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Moderne und Gegenwartskunst Zwei Pferde reiten in München voran

Starke Ergebnisse bei den Herbstauktionen mit moderner und zeitgenössischer Kunst bei Ketterer in München. Gabriele Münter steht im Rampenlicht.

Im Hause Ketterer herrscht Frohsinn. Nach seiner letzten Auktion des Jahres, sie galt moderner und zeitgenössischer Kunst, meldete Robert Ketterer ein neues Rekordjahr in der Firmengeschichte: Sein Gesamterlös von dreißig Millionen Euro liegt eine Million über dem Ergebnis des bisherigen Spitzenjahres 2011. Entscheidenden Anteil hatte daran deutsche Kunst der Klassischen Moderne, noch immer die Nische einheimischer Versteigerer gegenüber den großen internationalen Häusern. Vor allem Gabriele Münter bestand spielend einen weiteren Beliebtheitstest bei Privatsammlern, als ihr verträumtes Ramsachkirchlein bei Murnau von 1935 mit einem Hammerpreis von 310.000 Euro die Untertaxe verdoppelte und fünf weitere Arbeiten weggingen wie geschnitten Brot - 170.000 Euro (Taxe 120.000/150.000) schaffte unter diesen eine blaue Hafenbucht des norwegischen Narvik.

Bereits im September - zu dem Termin, den Ketterer vorrangig Objekten bis etwa 20.000 Euro vorbehält - schöpfte Münter den Rahm ab, als ihr Bild einer bunten Vase mit Dahlien auf 130000 Euro (40.000/60.000) zog, und damit in die Schweiz. Die Wertschätzung deutscher Klassiker auch anderswo auf der Welt bewies Max Pechsteins „Quelle“ in Gestalt eines jugendstilbewegten Frauenakts: Jahrzehntelang hatte er auf einem Dresdner Dachboden der Entdeckung geharrt, jetzt übernahm ihn ein russischer Sammler für 280.000 Euro, leicht unter der Schätzung.

Einem Schweizer Unternehmer gelang der letzte Stich um Heinrich Campendonks etwa 1913 gemaltes Ölbild „Zwei Pferde“. Der Hammerschlag bei 440.000 Euro (200.000/300.000) setzte auf dem durch Beltracchis Fälschungen verunsicherten Campendonk-Markt ein positives Zeichen, das der offenbar solide nachweisbaren Provenienz des Bildes geschuldet ist: Es gehörte lange dem Maler Georg Tappert.

Dessen eigenes Werk, die schrille „Grüne Chansonette“ erfüllte mit 70.000 Euro ihr Soll. Tadellos bestand dann Tapperts Schülerin, die jüngst durch eine Berliner Ausstellung wiederentdeckte Illustratorin Dodo, ihren ersten Markttest auf einer deutschen Auktion: „Wedding auf dem Dachgarten“, eine Gouache von 1929, erzielte 55.000 Euro (40.000/60.000). Als bei weitem teuerste Papierarbeit schnitt aber Egon Schieles hocherotische Zeichnung eines Liebesakts mit 260.000 Euro (120.000/150.000) ab; gegen den Schweizer Sieger hatte österreichische Konkurrenz keine Chance.

Statt Richter, Hirst oder Lichtenstein glänzte in der Partie zeitgenössischer Kunst der in Paris lebende Chinese Zao Wou-Ki, Jahrgang 1921: Dutzende Bieter aus aller Herren Länder rief seine Synthese aus fernöstlicher Tradition und europäischem Informel auf den Plan, was Wou-Kis Aquarell von 1960 auf 95000 Euro (30000/40000) trieb und eines seiner seltenen Ölbilder, eine an schäumendes Wasser erinnernde Abstraktion, mit 420000 Euro über die Obertaxe zog. Beide Werke blieben letztlich in Europa. Heiß umworben war auch eine schmucke Nagelspirale von Günther Uecker für 320.000 Euro (180.000/240.000).

Zero-Künstler standen insgesamt wieder auffallend hoch im Kurs. Bereits im September zog Otto Pienes Feuerbild „Weithin sichtbar“ viele Gebote an, um dann für 50000 Euro - statt anvisierter 6000 Euro - in belgischen Privatbesitz zu wechseln. Dorthin wanderte für 190000 Euro, also mehr als der doppelten Taxe, auch Heinz Macks förmlich vibrierende Weiß-Grau-Struktur in Acryl von 1961. Gemälde von Baumeister, Nay und Schumacher verbuchten ebenfalls fünfstellige Summen, und eine schwerelos erscheinende Raumplastik von Kricke verbesserte sich von 50.000 auf 125.000 Euro. Geduld brauchte der Käufer von „Doris“ in Blau: Aufgerufen mit 71.000 Euro, erforderte Franz Gertschs phänomenales, sehr großformatiges Holzschnittporträt in fotorealistischer Präzision schließlich 110.000 Euro.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 18.12.2012, 06:45 Uhr

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