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Monet, Sisley, Marquet Die Bilder der Frau Marcos

Mit dem philippinischen Diktator verschwanden aus der Botschaft des Landes in New York auch Kunstwerke. Eine ehemalige Botschaftsangestellte steht unter Verdacht. Jetzt wird sie angeklagt.

Der Verdacht stand schon vor 26 Jahren in der Zeitung. Im Februar 1986 wurde auf den Philippinen der Diktator Ferdinand Marcos gestürzt. Als die revolutionäre Regierung die vormalige Residenz des philippinischen UN-Botschafters in Besitz nahm - ein Haus in der 66.Straße auf der Upper East Side von Manhattan, das die Präsidentengattin Imelda Marcos zum Basislager für ihre Einkaufsexpeditionen umfunktioniert hatte -, fehlten etliche Gegenstände aus dem Inventar dieses Hauses, das bei den New Yorker Filipinos das Warenhaus hieß. Aus der Kunstabteilung wurden zwei Gemälde Monets vermisst, eine Strandlandschaft von Sisley und eine algerische Szene von Albert Marquet. Die Impressionisten hatte Imelda Marcos in einer Londoner Galerie gekauft, der Marquet gehörte zu einer Gruppe von Leihgaben aus dem Metropolitan Museum of Manila.

Ein Sprecher der neuen Regierung wurde damals in der „New York Times“ mit der Vermutung zitiert, eine Botschaftsangestellte namens Vilma Bautista habe den Abtransport der Kunstwerke organisiert. Dafür sprach, dass Frau Bautista, beschrieben als diskret und bescheiden, als wahres Mädchen vom Lande, für Frau Marcos das gesamte New Yorker Leben organisiert hatte. Das vermeintliche Landmädchen blieb in der Stadt - und ist nun im ehrwürdigen Alter von 74 Jahren gemeinsam mit zwei Neffen wegen Verschwörung zum Zweck von Unterschlagung, Betrug, Hehlerei und Steuerhinterziehung angeklagt worden. Vilma Bautista soll allerdings in der revolutionären Situation nicht mehr im Auftrag oder Interesse ihrer Patronin tätig geworden sein, sondern auf eigene Rechnung.

Mit einer gefälschten Unterschrift?

Die Anklageschrift breitet Elektrobriefe aus, die Vilma Bautistas Neffen untereinander sowie mit Mittelsmännern wechselten, die den Impressionistenmarkt sondieren sollten. Demnach hätte die Tante, der 1986 der Diplomatenpass entzogen worden war, von den Verhandlungsfähigkeiten, die sie bei Schmuck- und Immobilienkäufen im Namen von Frau Marcos gezeigt hatte, keinen Gebrauch gemacht, sondern ihre Neffen für sich arbeiten lassen. Nach einem gescheiterten Verkaufsversuch wurde einer der Monets, „Die japanische Brücke über dem Seerosenteich in Giverny“ von 1899, am 14. September 2010 einem in London wohnhaften Sammler für 32 Millionen Dollar verkauft.

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Bezirksstaatsanwalt Cyrus R.Vance, Jr., der Sohn von Jimmy Carters Außenminister, hat der Nachricht über die Anklageerhebung eine der für seinen bombastischen Stil typischen Verlautbarungen beigegeben: Es gehe darum, die Integrität des internationalen Kunstmarkts zu schützen. Zum New Yorker Lokalkolorit des Falls gehört, dass mit der Suche nach Kaufinteressenten zwei Immobilienmakler beauftragt wurden. Zum Nachweis, dass sie zum Verkauf der Bilder berechtigt sei, soll Vilma Bautista ein 1991 notariell beglaubigtes Dokument mit der von der Staatsanwaltschaft offenbar als gefälscht eingestuften Unterschrift von Imelda Marcos vorgelegt haben. Dem Käufer wurde weisgemacht, Frau Marcos sei unerreichbar und könne ihre alte Erklärung nicht selbst beglaubigen.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Imelda Marcos noch einmal vor den von ihr vor Jahrzehnten eigenhändig ausgewählten Bildern Gäste empfangen könnte. Sie ist 83 Jahre alt, ist 2010 ins Abgeordnetenhaus von Manila gewählt worden, hat vor wenigen Wochen ihre erneute Kandidatur bei den Wahlen im kommenden Jahr angekündigt - und träumt wohl noch immer von der Rückkehr in den Präsidentenpalast.

Quelle: F.A.Z.

 
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