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Moderne und Gegenwartskunst Tanzvergnügen in St. Pauli

 ·  Champagner, Modistinnen und ein Tanzsaal im Hamburger Vergnügungsviertel: bei Karl & Faber in München geht’s hoch her - die Vorschau.

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Otto Dix plante sein Bild „Liebespaar mit Kapuzinerkresse“ anhand einer präzisen Vorzeichnung. Dort umreißt ein zarter, mit dem Zirkel geschlagener Kreis, wo das Terrain größter Innigkeit liegen soll; hinein schmiegen sich die lächelnden Gesichter, die nackte Schulter der jungen Frau und ihr Arm um den Hals des Geliebten, auf dessen Schoß sie sitzt. In einer Ecke der schwarzen, mit Weiß gehöhten Kreidezeichnung notierte Dix Farbangaben, die er bei der Ausführung in Öl weitgehend befolgte.

Eine Konzeptänderung nahm er dort nur noch bei den Augen vor, die auf dem Gemälde jenseits des imaginären Kreisbogens nachdenklich in die Ferne schauen. Die Vorzeichnung, die die Gefühle noch sicher in der Glückskugel bewahrt, entstand um 1929/30 und ist ein Hauptlos der Karl & Faber-Auktionen mit moderner und zeitgenössischer Kunst am 24. und 25. Mai: Auf 170.000 bis 250.000 Euro taxiert, liegt sie knapp hinter Dix’ Aquarell „Tanzsaal in St. Pauli“ von 1925, auf dem ein buntes Völkchen sichtlich erotischen Abenteuern entgegenschwoft (Taxe 200.000/300.000 Euro). Beide Blätter stammen ebenso aus einer Privatsammlung mit Standortangabe „Berlin/Linz“ wie Kirchners hübsche Tuschfederzeichnung „Modistinnen“ (15.000/20.000) und die „Rastenden Bauern“, die er mit Farbkreiden knackig derb auf blaues Papier warf (20.000/25.000). Aus derselben Quelle kommt noch Georg Grosz’ Aquarell „Nach dem Theater“ (40.000/60.000) - er gähnt, sie zieht sich die Lippen nach, und der Kellner serviert Champagner.

Die von hochwertigen Papierarbeiten dominierte Offerte präsentiert in der Phalanx deutscher Klassiker auch Nolde mit drei Aquarellen: Eines zeigt ihn selbst, ausnahmsweise mal ohne Hut, mit ernsten Augen und Schnäuzer (60.000/80.000); ein anderes handelt von „Jesus und die Schriftgelehrten“ in lebhaftem Gespräch (120.000/140.000). Liebermann dankt 1926 schriftlich für ein Foto der „Zwei Reiter im Tiergarten“ und erfüllt dem damaligen Eigentümer den Wunsch, seine Autorschaft des Gemäldes zu bestätigen: Jetzt kommt das Bild mitsamt Liebermanns Postkarte für 120.000 bis 150.000 Euro aus Hamburger Privatbesitz. An Profilporträts der Renaissance soll Josef Scharl in Rom den Blick geschult haben, bevor er seinen derben „Kirchendiener“ in roter Livreejacke vor schwarzen Fond plazierte (18.000/20.000), und Paul Kleinschmidt malt sich selbst 1932 im neuen Ulmer Atelier (60.000/80.000).

Das Angebot an Nachkriegsmalerei und Informel steht recht proper da - Nummer eins dürfte Rupprecht Geigers „111 E“ werden, eine schwarze Form vor weitem Farbraum (28.000/32.000), die ihr Debüt auf der Ausstellung „Zen 49“ hatte. Mengenmäßig dünner wird es bei den Zeitgenossen. Mit dem größten Format fällt Norbert Bisky auf, 2002 bemalte er auf zwei Metern Breite zwei rangelnde Knaben im Angesicht einer Spitzhacke: „Ducken und durchhalten“ (25.000/30.000). Dreißig Künstler von Arakawa bis Warhol füllten das Mappenwerk „For Beuys 1987“ (18.000/20.000). Die Suite ausgewählter Werke schließt mit Hubert Scheibls gerakelter und gespachtelter „Unreal Pulsation“, die zugunsten des Freundeskreises vom Busch-Reisinger-Museum 6000 bis 8000 Euro einspielen soll.

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