http://www.faz.net/-gqz-us4q

Moderne und Gegenwartskunst : Adam bei der Feldarbeit

  • -Aktualisiert am

Ganz im Akkord zum derzeitigen Marktgeschehen machte vor allem die jüngere Kunst bei den Frühjahrsauktionen von Lempertz in Köln das Rennen. Für Werke von Fernand Léger und Nam June Paik konnte der Auktionator Weltrekorde vermelden. Die Alte Kunst verblieb zumeist im Schätzbereich.

          Die runde Zahl sollte ausgiebig zelebriert werden: So tragen alle Frühjahrsauktionen im Kölner Kunsthaus Lempertz die stolze Nummer 900 - und noch bevor die Asiatika aufgerufen wurden, hatten die Versteigerungen von Alter Kunst und Kunstgewerbe, von Moderner und Zeitgenössischer Kunst eine große Anzahl hervorragender Ergebnisse beschert. Zwei Weltrekordpreise kann Auktionator Henrik Hanstein bei der Modernen und Zeitgenössischen Kunst vermelden: Eine Gouache Fernand Légers, „Contraste de Formes“ aus dem Jahr 1913, die im Katalog mit 900.000 bis 1,1 Millionen Euro bewertet wurde, ersteigerte der internationale Handel für 1,28 Millionen Euro, während die kantige „Miss Rheingold“, eine Videoskulptur aus acht Monitoren von Nam June Paik aus dem Jahr 1993 (Taxe 110.000/140.000 Euro) ihren Wert mit einem Ergebnis in Höhe von 256.000 Euro fast verdoppelte.

          Eine Gouache von Marc Chagall, „Die Mäherin“ von 1926, erzielte 732.000 Euro (450.000/ 500.000), und auch die zusammengehörenden Modelle für ein Denkmal von Alberto Giacometti aus dem Jahr 1946 waren, auf 1,3 bis 1,5 Millionen Euro geschätzt, mit einem Zuschlag von 1,59 Millionen Euro äußerst erfolgreich. Eine aquarellierte Landschaft von Paul Cézanne erzielte mit 116.000 Euro ebenfalls deutlich mehr als ihren Schätzpreis in Höhe von 50.000 bis 70.000 Euro.

          Wertsteigerung für Otto Dix' „Weite Ebene“

          Ein Spätwerk von Otto Dix, die „Weite Ebene“ aus dem Jahr 1939 auf 67 mal 85,3 Zentimetern, steigerte seinen Wert von geschätzten 80.000 bis 120.000 auf 183.000 Euro. Eine der seltenen Märchendarstellungen Paul Modersohn-Beckers, „Die Sieben Raben“ (120.000), kam auf 134.000 Euro. 140.000 Euro war einem deutschen Sammler ihr „Junge mit Ziege“ von 1902 wert, der auf 100.000 Euro taxiert worden war und als Hochformat 35,5 mal 23 Zentimeter misst.

          Ein frühes Werk von Victor Vasarely „Ibadan-Pos“ aus dem Jahr 1957 war eines der erfolgreichsten Lose der Gegenwartskunst: Der Schätzpreis in Höhe von 80.000 bis 120.000 wurde mit einem Zuschlag bei 226.000 Euro fast verdoppelt, und auch „Superficie Bianca“ war umkämpft. Die weiße, reliefierte Leinwand Enrico Castellanis von 1981 ging an den französischen Handel für 152.000 Euro (45.000). Das kleinformatige Nagelbild „Strukturfeld“ (1973) Günther Ueckers wurde bei einer Taxe in Höhe von 40.000 Euro erst bei 105.000 Euro abgegeben. „Hexenjagd“, ein Gemälde von Markus Lüpertz aus dem Jahr 1988, steigerte sich von 80.000 Euro auf 92.000 Euro und ein Gemälde von Gaston Chaissac, „Femme de vix“, auf 90.000 Euro (50.000/70.000). Schließlich fand Keith Harings „Pyramid“von 1989 aus vier eloxierten Aluminiumplatten für 92.000 Euro (80.000) einen neuen Besitzer. Für alle Arbeiten von Lucio Fontana wurde weit mehr als die Schätzung aufgebracht: Das Aluminiumrelief „Concetto Spaziale“ wurde von 20.000 Euro bis auf 55.000 Euro beboten.

          Norbert Bisky greift nach den Sternen

          Zwei ungewöhnliche Leinwände der Bildhauerin Isa Genzken, die derzeit den deutschen Pavillon in Venedig bespielt, steigerten sich im Bieterstreit von je 4000 auf 16.000 beziehungsweise 28.000 Euro. Am erfolgreichsten war bei den aktuellen Künstlern jedoch Norbert Bisky, dessen 190 mal 270 Zentimeter große Leinwand „Alle greifen nach den Sternen“ von 2000 von einer portugiesischen Sammlerin für 61.000 Euro (34.000/36.000) ersteigert wurde.

          Sichtbar machte in diesem Frühjahr die jüngere Kunst das Rennen - mit einem Gesamtergebnis von 14,5 Millionen Euro gegenüber einem Umsatz von 5,2 Millionen Euro für Alte Kunst und Kunstgewerbe. Dort war eine Flusslandschaft, Hauptwerk von Barend Cornelis Koekkoeks aus dem Jahr 1855, eines der bestimmenden Lose - auf 80.000 bis 100.000 Euro geschätzt, wurde es erst bei 200.000 Euro an den niederländischen Handel abgegeben. Eine kleine Leinwand von Carl Gustav Carus erzielte 37.000 Euro (16.000/18.000). Der außerordentlich schöne männliche Akt von Philipp Otto Runge war bei den Zeichnungen herausragend, 22.000 Euro erzielte das auf 20.000 bis 25.000 taxierte Blatt.

          Bewegter Dreimaster

          Ein Überraschungserfolg war die Versteigerung des „Dreimaster auf bewegter See bei Vollmondbeleuchtung“, die, Iwan Konstantinowitsch Aivasovsky zugeschrieben, von 4000 auf sensationelle 34.000 Euro stieg. Beim Kunstgewerbe waren ein Kunstkammerobjekt mit dem Miniaturbildnis von Christian Ludwig II., das mit 16.000 Euro oberhalb seiner Taxe von 13.000 bis 15.000 Euro abgegeben wurde, und der elegante „Sécretaire en pente“ aus der Zeit um 1750 die Höhepunkte der Auktion; er wurde erst für 82.000 Euro zugeschlagen.

          Ein russischer Sammler ersteigerte eine von Engeln umgebene thronende Madonna mit Kind des Florentiners Rossello di Jacopo Franchi aus dem 15. Jahrhundert - 120.000 Euro bot er für das auf 80.000 bis 100.000 Euro geschätzte Bild. Das Gemälde „Adam bei der Feldarbeit“ von Jan Brueghels d. J. wurde für 100.000 Euro zur unteren Schätzung zugeschlagen. Es scheint derzeit, als seien die verbürgten Werte der Kunstgeschichte abgekoppelt vom hysterischen Marktgeschehen. Der „Lachende Narren“ eines flämischen Meisters aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, geschätzt auf 4000 Euro, stieg auf 23.000 Euro. Ein Epitaph aus dem Umkreis Lucas Cranachs (30.000/ 35.000) fand für 42.000 Euro einen neuen Besitzer.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn (v.l.n.r.), hier auf einer Veranstaltung in Idar-Oberstein, wollen Angela Merkel an der Parteispitze beerben.

          Zweite CDU-Regionalkonferenz : „Eine unbezahlbare Marketingshow“

          „Wir brauchen euch drei gemeinsam“, meint Julia Klöckner bei der zweiten Regionalkonferenz im Kampf um den CDU-Vorsitz. Doch die Kandidaten versuchen, sich von den Konkurrenten abzusetzen – zum Beispiel beim Migrationspakt. Mit Erfolg?

          Saudi-Arabien : Ein Kronprinz in der Defensive

          Meist geht die Welt nach der Tötung eines Regimekritikers schnell zur Tagesordnung über. Im Fall Khashoggi ist das anders – und das liegt vor allem an Muhammad Bin Salman. Ein Kommentar.
          Darf vorerst bleiben: Carlos Ghosn

          Renault : Ghnosn darf nach Finanzaffäre bleiben – vorerst

          Die Nummer Zwei rückt auf: Thierry Bolloré soll künftig die operativen Geschäfte von Renault führen. Der im Zuge einer Finanzaffäre verhaftete Carlos Ghosn bleibt aber vorerst ebenfalls Unternehmenschef.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.