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Münchner Vorschau II : Ein Herr malt sich selbst

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Moderne und Gegenwartskunst steht bei Karl & Faber in München für den 6. und 7. Dezember im Programm. An der Spitze der Schätzungen liegt ein Gemälde Gerhard Richters.

          Die Auktion mit ausgewählten Werken zur Kunst nach 1945 bis heute bei Karl & Faber in München läuft sich am Abend des 7. Dezember warm mit Rupprecht Geigers „799/98 (frühes Rot b/98)“: Dieses Frührot, nach landläufigem Verständnis ein ins Gelbe verlaufendes Orange, umhüllt eine schlohweiße Scheibe sowie ein grünliches Rechteck und weckt Assoziationen an Wärme, Sonne und leere Landschaft (Taxe 20 000/25 000 Euro). Auf dem folgenden Los geht es zu wie im Kohlenkeller, dem Konrad Klapheck helle Schlüssellochformen vorschweben lässt – laut Titel sind es allerdings „Fahrradschellenelemente“ (20 000/25 000).

          Das erste Großkaliber kommt mit Frank Auerbachs „J.Y.M. Seated in the Studio III“ in den Saal; die Schätzung für das Ölgemälde lautet auf 350 000 bis 500 000 Euro: Es zeigt 1988 Juliet Yardley Mills, eines der wichtigsten Modelle des Künstlers, in seiner spezifischen, dick Farbe schichtenden, semi-abstrakten Malweise. Mit Gerhard Richters 52 mal 72 Zentimeter messendem „Abstraktem Bild (585-3)“ von 1985 tritt das Hauptlos der Veranstaltung an. Seinerzeit in der Galerie Fred Jahn erworben, kommt das dynamische, grüne Stränge um einen glühenden Kern ziehende Querformat jetzt aus Münchner Privatbesitz und soll 600 000 bis 900 000 Euro einspielen. Unter mehreren Werken Franz Erhard Walthers, der seit einiger Zeit sein Revival feiert und auf der diesjährigen Biennale in Venedig den Goldenen Löwen einheimste, fordert die „Körperskulptur gelb“ aus Baumwollstoff zum Ankleiden und zu Handlungen in der Art ihres Schöpfers auf (20 000/30 000). Ein Sonderkapitel gilt der Kunst nach 1945 aus Österreich. Dort fehlt zwischen Attersee, Bruno Gironcoli, Arnulf Rainer und Elke Krystufek kaum eine der bekannten Größen.

          Den Anfang macht am 6. Dezember die Klassische Moderne. Heinrich Campendonks „Bild mit Vögeln“, das einen roten Hahn und ein grünes Hühnchen in dichter Vegetation zeigt, entstand 1916 in Vorbereitung seiner ersten Einzelausstellung bei Herwarth Waldens Berliner Galerie Der Sturm. Mit 250 000 bis 350 000 Euro geht es nun an den Start. Max Pechstein malt sich 1918 selbst: ein strenger Herr mit Spitzbart an der Staffelei im Berliner Atelier unterm Dach (120 000/150 000). Eines der letzten Gemälde von Lyonel Feiniger ist „Possendorf IV“, auf dem er, längst zurück in New York, 1953/54 der Gegend um Weimar huldigt. Lange Zeit war das Bild im Besitz der Familie des Künstlers und des Family Trusts, für 180 000 bis 250 000 Euro sucht es nun eine neue Bleibe. Vreneli Hassler hieß das kleine Mädchen, das Otto Dix 1935 in einer Wiese liegend zeichnete (120 000/130 000): Blumen und Gräser brachte er mit schnellen Kohlestrichen auf den großen Zeichenkarton, das Gesicht des Töchterchens von Kunstsammlern aus Schaffhausen aber führte er sorgsamst aus mit gewischtem Rötel und höhend getupfter weißer Kreide, und ein wenig Aquarell ist auch noch dabei.

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