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Veröffentlicht: 06.12.2012, 07:05 Uhr

Moderne und Gegenwartskunst Zusammengerollt auf dem Dachboden

Vergessen oder verschollen: Ketterer in München bietet Klassische Moderne bis zu Gegenwartskunst. Einige Entdeckungen sind dabei – dazu gehört ein frühes Werk von Max Pechstein.

von Brita Sachs, München

Zum Jubiläum der 400. Auktion bietet Ketterer am 8.Dezember in München rund 120 Lose zur Klassischen Moderne an, es folgt Kunst seit 1945 bis heute. Spitzenstück des ersten Teils ist Max Pechsteins Frühwerk „die Quelle“, geschaffen 1906 im Jahr seines Beitritts zur „Brücke“. Noch vom Jugendstil beeindruckt - vor allem Ferdinand Hodlers Aktdarstellungen junger Zukunftsträger in freier Natur dürften ihm vorgeschwebt haben -, malt Pechstein eine monumentale Mädchengestalt in blühender Flusslandschaft.

Lange verloren geglaubt, tauchte das Werk zusammengerollt auf einem Dresdner Dachboden auf und fehlte seit Ende der achtziger Jahre in keiner wichtigen „Brücke“-Ausstellung, jetzt soll es 300.000 bis 500.000 Euro einspielen. Etwa im selben Jahr malte Jawlensky in warmen Farben seine Impression der kleinen Stadt Wasserburg vom jenseitigen Ufer des Inns aus (Taxe 200.000/300.000 Euro). „Aus dem Grunewald“ brachte Max Liebermann seine Eindrücke den Sommertag genießender Spaziergänger heim ins Atelier, zu haben für 180.000 bis 240000 Euro.

„Zwei Pferde“ von Campendonk

Nicht weniger als achtmal kommt Gabriele Münter zum Aufruf; die hervorragenden Preise, die ihr Werk in letzter Zeit bekanntlich erzielt, bringen immer mehr davon an den Tag. Zu den Favoriten zählen ein 1912, noch während ihrer Stockholmer Zeit. gemalter Blick hinab auf die tiefblaue Hafenbucht von Narvik in Norwegen (120.000/150.000) sowie die „Kirche an der Ramsach“, eine abendliche Idylle im Murnauer Land von 1935 (150.000/ 200.000).

Campendonks Bewunderung für Franz Marc spricht aus dem Gemälde „Zwei Pferde“, das die Tiere um 1913 in ein reiches, semiabstraktes Formgeflecht integriert (200.000/300.000); als sein ehemaliger Eigentümer wird der Künstler Georg Tappert genannt, damit dürfte die Provenienz des Ölbildes unbescholten sein, das Andrea Firmenichs Œuvreverzeichnis jedoch als Gouache führt.

Eine Widmung von Schiele

Von Tappert selbst steht eine schillernde, hinter dem Bühnenvorhang wartende „grüne Chansonette“ bereit; gemalt etwa 1917, strebt das Werk 60000 bis 80.000 Euro an. Tappert war es auch, bei dem Dodo studierte. Im vergangenen Frühjahr erst entdeckte eine Berliner Ausstellung die als Dörte Clara Wolff (1907 bis 1998) in Berlin geborene jüdische Künstlerin wieder. Erstmals auf dem deutschen Auktionsmarkt wird nun bei Ketterer mit „Wedding auf dem Dachgarten“ eines der seltenen Blätter dieser für viele Magazine tätigen Grafikerin und Illustratorin angeboten (40.000/60.000).

Egon Schieles unverblümt beim Liebesakt gezeichnetes „Liebespaar“, „freundlichst“ gewidmet seinem späteren Schwager Anton Peschka, erfordert 120.000 bis 150.000 Euro; günstiger taxiert, rangiert ein minimal diskreter fixiertes „Liebespaar“ von Gustav Klimt bei 35.000 bis 45.000 Euro. Grafikspezialisten seien auf einige sehr seltene Holzschnitte von Kirchner und Beckmann hingewiesen.

Mit Informel und Zero

Als Spitzenlos im zweiten Auktionsteil strebt ein „Abstraktes Bild. 1980“ von Gerhard Richter mit starker Rot-Gelb-Dominanz nach 350.000 bis 450.000 Euro. Dicht folgt ihm eines der auf europäischen Märkten raren Ölgemälde des Chinesen Zao Wou-Ki, der in seiner Wahlheimat Paris begann, fernöstliche Malerei und europäisches Informel zu verbinden; auch die Abstraktion vom „28.3.71“ erinnert an wild um Felsen gischtendes Wasser (300.000/400.000). Deutsches Informel vertreten würdig seine Protagonisten; ihr venezianischer Kollege Vedova überträgt das malerische Vorgehen auf Rauminstallationen wie das stählern gerahmte Exemplar einer „Plurimi/Binari“ Werkgruppe von 1977/78 (150.000/200.000).

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Pierre Soulages’ im September 1975 angelegte dynamische Komposition schwarzer und blauer Balken liegt bei 120.000/150.000 Euro. Auch die Zero-Exponenten können sich sehen lassen, so Uecker mit einer Nagelspirale von 1965 (180.000/240.000). Das Porträt „Doris“ in blauer Version, eines der fotorealistischen, mehr als zwei Meter hohen Holzschnittwunder von Franz Gertsch, soll 70.000 bis 90.000 Euro einspielen. Zwölf Tötlein bevölkern Christian Boltanskis „Schattentheater“ von 1987 und tanzen von Kerzen beleuchtet auf der Wand (70.000/90.000). Damien Hirsts Memento Mori kommt knalliger daher: den Totenschädel seines „Beautiful Flora Lunacy Paintings“ sprengt eine schrille Lackfarbenexplosion für geschätzte 100.000 bis 120.000 Euro.

Quelle: F.A.Z.

 

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