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Münzen in New York Ein Palast für ein Goldstück

Auf einen Zuschlag: Die einzigartige Münzsammlung von Archer Huntington kann nur komplett ersteigert werden. Sie ist vorsichtig auf 25 bis 35 Millionen Dollar geschätzt.

© Sotheby's Vergrößern Variatio delectat: Als Sultan SüleymanI. im Jahr 1529 Wien belagerte, durften Münzen auch mal quadratisch sein

Archer Huntington, 1870 als Kind einer nicht einmal zwanzigjährigen, unverheirateten Mutter in New York geboren, war zunächst ein unwahrscheinlicher Kandidat dafür, einer der großzügigsten Philanthropen der Vereinigten Staaten zu werden. Doch mit seinem ausgeprägten Kunstsinn und dem Glück, dass sein Stiefvater zu den reichsten Männern des Landes gehörte, konnte er bald vielfältige Institutionen beschenken, botanische Gärten und Skulpturensammlungen gründen.

Kaum etwas interessierte Huntington mehr als die spanische Welt. Er sammelte spanische Bücher, Manuskripte, Münzen und Malerei und finanzierte archäologische Ausgrabungen auf der Iberischen Halbinsel, an denen er auch selbst teilnahm. 1904 rief er die „Hispanic Society of America“ ins Leben - und spendierte das Museum und die Bibliothek samt Grundstück im Norden Manhattans der Stadt. Vor allem aber gab er der Gesellschaft seine immensen Sammlungen (und die Mittel, sie noch zu erweitern): auch seine absolut einzigartige Münzsammlung, die um die Geschichte Spaniens kreist. Sie ist mit rund 38 000 Stücken nicht nur riesig, sondern auch einmalig in ihrer enzyklopädischem Bedeutung und reich an kostbarsten Seltenheiten. Sie reicht von einer karthagischen Tridrachme - mit dem Antlitz des Gottes Melkaart auf der einen und einem afrikanischen Elefanten auf der anderen Seite - bis zu Belagerungsmünzen der Habsburger, Gold und Silber der Bourbonen und einem vielleicht unikaten Acht-Escudo-Stück, das 1729 in Mexico City geprägt wurde.

Zeichen der arabischen Herrschaft

Die Zeit des antiken Roms repräsentieren mehr als 400 Goldmünzen und knapp 3000 Silber- und Bronzestücke von der Republik bis zum Ende der Kaiserzeit: Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den spanischen Kaisern Trajan und Hadrian. Von einem goldenen Solidus aus der Regierungszeit des Priscus Attalus im 5. Jahrhundert sind nur elf weitere Exemplare bekannt. Er war römischer Präfekt, als Alarich I. in Rom einfiel und die Herrschaft der Westgoten begann, die ein Jahrhundert später ihre Hauptstadt in Toledo gründeten. Dass Archer Huntington den Solidus in seine Münzgeschichte Spaniens integrierte, zeigt, wie umfassend seine Geschichtsauffassung war. Und während seine Sammlung von Münzen der römischen Antike in ihrer Art immerhin mit den großen Nationalsammlungen in Madrid, Paris und London vergleichbar ist, gilt seine Kollektion von 675 Goldmünzen des Westgotenreichs als weltweit unerreicht.

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Im Jahr 711 begann mit der islamischen Herrschaft ein neues, sieben Jahrhunderte währendes Kapitel in der Geschichte der Iberischen Halbinsel, deren Münzen sich jetzt durch elegante arabische Schriftzeichen auszeichnen. 1492 brach mit der Eroberung von Granada die Zeit der katholischen Könige Ferdinand und Isabella an, aus der das größte Highlight der „Huntington Collection“ stammt: ein unikates Fünfzig-Excelentes-Goldstück, mit dem allein man wohl einen Palast hätte kaufen können. (Ein Excelente entspricht einem Dukaten, der etwa 3,5 Gramm wiegt.) Das gesamte 15. Jahrhundert hat wohl keine größere Goldmünze hervorgebracht - zum Vergleich: Einzelne Beispiele des weiter verbreiteten Zwanzig-Excelentes-Stücks haben auf Auktionen bis zu einer Dreiviertelmillion Dollar erzielt.

Am 8. März wird die gesamte Münzsammlung von Archer Huntington in einer sealed-bid auction bei Sotheby’s in New York versteigert. Alle Stücke sind zu einem einzigen Los zusammengefasst: Die Schätzung liegt - vorsichtig - bei 25 bis 35 Millionen Dollar. Man kann sich nur wünschen, dass die Sammlung als solche erhalten bleibt. Die Hispanic Society of America wird den Erlös für den Ankaufsetat und die Pflege ihrer Sammlung verwenden, die unter anderen Gemälde von El Greco und Goya sowie mehr als 175 000 Fotografien und 300 000 Dokumente vom 10. Jahrhundert bis in die Gegenwart enthält.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 04.03.2012, 05:50 Uhr