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Neue Sachlichkeit in Dresden Wahrheit verpflichtet

12.12.2011 ·  Zwei Orte heben die Neue Sachlichkeit ins Dresdner Rampenlicht: Die Galerie Döbele und der Lipsiusbau.

Von Camilla Blechen
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© Döbele Typische Erscheinung: Ernst Hassebrauks „Bildnis eines Leipziger Kunsthändlers“ von 1937 kostet 25.000 Euro

Als Leihgeberin partizipiert die Dresdner Galerie Döbele am Publikumserfolg der Rückschau auf die „Neue Sachlichkeit in Dresden“, die noch bis zum 8.Januar im Lipsiusbau an der Brühlschen Terrasse läuft. Parallel zur Parade der - um ihre Galionsfigur Otto Dix gescharten - sächsischen Veristen zeigt die 1995 aus Süddeutschland an die Elbe übergewechselte Kunsthandlung gegenwärtig eine Verkaufsausstellung mit Arbeiten von achtzehn Dresdner Künstlern, die flankiert sind von Stilgefährten aus anderen deutschen Regionen. Bei Döbele ergeben sich also beste Chancen für private Sammler, ihre Begeisterung für die Schöpfer der im Lipsiusbau bewunderten Spitzenwerke auf kleinere Positionen zu übertragen.

In der Galerie sind es vor allem Zeichnungen und Druckgraphiken, die bezahlbare Ankaufswünsche wecken. Weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde der als „Raffael von Dresden“ bewunderte Wilhelm Lachnit, dessen bereits im Jahr 1927 von der Gemäldegalerie erworbenes Porträt der bulgarischen Fotografin Maria Tokeva als versonnen blickendes „Mädchen im Pelz“ den Katalogumschlag der repräsentativen Museumsschau schmückt, die mit 180 Werken von rund achtzig Künstlern bestückt ist. Lachnit, diesen überzeugten Parteigänger des Proletariats, kennzeichnet die Radierung „Arbeiter mit Mütze“ von 1924, deren Preis 1800 Euro beträgt. Als Lachnits Bruder im Geist des Klassenkampfs erscheint Karl Völker, der überwiegend in Halle an der Saale tätig war: Dessen mit schwarzer Kreide festgehaltene Gruppe ausgemergelter Gestalten kostet 6800 Euro; sein Holzschnitt „Szene aus einem Arbeitertheater“ wird für 1800 Euro angeboten.

Die Mutter und das Gemüse

Dem Gästebuch des Kunstmäzens Fritz Glaser entstammt ein Profilbildnis Otto Griebels, skizziert von Eric Johansson (1200 Euro). Der Dargestellte selbst ist - ebenso wie Otto Dix, George Grosz, Hans Grundig und Curt Querner - in der Galerie nicht vertreten. Doch Otto Griebels großformatiges Aquarell „Zwei Frauen“, das im April 2010 der griechische Reeder und Sammler George Economou bei einer Auktion von Ketterer in München für 158.600 Euro (inklusive des Käuferaufgelds) erworben hat, zählt zu den Höhepunkten der Ausstellung im Lipsiusbau.

Zwischen den zahlreichen männlichen und weiblichen Charakterköpfen fällt bei Döbele Paula Lauensteins Bleistiftzeichnung „Mädchen in gestreifter Bluse“ zum Preis von 4000 Euro auf. Von hohem motivischen Reiz ist Fritz Trögers, mit tausend Euro beziffertes, aquarelliertes Tuscheblatt „Beim Spinatlesen“: Es stellt eine Hommage an die Mutter des Künstlers dar, dessen Eigenart in einer ausgeprägten Konturierung der Bildgegenstände lag; Tröger ist mit vierzehn Gemälden im Albertinum, der Dresdner Galerie Neue Meister, vertreten. Unter den Gemälden fällt - als die teuerste Offerte - Conrad Felixmüllers 1930 datierte „Blumenbetrachtung“ auf, die von seiner Ehefrau Londa angestellt wird (95.000 Euro). Ernst Hassebrauk empfiehlt sich mit dem Bildnis eines Leipziger Kunsthändlers (25.000 Euro), und Ernst Bursche lässt seinen Sohn Stefan in romantischer Manier eine weiße Lilie schultern (29.000 Euro).

Gussy Hippold-Ahnert, deren 1932 in der „Abendakt“-Klasse bei Otto Dix beobachtete „Sitzende Schwangere“ in der Neue-Sachlichkeit-Schau im Lipsiusbau unübersehbar präsent ist, gehört zu den weniger bekannt gewordenen Dresdner Malerinnen. Ihnen widmet Hedwig Döbele ihr besonderes Augenmerk: Das bezeugen vier Porträts mit Schätzpreisen von 6000 bis 14.000 Euro im Angebot der Galerie.

Bis 14. Januar. Die Galerie ist vom 23. Dezember bis zum 7. Januar 2012 geschlossen.

Quelle: F.A.S.
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