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Münchner Ergebnisse II : Erfolg nicht nur mit Ritter, Tod und Teufel

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Die Herbstauktionen beendeten ein erfolgreiches Jahr 2017 für das Münchner Auktionshaus Karl & Faber: ein Blick auf die Ergebnisse.

          Heinrich Campendonks „Bild mit Vögeln“ ist über jeden Fälschungsverdacht erhaben. Noch im Entstehungsjahr 1916 stellt es Herwarth Waldens Galerie Der Sturm in Berlin aus, bildet es vor allem auch im Katalog ab. Eine Zeitlang hing es als Leihgabe im Franz-Marc-Museum in Kochel, und den Segen von Gisela Geiger, Direktorin des Campendonk-Museums in Penzberg, hat es auch. Seit dem Skandal um Beltracchis Fälschungen des Künstlers ist Absicherung nötiger denn je.

          Bei Karl & Fabers Moderne-Auktion war das Hamburger Privatgebot für das „Bild mit Vögeln“ auf der sicheren Seite und überstieg mit 480 000 Euro deutlich die Taxe von 250 000 bis 350 000 Euro. Die Klassische Moderne schnitt insgesamt gut ab: Georg Tapperts Berliner „Tingeltangel“, er malte die drei Varieté-Tänzerinnen 1917, erreichte mit 100 000 Euro nicht ganz die Erwartungen. Bei 120 000 landeten Pechsteins „Fischerkaten“, gesehen 1928 in Hinterpommern (Taxe 80 000/120 000); sein früheres „Selbstbildnis im Berliner Atelier“ blieb schon bei 110 000 Euro hängen. Liebermanns Pastelle seines Wannseegartens bewiesen diesmal ihre Beliebtheit bei einer „Blumenterrasse nach Nordosten“, mit verdoppelter unterer Taxe, bei 50 000 Euro. Feiningers späte, in New York wie mit dem Pinsel in Öl gezeichnete Erinnerung „Possendorf IV“ nahm für 240 000 Euro (180 000/ 250 000) ein norddeutscher Sammler. Einen Auktionsrekord meldet das Haus für Carl Buchheister, einen der frühesten Vertreter des Konstruktivismus in Europa. 1930, drei Jahre vor seiner Verfemung als „entartet“, entstand das „Zweisystem Bild“ großflächiger Vierecke in reduzierter Palette, das von 60 000 auf 130 000 Euro kletterte. Eine Privatsammlung von hoher Qualität mischte Highlights in die Offerte mit Kunst nach 1945 bis heute, zum Beispiel Frank Auerbachs „J.Y.M. Seated in Studio III“, ein exzellentes Beispiel für die Porträtserien des 1931 in Berlin geborenen englischen Künstlers, den man als Siebenjährigen zur Rettung vor den Nazis nach Großbritannien schickte. Es ist nicht zu verstehen, dass kaum ein deutsches Museum ein Werk des Künstlers besitzt, der zusammen mit Lucian Freud und Francis Bacon der „School of London“ zugeordnet wird. Auch diese aktuelle Chance wurde wieder verpasst: Der Auerbach ging, verhältnismäßig günstig, für 300 000 Euro (350 000/500 000) an einen britischen Händler.

          Um Richter buhlen gleich zwölf Bieter

          Aus der erwähnten Sammlung stammte auch Gerhard Richters „Abstraktes Bild (585-3)“ von 1985. Weil die Komposition in Gelb und Grün um einen orangefarbenen Kern nicht gerakelt, sondern gemalt war, habe der am Gewohnten interessierte amerikanische Markt nicht reagiert, so Rupert Keim, Chef des Hauses – Glück für einen Berliner Sammler, der mit 550 000 Euro (600 000/900 000) dabei war. Stimmung kam bei Fotoübermalungen Richters auf: Elf Gegenspieler hatte ein Münchner zu übertrumpfen, bis er „13. März 2000 (Firenze“) für 66 000 Euro (35 000/45 000) sicher hatte; „Firenze (92/99)“ nahm er für 42 000 Euro (25 000/30 000) auch gleich noch. Im Fall von Thomas Schüttes Mappe „Architektur Modelle 1980–2006“ musste ein Museum bei 44 000 Euro (20 000/ 30 000) gegen ein privates Gebot die Waffen strecken. An Privatsammler gingen auch Konrad Klaphecks kleines Gemälde mit „Fahrradschellenelementen“ aus den frühen Sechzigern für 34 000 Euro (20 000/25 000) und Franz Erhard Walthers „Körperskulptur gelb“ für 30 000, zur oberen Taxe.

          Rupert Keim bezeichnet das Jahr 2017 als das erfolgreichste seiner 2003 begonnenen Zeit als Geschäftsführer der Firma. Etwas mehr als die Hälfte des Umsatzes entfiel auf die Herbstsaison, deren Beginn Floris van Schootens „Banketje“ mit Beeren, Brot und Käse bei der Alten Kunst verschönt hatte: Nach Jahrzehnten marktfrisch aus Privatbesitz aufgetaucht, stieß das Haarlemer Gemälde von etwa 1625 auf viel Resonanz; es wanderte für 110 000 Euro (60 000/80 000) in ausländischen Handel. Ebenfalls heiß umworben war die Ölskizze nach Johann Evangelist Holzers Deckenfresko vom „Martyrium der heiligen Felicitas und ihrer sieben Söhne“ in der von Balthasar Neumann erbauten, längst zerstörten Abteikirche von Münsterschwarzach: Dass das Werk an eine englische Privatperson fiel und nicht an die gleichfalls interessierte Abtei, lag am Anstieg von 4000 auf 17 500 Euro. An den Erfolg einer Sonderpartie mit Wilhelm-Busch-Gemälden vor einem Jahr konnte Karl & Faber mit Werken aus der Sammlung Rudolf Neugass anknüpfen, die das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover an die Erben des in Theresienstadt ermordeten jüdischen Bankiers restituiert hatte. Ein Rekord für Busch entfiel mit 38 000 Euro (20 000/25 000) auf eine wilde „Rauferei auf der Kirchweih“, bewilligt vom Händler Alexander Kunkel im Auftrag des Busch-Museums.

          Exzellent, auch im internationalen Vergleich, war die Altmeister-Druckgraphik aufgestellt. Wieder einmal sah sie Dürer vorn, diesmal mit 63 000 Euro (35 000/ 45 000) für den berühmten Kupferstich „Ritter, Tod und Teufel“; Dürers „Heiliger Antonius vor der Stadt“ mit Zipfelkapuze folgte mit erwarteten 50 000 Euro. Die magischen „Sieben Pferde“ von Hans Baldung Grien stoben mit 40 000 Euro weit über die Schätzung von rund 6500 Euro hinaus auf privaten Grund, und Rembrandts Radierung des „Christus lehrend (La petite tombe)“ bekam ein amerikanischer Händler für 60 000 Euro (um 80 000).

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