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Neues zum Gardner-Fall : Sechs tote Männer und John Kerry

Es ist wohl der bekannteste Kunstraub der Vereinigten Staaten: Im Jahr 1990 wurden dreizehn Gemälde aus dem Isabella Stewart Gardner Museum in Boston gestohlen. Bis heute fehlt von den Werken jede Spur - dafür gibt es Neues zu den Tätern.

          Was haben Bryan McDevitt, David Houghton, Lenny DiMuzio, George Reissfelder, Carmello Merlino und Robert Guarente gemeinsam? Jeder von ihnen ist schon einmal als Verdächtiger im Fall des spektakulärsten Kunstraubs in der Geschichte der Vereinigten Staaten benannt worden. Und sie sind alle tot.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          In den frühen Morgenstunden des 18. März 1990 klingelten zwei Männer in Uniformen der Bostoner Polizei beim Isabella Stewart Gardner Museum. Sie wurden eingelassen, fesselten die beiden Wachleute und nahmen nach einem Rundgang von 81 Minuten dreizehn Bilder mit, darunter Vermeers „Konzert“ und drei Rembrandts, ein Doppelporträt, ein gezeichnetes Selbstporträt und sein einziges Seestück. Bis heute markieren leere Rahmen die Lücken in der von Mrs. Gardner gemäß Instruktionen von Bernard Berenson zusammengetragenen Sammlung.

          Das Museum hat eine Belohnung von fünf Millionen Dollar ausgesetzt. McDevitt, ein Drehbuchautor, der wegen eines versuchten Einbruchs in ein Museum im Staat New York eingesessen hatte, sagte 1993 vor einer Grand Jury in Boston aus. Er starb 2004 mit 43 Jahren. Houghton, ein Automechaniker, wurde 1997 von Myles Connor, dem ersten Tatverdächtigen, der zur Tatzeit im Gefängnis war, als Drahtzieher genannt. Er war zum Zeitpunkt dieses Tipps schon seit fünf Jahren tot. Merlino, ein Unterboss der Mafiafamilie mit dem sprechenden Namen Patriarca, war der Besitzer der Autowerkstatt, in der Houghton beschäftigt war. Er stellte den Behörden 1999 Informationen über den Gardner-Coup in Aussicht, als er wegen eines Überfalls auf eine Panzerwagenfirma belangt wurde. Merlino starb 2005 im Gefängnis. Geoff Kelly, der federführende Ermittler des FBI, benannte Merlino und Guarente 2014 als Hauptverdächtige. Guarente, ein 2004 gestorbener Bankräuber, hatte nach Angaben seiner Witwe einem alten Freund auf dem Parkplatz eines Restaurants in Portland, Maine, mehrere Gemälde zur Aufbewahrung übergeben.

          Pünktlich zum fünfundzwanzigsten Jahrestag des Raubs meldete das als rechte Räuberpostille verschriene Internetnachrichtenportal Breitbart, das FBI habe die beiden falschen Polizisten identifiziert: alte Bekannte aus der Literatur, DiMuzio und Reissfelder. Sie sollen im Auftrag von Merlino tätig gewesen sein. DiMuzio, ein wegen seiner Geschicklichkeit renommierter Einbrecher, wurde schon 1991 von Kollegen erschossen. Reissfelder war wegen des Mordes an einem Wachmann im Jahr 1966 verurteilt worden, den er nicht begangen hatte, und floh während eines Hafturlaubs. Sein Anwalt erreichte 1982 die Aufhebung der Verurteilung - ein prominenter Lokalpolitiker namens John Kerry. 2009 sagte der damalige Senator, er wisse nicht, ob die Gardner-Beute bei Ebay gelandet sei. Bei ihm zu Hause an der Wand hingen die Bilder jedenfalls nicht - obwohl der Gatte der Ketchup-Königin Teresa Heinz sich den Kauf wohl hätte leisten können. Auch Reissfelder starb schon 1991, an einer Überdosis Kokain. Das FBI hat wissen lassen, dass die beiden Räuber nach seinem Kenntnisstand verstorben seien, will die Namen aber nicht bestätigen. Gemessen am Alter der Bilder, gibt Chefermittler Kelly zu bedenken, ist ein Vierteljahrhundert „eine relativ kurze Zeit“. Kurz ist das Leben, zumal das verbrecherische, lang die Kunst.

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