20.06.2007 · Im Schweizer Auktionshaus Koller kommen zur Frühjahrsauktion Kunst und Möbel vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Nachkriegskunst zum Aufruf. Ein Zuschlag über der Millionengrenze wird für Félix Vallotton erwartet. Eine Vorschau auf das Angebot.
Von Erdmann NeumeisterZu gern wüsste man, wie viel Zeit Félix Vallotton für das Bild „La cuisinière“ aufgewendet hat, als er 1892 seine damalige Freundin beim Hantieren in einer Küche malte. Denn allein schon die minutiöse Wiedergabe der kleinen rautenförmigen Fliesen hinter dem Herd an der Wand muss ihn Stunden, wenn nicht Tage gekostet haben. Solche malerische Feinarbeit auf dem nur 33 mal 41 Zentimeter messenden Bild, die an die Küchenstücke eines Vermeer oder Chardin erinnert und das Gemälde zugleich wie eine Fotografie erscheinen lässt, veranschlagt die Zürcher Galerie Koller in ihrer Auktion mit Schweizer und Moderner Kunst am 22. Juni auf 1,2 bis 1,8 Millionen Franken.
Als einzige bekannte Aktdarstellung Giovanni Segantinis preist das Haus einen „Stehenden Frauenakt“ an, der nach Expertenansicht Segantinis Lebensgefährtin Luigia Bugatti, genannt Bice, in Lebensgröße vorstellt (Taxe 320.000/380.000 Franken). Wie Monet in Giverny hat auch Max Liebermann seinen Garten am Wannsee immer wieder gemalt: „Der Nutzgarten nach Norden“ von 1927 zeichnet sich durch vehemente Pinselführung aus (450.000/600.000). Ein schönes Beispiel für die impressionistische Bildsprache bietet das kleinformatige Gemälde „Ros-de-Cagnes“ von Renoir aus dem Jahr 1905, in dem er alle Elemente der Freilichtmalerei verdichtet (350.000/450.000).
Chinesische Künstler bei Koller
Obwohl Chaim Soutine und Piotr Konchalovsky einander in Paris nie begegnet sind, kommen Stil und Motiv des russischen Malers dem gebürtigen Litauer im Gemälde „Der Fleischer“ von 1946 sehr nah: ein geschlachteter Ochse, wie ihn Soutine mehrfach gemalt hat (400.000/500.000). Von Konchalovsky gelangt noch „Das Feuer“ von 1930 zum Ausruf, wo Feuerwehrmänner des Nachts Bewohner aus einer lichterloh brennenden Häuserzeile in Moskau zu retten versuchen (200.000/300.000). Und Lucio Fontana ist im Angebot mit einem monochrom weißen „Concetto spaziale - Attese“ (4000 00/480.000). Wie erstmals im vergangenen Dezember führt Koller wieder eine Auktion mit zeitgenössischer Kunst aus China durch. Den höchsten Preis unter rund hundert Arbeiten erwartet man für „Snowy Landscape by Lake Geneva“ von Chun Teh Chu aus dem Jahr 1967, der Elemente fernöstlicher und westlicher Kunst vereint (300.000/400.000).
Die Offerte mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen führt eine von Léonard Boudin signierte Kommode im Louis-XV-Stil mit der polychromen Darstellung einer Park-und-Pagoden-Landschaft auf schwarz gelacktem Fond an (280.000/480.000). In der gleichen Art ist ein elegantes Damenbureau derselben Zeit verziert (180.000/280.000), das wie noch einige andere Objekte aus dem Inventar des Château de Vincy in der Westschweiz stammt, mit dessen partieller Auflösung die Galerie im März einen alle Erwartungen übertreffenden Erfolg verbuchen konnte.