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Moderne und Gegenwartskunst Mit der Kraft der Farbe

Figuren von Oskar Schlemmer und ein musikalisches Mädchen von Karl Hofer: Vorschau auf die Auktionen mit Moderne und zeitgenössischer Kunst bei Van Ham in Köln.

Das Hauptlos der Moderne ist am 29. November bei Van Ham in Köln Oskar Schlemmers vielfach ausgestellte und dokumentierte Darstellung „Sitzende und zwei Figuren (Blaue Treppe)“ von 1936. Die stille Szene mit der Rückenansicht einer Frau mit geneigtem Kopf und zwei schemenhaften Gestalten bildet einen emblematischen Topos im Werk des 1943 in Baden-Baden gestorbenen Malers: 300.000 bis 400.000 Euro lautet die Erwartung für die sechzig mal 45 Zentimeter messende, dichte Komposition in Öl auf Karton. Wieder im Angebot sind Werke Karl Hofers: Spitzenstück unter vier Gemälden ist ein für ihn typisches und mehrfach ausgeführtes Motiv, ein Mädchen mit Triangel vor dunklem Grund.

Das 95 mal 72 Zentimeter große Bild entstand 1935 und ist versehen mit einer Erwartung von 120.000 bis 180.000 Euro. Mit 160.000 bis 180.000 Euro ist die Schätzung für eine rotglühende „Composition“ Serge Poliakoffs von 1966 angegeben, die in das Werkverzeichnis aufgenommen wird. Wie bereits im Frühjahr ist Johannes Molzahn vertreten, diesmal mit zwei, eigentlich drei Gemälden: Wer das mit 80.000 bis 120.000 Euro bezifferte, 1933 entstandene „Herkules und Antaios“ erwirbt, erhält auf dessen Rückseite noch eine Komposition mit „Zwei Grazien“. Außerdem wird das plastische Raumbild „Parabel“ von 1948 angeboten (Taxe 60.000/ 80.000 Euro).

Eine bewegliche Sitzgelegenheit von Jeppe Hein

Die Spitze der kleinen, feinen Papier-Offerte bilden bekannte Motive Fernand Légers: „Femmes aux Perroquets“ (80000/ 120000) und „L’écuyère“ (28.000/30.000). Paul Klee zeichnete 1921 ein paar „Astrologische Scharlatane“ (50.000/70.000). Von Rudolf Bauer, für dessen Werke das Haus seit dem Frühjahr 2010 neue Bestmarken erzielt, ist ein 43 mal 32 Zentimeter kleines, markantes Aquarell im Angebot: „Green Point“ heißt die 1926/27 entstandene, deutlich von Kandinsky beeinflusste, purpurn und grün flirrende Abstraktion (30.000/50.000).

Unter den Zeitgenossen fällt eine Reihe ungewöhnliche Skulpturen auf: Ganz oben steht Frank Stellas monumentales, aus bemalten Aluminiumpaneelen zusammengesetztes „The Chase. Second Day“, das aus der fünfzehn Jahre währenden Beschäftigung Stellas mit Melvilles „Moby Dick“ resultiert; die Erwartung für das 1989 entstandene Werk liegt bei 200.000 bis 300.000 Euro. Andere Objekte sind nicht so teuer, darunter eine rollende Sitzbank von Jeppe Hein (4000/6000), die schon manchen Ausstellungsbesucher verwirrte, und ein Abguss, den Sarah Lucas 1994 von ihren Armen in rüder Gestik als „Get Hold of This“ machte (10.000/15.000).

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Bei der Malerei wird es bunt: Julian Schnabel tobte sich im Jahr 2000 in allen denkbaren Nuancen von Purpur auf einer zwei mal 1,7Meter großen Leinwand aus; 120.000 bis 180.000 Euro müssen eingesetzt werden, um diese Kraftmalerei zu übernehmen. Verhaltener gibt sich eine Komposition „Vor Grün“ von Fritz Winter (70.000/90.000). Daneben werden ein funkensprühender „Miroir d’été“ von Georges Mathieu angeboten (60.000/80.000), ein Interferenzbild von Sigmar Polke (60.000/80.000), Edward Ruschas auf schillerndes Moiré gemaltes „Cracks“ (50.000/80.000) und ein „Nu allongé“ von Eugène Leroy (20.000/30.000).

In einem eigenen Katalog werden 32 Lose mit „Highlights einer Sammlung“ präsentiert, deren Quelle unschwer zu erkennen ist: Die Werke von François Morellet, Sam Francis oder Eduardo Chillda stammen aus den Beständen der im Herbst geschlossenen Kölner Baukunst-Galerie. Die Stücke erinnern noch einmal an die im Jahr 1964 von Irene Gerling gegründete Galerie, die eine spürbare Lücke in der rheinischen Kunstlandschaft hinterlässt (Taxen von 3000 bis 250.000 Euro).

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 25.11.2012, 06:17 Uhr

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