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Moderne und alte Kunst : Köln mit unvollendetem Dom

  • -Aktualisiert am

Josef Thorak war ein geistesverwandter Kollege von Arno Breker. Seine Skultpur „Licht“ stand auf der Auktion mit moderner und zeitgenössischer Kunst bei Van Ham in Köln zu Gebote. Ein spanisches Museum ersteigerte die Mamorskulptur für 125.000 Euro.

          „Licht“, eine mehr als drei Meter hohe Marmorskulptur von Josef Thorak, war der Überraschungserfolg der Auktion mit moderner und zeitgenössischer Kunst bei Van Ham in Köln. Eigentlich hatte die Firma Agfa die mehr als drei Meter hohe Plastik bei Josef Thorak, geistesverwandter Kollege von Arno Breker, als Geburtstagsgeschenk für die Berliner Ufa in Auftrag gegeben. Sie reiste aber niemals an die Spree, sondern blieb am Firmensitz, bis der Konkursverwalter sie nun zur Versteigerung einlieferte.

          Auktionator Markus Eisenbeis schätzte die allegorische Figur auf 25.000 Euro, doch es hatten sich zwei entschlossene Liebhaber gefunden, die am Telefon um die Dame kämpften. Zum Schluß unterlag dabei der deutsche Sammler dem Agenten eines spanischen Museums, das 125.000 Euro auszugeben bereit war - und zuvor schon Fritz Klimschs fast 1,8 Meter hohe, bronzene „Frühlingsallegorie“ ersteigert hatte, unter Vorbehalt für 33.000 Euro (Taxe 37.000).

          Überraschende Preisentwicklungen

          Thoraks Monumentalmamsell wurde unerwartet zum teuersten Los, während kunsthistorisch Bedeutendes sich zierte: Die hübsche „Baigneuse sans bras/Petite Venus“, knapp dreißig Zentimeter hohe Bronze von Maillol aus dem Jahr 1905, war ebenfalls auf 25.000 Euro geschätzt, erzielte aber nur 22.000; Corinths „Porträt des Malers Karl Bubitz“ von 1890 ersteigerte ein Bieter aus Monaco für 35.000 Euro (45.000). Otto Modersohns „Märzsonne am Gailenberg - Iseler im Schnee“ von 1933 wurde für 10.000 Euro (9000) zugeschlagen, Gerhard Richters nur 21 mal 29,7 Zentimeter kleines, abstraktes Motiv vom Katalogtitel erforderte immerhin 55.000 Euro (60.000).

          Eine Skulptur von George Rickey, „Ohne Titel (Single Line)“ und 1964 anläßlich der dritten Kasseler documenta in einer Hunderter-Auflage produziert, konnte ihre Taxe mit 12.500 Euro fast verdreifachen. Das ungewöhnliche „Concetto spaziale“, das Fontana mit Kugelschreiber auf Aluminiumkarton setzte, fand als Miniatur im Format von nur 11,5 mal 9 Zentimetern immerhin genügend Bieter, um die Taxe von 5000 auf 13.000 Euro zu treiben. Karel Appels „Personage Noir“ von 1959 konnte seinen Schätzpreis von 10.000 auf 22.000 Euro mehr als verdoppeln. Die südamerikanische Kunst der sechziger und siebziger Jahre hat derzeit Konjunktur - davon profitierte „Physie Chromie Nr. 1.141.1979“ des in Paris lebenden Venezolaners Carlos Cruz-Diez; das auf 20.000 geschätzte Wandobjekt wurde für 45.000 nach Paris zugeschlagen.

          Monumentalgemälde als Spitzenreiter

          Doch nicht alles glückte bei Van Ham im Herbst: Max Pechsteins „Blumenstilleben mit chinesischem Buddha“ von 1923, geschätzt auf 90.000 Euro, blieb liegen, und Christian Rohlfs' „Kürbisse (Früchte)“ von 1932 in Tempera auf Fabriano (Taxe 34.000) fielen ebenso durch wie André Derains mit 25.000 Euro bewertetes Gemälde einer „Femme accoudée“ von 1945 - während malerische Frische die hohe Schätzung der schönen Kürbisse rechtfertigte, erschien Derains leicht verrutscht in ihrem Rahmen hängende Dame doch überhöht beziffert.

          Dagegen wurde die dreitägige 250. Auktion ein Erfolg, der dem Jubiläum angemessen war: Mit Alter Kunst und Kunsthandwerk setzte man insgesamt mehr als fünf Millionen Euro um. Hier war der Spitzenreiter ein Monumentalgemälde von James Webb, die „Ansicht von Köln mit dem unvollendeten Dom“ aus dem Jahr 1870, das nun auch in Köln bleiben wird: Ein Privatsammler bot für das auf 90.000 Euro geschätzte Bild zum Schluß 205 000 Euro. Leider war schon vor dem Finale ein anderer Mitstreiter ausgestiegen, er hätte die Leinwand voraussichtlich dem Stadtmuseum gestiftet.

          Cranach und Francken ganz weit vorn

          Während ein Gemälde von Nicolas Poussin zurückgezogen werden mußte, erzielte ein anderes Spitzenlos, eine „Caritas“ von Lukas Cranach d. J., die auf 30.000 Euro taxiert war, einen Zuschlag von 170.000 Euro; dabei kann die Mitarbeit des bedeutenderen, älteren Cranach nur vermutet werden. Ein Londoner Händler ersteigerte für 85.000 Euro die auf 28.000 Euro geschätzte „Hochzeit zu Kanaa“ von Frans Francken II.

          Und ein süddeutscher Händler bescherte der Veranstaltung die erstaunlichste Preisentwicklung: Er bewilligte für die auf 14.000 Euro geschätzte Tuschezeichnung „Satyr und Nymphen“ von Joseph Heintz d.Ä. 165.000 Euro. Markus Eisenbeis freute sich vor allem darüber, daß nicht nur das Ausland - und dabei besonders Rußland - sich mit hohem Interesse beteiligte, sondern daß vor allem auch deutsche Sammler sich engagierten: Die deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts war bei diesen Kunden besonders gefragt.

          Quelle: F.A.Z., 09.12.2006, Nr. 287 / Seite 48

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