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Neue Kunst und Moderne Die Frauen als Retter der Umsätze

Erfolge für Otto Mueller und Lotte Laserstein, allerdings auch mit mancher Enttäuschung. Die Ergebnisse der Herbstauktionen der Villa Grisebach in Berlin.

Die Auktion mit „Ausgewählten Werken“ in der Villa Grisebach in Berlin wurde von einer guten Nachricht für die Museen begleitet. Auktionator Peter Graf zu Eltz trug die Entscheidung sachlich vor: „Auf Bitten des Stadtmuseums Dresden, der Kulturstiftung der Länder und des Eigentümers verzichtet die Villa Grisebach auf die Versteigerung des Gemäldes ,Sonnenaufgang‘ von Otto Dix.“ Das Gemälde ist im Katalog der Auktion als Los sieben verzeichnet und sollte 300.000 bis 400.000 Euro einspielen.

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Doch Otto Dix hatte den „Sonnenaufgang“ im Jahr 1920 dem Stadtmuseum Dresden geschenkt. 1937 beschlagnahmten die Nationalsozialisten das Werk und zeigten es in der Propagandaschau „Entartete Kunst“ in München. Nun hat das Museum das Gemälde erworben, und es kehrt nach mehr als 75 Jahren an den versprochenen Ort zurück. Und noch ein weiteres Spitzenlos wurde, diesmal ohne Angabe von Gründen, aus der Auktion genommen - und konnte so nicht zum Umsatz beitragen: Lovis Corinths „Paraphrase“ von 1907. Das Gemälde zeigt Charlotte Corinth und war auf 400.000 bis 600.000 Euro geschätzt.

So lastete auf den Schultern der restlichen sechzig Lose die Aufgabe, den Umsatz der Hauptauktion der Herbstwoche zu retten. Besonders zwei Künstler, nämlich Otto Mueller und Lotte Laserstein, sollten alle Erwartungen erfüllen und in einem Fall sogar weit übertreffen. Doch mussten auch einige schmerzhafte Rückgänge ausgeglichen werden. Das Schicksal ereilte unter anderem Noldes „Boote in der Marschlandschaft“ (Taxe 110.000/ 130.000 Euro), Heckels „Blick aufs Meer“ (300.000/400.000) und Schlemmers „Figur auf grauem Grund“ (300.000/ 400.000). Auch für Liebermanns „Blick aus dem Nutzgarten nach Osten“ (300.000/400.000) fand sich niemand. Als dann auch noch Pechsteins „Sonnenuntergang an der See“ von 1921 bei 350.000 Euro (400.000/600.000) hängen blieb, war die Stimmung im Saal im Keller.

Otto Muellers „Zwei Mädchen“ ließen sich davon nicht beirren: 1,18 Millionen Euro (800.000/1,2 Millionen) verzeichnete Graf zu Eltz schließlich für die Bieternummer 1409. Zwei Telefonbieter verkeilten sich dann völlig im Kampf um Lotte Lasersteins „Rückenakt (Traute Rose)“: In Tausender-Schritten ging es hinauf von der unteren Schätzung bei 40.000 bis 60.000 Euro, bis schließlich die erstaunliche Summe von 280.000 Euro feststand - und Applaus den Saal erfüllte. Entblößte Frauen kommen in allen denkbaren Formen gut an beim Publikum: Es folgte noch Karl Hofers „Mädchen sich kämmend“, das schließlich 284.000 Euro (150.000/ 200.000) erzielte. Karl Schmidt-Rottluffs diskutierende „Frauen am Meer“ von 1919 ließen ebenfalls ihre untere Schätzung hinter sich und wurden bei 480.000 Euro (400.000/600.000) zugeschlagen.

Damit nicht genug: Franz Nölkens „Sitzender Akt beim Ankleiden“ von 1908 aus einer norddeutschen Privatsammlung stieg auf 105.000 Euro, gegenüber einer Taxe von 40.000 bis 60.000 Euro. Frauenmotive liefen in Berlin - doch dann kamen auch noch die Männer zum Zuge: Max Liebermanns „Selbstbildnis im Anzug, Büste en face“ von 1922 erzielte 85.000 Euro (70.000/90.000), und Emil Noldes farbintensive „Zwei Bärtige Männer (Apostel)“ stiegen von einer oberen Schätzung bei 400.000 Euro auf 550000 Euro. Außerdem fiel Corinths Aquarell „Herbst“ von 1921 auf, das 110.000 Euro (80.000/ 120.000) brachte, und Schmidt-Rottluffs „Stillleben mit Flaschen und Blattpflanze“ von 1952 für 252.000 Euro (140.000/ 180.000).

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Bei der Kunst des 19. Jahrhunderts brillierte ein „Holländisches Mädchen“ von Liebermann, um 1887, mit 24.0000 Euro (150.000/200.000). Menzels „Frau mit Wasserglas“, geschätzt auf 2500 bis 3000 Euro, bekam eine Dame im Saal für 10.000 Euro zugeschlagen. Gleich im Anschluss stieg dann Wilhelm Buschs „Waldrand mit dickem Baum und Rotjacke“ von 7000 auf 20.000 Euro.

Diese kleine Anzahl an Losen steht nur stellvertretend für eine erfolgreiche Versteigerung; ihr Ergebnis zeigt, dass sich der Markt langsam verlagert. Die Kunst der Moderne hat immer größere Akquiseschwierigkeiten. Einen sechsstelligen Betrag erreichte in Berlin noch Christian Daniel Rauchs „Porträt-Büste der Königin Luise von Preußen“ aus Marmor von 1804 mit einem Zuschlag bei 305.000 Euro (100.000/ 150.000).

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 02.11.2012, 06:04 Uhr