben auch bei einem etwas steifen Rom-Bild von Franz Ludwig Catel (90 000/120 000) oder bei eher marginalen Studien solch etablierter Publikumslieblinge wie Max Liebermann (10 000/15 000; 30 000/40 000) und Hans von Marées (15 000/20 000; 18 000/ 24 000).

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