Home
http://www.faz.net/-gyz-6vowp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Moderne und Gegenwartskunst Baumeister setzt sich ab

 ·  Zwei erfolgreiche Spätwerke des abstrakten Malers und ein Kirchner-Holzschnitt für das Metropolitan Museum in New York: die Ergebnisse der Auktion bei Hauswedell & Nolte.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die besten Ergebnisse während Hauswedell & Noltes zweitägiger Kunstauktion in Hamburg lieferte die Abendveranstaltung, die mit den Höhepunkten des Gesamtangebotes aufwartete. Wie zu erwarten war oder zumindest erhofft, entfachten sich die effektvollsten Gefechte um die beiden späten Willi-Baumeister-Bilder. Das 1954 entstandene Materialbild „Monturi“ mit der plastisch hervortretenden weißen Scheibe wurde an den Telefonen von einem württembergischen und einem Schweizer Bieter umworben. Vom Aufrufpreis von 120.000 Euro stieg es schließlich auf 250.000 Euro, zugeschlagen in die Schweiz. Gleich darauf konnte sich der Württemberger jedoch bei der kleineren Baumeister-Collage „Montaru“ aus demselben Jahr gegen den rheinischen Handel mit 82.000 Euro (Taxe 50.000 Euro) durchsetzen.

Die erfolgreichen Ergebnisse für herausragende Werke können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass - auch international - bloß durchschnittliche Qualitäten in dieser wirtschaftlich verunsicherten Großwetterlage zunehmend schwerer verkäuflich sind. Der Absatz nach Losnummern lag in dieser Auktion bei etwa fünfzig Prozent.

Vollkommen unerwartet war das erbitterte Gefecht um die auf 60.000 Euro geschätzte tragische Kollwitz-Tuschzeichnung „Schwangere, ins Wasser gehend“ von 1909: Das großformatige Bild, das in den vierziger und fünfziger Jahren bereits zweimal vom Stuttgarter Kunstkabinett versteigert wurde und offenbar seither in Privatbesitz blieb, entging einem passionierten amerikanischen Kollwitz-Verehrer gegen das unerreichbare Gebot von 158.000 Euro eines rheinischen Sammlers. Der hinreißend farbige Kirchner-Holzschnitt „Mit Schilf werfende Badende“ von 1909, der auch den Katalogeinband der Auktion zierte, ließ nach dem bald überschrittenen Schätzpreis von 50.000 Euro die deutschen Bieter hinter sich und wird nun für 66.000 Euro die heiligen Hallen des New Yorker Metropolitan Museum zieren.

Ein Porträt des Museumsdirektors Max Sauerlandt

Noldes exemplarisches Aquarell „Bauernhof unter dunkler Wolke“ geht für 140.000 Euro (125.000) in die Schweiz. Das gefüllte Auftragsbuch sorgte für ein Ergebnis von 105.000 Euro (80.000) für Kandinskys bedeutendes Mappenwerk mit zwölf graphischen Arbeiten „Kleine Welten“, in der Bauhaus-Ausgabe von 1922 auf Bütten. Wie so häufig bei Munch blieb bei der zartfarbigen Fassung der Lithographie „Das kranke Kind I“ von 1896 ein norwegischer Sammler erfolgreich, der sich gegen viel Konkurrenz am Telefon mit 90.000 Euro (60.000) durchsetzen konnte.

Erheblich später in der Auktion konnte sich derselbe Bieter alle drei farbigen Radierungen des nach Norwegen emigrierten Rolf Nesch sichern: darunter das umkämpfte Blatt mit einem Porträt des Hamburger Museumsdirektors Max Sauerlandt neben einer Holzskulptur von Kirchner von 1930 für 40.000 Euro (28.000). Hannah Höchs Fotomontage „Der große Schritt“ von 1931 mit Widmung an den Kunsthändler und Sammler Carl Laszlo stieg durch internationale Gebote von 60.000 auf 80.000 Euro.

Die erfolgreichsten Vertreter der Nachkriegskunst waren Warhols pink-gelbe farbige Serigraphie „Marilyn Monroe“ von 1967, die auf satt verdoppelte 65.000 Euro stieg, und Karin Kneffels dekoratives Riesenformat „Ohne Titel (Feldblumen)“, das auf 66.000 Euro (40.000) kam.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel