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Sachbücher des Jahres

Neue Tempel für den Kunstkauf Auf der Hatz nach Paris

Große Galeristen zieht es ins Umland der französischen Hauptstadt: Thaddaeus Ropac baut Megahallen und zeigt Anselm Kiefer. Und Larry Gagosian macht’s ihm nach.

Fast gleichzeitig eröffneten kürzlich Thaddaeus Ropac und Larry Gagosian neue Riesendependancen in Paris. Pikanterweise mit demselben Künstler: Anselm Kiefer. Das riecht nach Kampfansage, und es sieht ganz danach aus, als strecke der globalisierte Kunstmarkt seine Fühler jetzt nach Paris aus. Frankreichs Hauptstadt rückte spät in den Fokus des internationalen Handels mit zeitgenössischer Kunst, zu konservativ und patriotisch blieb lange der französische Geschmack.

Zwar entwickelte sich seit den achtziger Jahren eine abwechslungsreiche Galerielandschaft, zu der auch einige Dependancen ausländischer Galeristen beitrugen, doch den Kunstkapitalen New York und London reicht diese Szene nicht das Wasser. Seltsam eigentlich, wenn man bedenkt, dass zwei der aktuell einflussreichsten Sammler weltweit, die rivalisierenden französischen Luxuskonzern-Unternehmer Bernard Arnault und François Pinault in der Stadt zugange sind.

 © Reuters Vergrößern ... zog der Kunsthändler Larry Gagosian in Le Bourget nach – und trat an mit einer Schau von: Anselm Kiefer

Dass in Paris mehr Potential steckt, welches man mit entsprechendem Angebot wachkitzeln muss, testete und erkannte Thaddaeus Ropac, der für diese Dinge eine Trüffelnase hat. Der Österreicher begann seine Bilderbuchkarriere 1983 sozusagen hinter den sieben Bergen, im kleinen Salzburg, wo während weniger Festspielwochen im Jahr kapitalstarkes internationales Publikum anreist, das der Galerist mit großkalibrigem Programm und nicht zuletzt mit seiner gewinnenden Persönlichkeit überzeugte.

Wie damals bürstete Ropac gängige Vorstellungen vom idealen Galeriestandort abermals gegen den Strich, als er 1990 eine erste Zweigstelle in Paris einrichtete, um auch dort Warhol, Baselitz, Alex Katz, Gilbert& George und seine anderen Stars zu zeigen. Legt man die Quadratmeter von inzwischen je zwei Filialen in Salzburg und Paris zugrunde sowie einen Stab von insgesamt sechzig Mitarbeitern, dürfte Ropac heute die größte Galerie in Kontinentaleuropa sein.

Das Imperium schlägt zu

Larry Gagosians Konzept geht anders. Seit 1980 rollt er von Los Angeles, dann von New York aus großflächig sein Galerienetz aus. Das Imperium des 67-Jährigen, der vielen als mächtigster Kunsthändler der Welt gilt, umfasst mittlerweile zwölf Niederlassungen in Amerika, Europa und Asien. Ungeniert operiert Gagosian nach Kuckucks-Art: Mit Vorliebe setzt er sich ins gemachte Nest, will heißen, wirbt den Kollegen Künstler ab, wenn deren Ruhm für Preise sorgte, die sich mit entsprechendem Geschick nach oben ausbauen lassen (spektakulär der Fall des Autoschrottskulpteurs John Chamberlain, der nach zwanzig Jahren bei Pace zu Gagosian gewechselt war. Noch undurchsichtig hingegen die Gründe, die gerade zur Trennung von Gagosian und Damian Hirst führten). Auch installiert Gagosian seine Außenposten gerne dort, wo das Galerienpflaster schon gelegt ist.

In Paris etwa machte er erst vor zwei Jahren eine Filiale auf, sie bietet immerhin auch schon 900 Quadratmetern im Luxusviertel nah den Champs Elysées. Kaum gab Ropac im vergangenen Sommer die Eröffnung seiner neuen Großkunsthallen im nordöstlich von Paris gelegenen Pantin bekannt, stieg Larry Gagosian in den Ring. Unter dem Motto „diesen Kuchen wirst Du nicht allein essen“ konterte er überraschend mit der Ankündigung gleichfalls neue Riesenräume im nördlich gelegenen Le Bourget zu eröffnen - drei Monate später waren sie fertig. Abgesehen davon, Riesenbilder und Großinstallationen zeigen zu können, sind die Unterschiede zwischen beiden XXL-Locations immens.

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Veröffentlicht: 26.12.2012, 06:17 Uhr

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Von Berthold Kohler

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