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Münchner Vorschau I : Morgensonne ist Wonne

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Max Beckmann malte das „Stillleben mit Rosen“ 1927 in Frankfurt , Öl auf Leinwand, 57 mal 64 Zentimeter: Taxe 400 000 bis 600 000 Euro. Bild: Ketterer/VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Die klassische Moderne kann beim Münchner Auktionshaus Ketterer groß auftrumpfen. Vom 7. bis 9. Dezember kommt dort die Moderne und zeitgenössische Kunst zum Aufruf.

          Die Klassische Moderne liefert den Herbstauktionen bei Ketterer in München, die am 7. Dezember beginnen, ihre Spitzenreiter. Am 9. Dezember ist das zunächst ein Stillleben mit üppigem Rosenstrauß, das Max Beckmann 1927 malte – also in seiner Frankfurter Zeit –, weshalb der Katalog, im Vordergrund zusammengefaltet, ein Exemplar der „Frankfurter Zeitung“ vermutet. Die Schätzung für das 57 mal 64 Zentimeter große Ölgemälde liegt bei 400 000 bis 600 000 Euro. Mit derselben Taxe versehen ist eine „Merz-Zeichnung“ von Kurt Schwitters, die tatsächlich eine Assemblage aus Karton, Holz, Nägeln, Kreide und mehr darstellt; er schuf sie 1919, mithin als ganz frühe Merz-Arbeit, während eines Besuchs in Worpswede. Max Liebermann erregt als Pastellzeichner Aufmerksamkeit mit mehreren Blättern aus ehemaligem Besitz von Bruno und Sadie Adriani. Der Berliner Anwalt und seine amerikanische Frau wanderten 1930 nach Genf aus, später nach Monterey und vermachten den Großteil ihrer bedeutenden Sammlung dem Museum in San Francisco. Als dem Hauptblatt bei Ketterer gilt der „Jungen Kuhhirtin“ von 1896 eine Erwartung von 150 000 bis 180 000 Euro.

          In der satt bestückten Expressionismus-Offerte liegen Franz Marcs „Zwei Pferde, blaugrün“ von 1911 vorn. Das Werkverzeichnis von 2011 vermerkt den Verbleib der bezaubernden, mit Aquarell akzentuierten Zeichnung aus dem Motivkreis der blauen Pferde noch als unbekannt: Seit 1916 hatte sich das Blatt, von der Forschung unbemerkt, in privatem Besitz befunden (Taxe 200 000/300 000 Euro). Ein weiteres bedeutendes Aquarell steht mit Heckels „Kind in der Hängematte“ aus dem Jahr 1909 zur Verfügung; das Modell dürfte die berühmte Fränzi gewesen sein, die hier im blauen Kleid vor orange-grünem Grund schaukelt (90 000/120 000). In die Jahreszeit passt Gabriele Münters 1911 gemaltes Ölbild einer von kahlem Geäst vor rosa Himmel überragten „Vereisten Straße“ (120 000/ 150 000). Sommerlich dagegen wirkt Kokoschkas Panorama „HamburgIII“: Für das Bild beschaffte 1961 der Architekt und Sammler Edgar Horstmann dem Künstler eine Sondergenehmigung, die ihm das Malen auf der Stülcken-Werft mit ihrem grandiosen Blick auf Hamburg erlaubte (200000/ 300000). Von der lang vergessenen Hamburger Künstlerin Anita Rée, der die Kunsthalle ihrer Heimatstadt gerade eine Retrospektive widmet, gibt es einen der Neuen Sachlichkeit nahen „Kleinen Chinesenkopf“ von 1913 (9000/12 000).

          Franz Marc, „Zwei Pferde, blaugrün“, 1911, 13,2 mal 20,1 Zentimeter: Taxe 200 000 bis 300 000 Euro Bilderstrecke
          Franz Marc, „Zwei Pferde, blaugrün“, 1911, 13,2 mal 20,1 Zentimeter: Taxe 200 000 bis 300 000 Euro :

          Bei der Kunst nach 1945 macht sich gleich eingangs Ernst Wilhelm Nay stark mit „Scheiben und Halbscheiben“, einem Fest der Farben in Öl von 1955 (250 000/ 350 000). Präsenz zeigt die farbreduzierte formstrenge Kunst der Sechziger: Yves Klein gibt da 1958/59 einen Frühstart mit „Monochrome bleu (IKB 242 A)“ auf Papier (150 000/250 000). Zur selben Zeit schuf Dadamaino ihr „Volume negativo“ (80000/100000), das dem Licht- und Schattenspiel auf der Leinwand eine Bühne baut – wie sie auf andere Art auch die Nägel auf Ueckers frühem „Weißen Feld“ bekommen (200 000/300 000). „Happier than the morning sun (for S. Wonder)“ jubelt der Titel einer vierteiligen Arbeit mit Zeichnung und Collage-Elementen von Blinky Palermo (200 000/300 000). Gerhard Richters quadratisches Ölbild „Rot-Blau-Gelb“ gehört in die gleichnamige Unikat-Edition von hundert Leinwänden aus dem Jahr 1973 (200 000/300 000). Von Baselitz stammt ein „Abgarbild“ mit geschlossenen Lidern (180 000/240 000); vor vier Jahren brachte ein Exemplar mit offenen Augen aus der kleinen Serie der Abgar-Köpfe von 1984 bei Ketterer den Zuschlag von 370 000 Euro.

          Sechzig Lose zeitgenössischer Kunst sind ebenfalls am 9. Dezember an der Reihe. Mit vier Arbeiten ist Imi Knoebel dort am häufigsten vertreten. Von Cornelius Völker leckt sich diesmal „MundV“ die Lippen (18 000/20 000), und Mel Bochner schreibt „Blah, Blah, Blah“ auf Samt – wer mag ihn da genervt haben (75 000/ 80 000)?

          Quelle: F.A.Z.

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