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Moscow World Fine Art Fair : Leider keine Euphorie

Wiederbelebungsversuch mit Hindernissen: Der Moskauer internationale Kunstsalon hat Startschwierigkeiten. Noch am Eröffnungstag wird fleißig nachgebessert.

          Russlands Reiche und Schöne hatten lange darauf gewartet: Der exquisite internationale Moskauer Kunstsalon, der in den Boomjahren zu Anfang dieses Jahrzehnts allererste Galerieadressen und museumswürdige Hauptwerke in die russische Hauptstadt gezogen hat - nach 2008 aber der Krise zum Opfer gefallen war -, feierte in diesen Adventstagen seine Wiedergeburt. Sie geschah unter der neuen Regie der französischen Firma Group-ESI und auf dem verhältnismäßig nüchternen Industriemessegelände der Moskauer City.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          Zu den aktuellen Ausstellern gehörten die Pariser Galerie De Jonckheere mit Pieter Brueghel d. J. und die Galerie Berko, ansässig in Knokke und Schanghai: Sie kam mit einem - für Moskau passenden - Salongemälde von Emil Schmidt-Werlin, auf dem Soldaten über den Roten Platz marschieren, aber auch mit einer rührend absurden Wochenbettszene vom belgischen Maler Jan Stobbaerts (1839 bis 1914), die, in der Innigkeit der dargestellten Mischlingshunde, beinahe feierlich stimmen mag. Stobbaerts ging als der „Poet der Ställe“ in die Annalen der Kunstgeschichte ein. Selbst früh verwaist, spiegelt er die menschliche Komödie am liebsten in der tierische. Sein charmantes kleines Werk stieß beim russischen Publikum jedenfalls auf lebhaftes Interesse, wie die Galerie Berko verlauten lässt.

          Malerarbeiten zur VIP-Eröffnung

          Die Moskauer„Academy of Arts“-Galerie wartete mit einem Akt von Tamara de Lempicka für dreißig Millionen Euro auf sowie mit zwei Kandinsky-Werken, „Roter Zickzack“ (20 Millionen Euro) und einem frühen Jugendstil-Sujet (10 Millionen Euro). Chowiaki aus New York brachte Marc Chagall und Otto Mueller mit, und das Auktionshaus Christie’s präsentierte Renaissance-Werke, die demnächst in New York versteigert werden, darunter eine Madonna mit Kind und Johannesknaben von Sandro Botticelli.

          Doch wie schon vor zweihundert Jahren unter Napoleon hatten die Franzosen ihre Kräfte offenbar überschätzt, angesichts russischer Widrigkeiten. Bei der feierlichen V.I.P.-Eröffnung der Messe, wo potente potentielle Käufer mit ihren kunstliebenden stöckelnden Musen in Abendgarderobe durch den Pavillon paradierten, waren zentralasiatische Leiharbeiter noch dabei, Stellwände zu streichen, während millionenteure Bilder von Chagall oder Dalí an provisorischen Klammern oder gar nicht aufgehängt waren.

          Weihnachtliche Euphorie kam gar nicht erst auf. Entsprechend hielt sich das erhoffte Publikum in den folgenden Tagen von dem - von Patrick Ourkade attraktiv gestalteten - Pavillon unwillig zurück: Was gedacht war als Neuauflage einer Allianz von erstklassigen Anbietern und ausgehungerten Kunden, brachte - sehr optimistisch gesehen - eine Katharsis für die Veranstalter, die durch Schaden klug geworden sein könnten.

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