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Mode Diese Frau mag es dramatisch

Aus dem Schrank einer Millionenerbin: Christie’s versteigert in London für eine guten Zweck Kleider der britischen Stilikone Daphne Guinness.

© Bryan Adams Vergrößern Ausweglos: Der Musiker und Künstler Bryan Adams fotografierte Daphne Guinness in New York im Jahr 2011. Für die Aufnahme mit den Maßen 90 mal 135 Zentimeter erhofft sich Christie’s 4000 bis 6000 Pfund

Daphne Guinness ist eine schillernde Figur - und das nicht nur im übertragenen Sinn: Meist zeigt sie sich behängt mit großen Schmuckstücken in silber-glänzenden oder mit Pailletten überzogenen Kleidern und auf waghalsig hohen Schuhen ohne Absatz, in denen Laufen wie ein Balanceakt erscheint. Sie ist eine aufsehenerregende Erscheinung: Denn trotz ihres zerbrechlich-wirkenden Körpers mit Modelmaßen - als Modemensch ist sie auf Dauerdiät - und schüchtern-leiser Stimme wirkt ihr durchgestyltes Auftreten einschüchternd. Das dramatische Augen-Make-up und die weissblond und schwarz gefärbten Haare erinnern an Cruella de Vil in „101 Dalmatiner“.

Wie Cruella in der Originalgeschichte von Dodie Smith ist auch Daphne Guinness eine reiche Millionenerbin, die in London lebt und sich gerne in Tierhäute kleidet. Bei Guinness sind es natürlich keine Hundewelpenfelle, sondern zum Beispiel Jacken und Mäntel aus Schlangenhaut von Prada (Taxen zwischen 500 und 1500 Pfund) oder ein frühes Lacroix-Cocktailkleid mit Korsage aus Kuhfell (1000/2000), die bei Christie’s in London am 27.Juni versteigert werden.

Eine Frau mit vielen Fans

In der Abendauktion kommen hundert ausgewählte Stücke aus den Kleiderschränken von Daphne Guinness zugunsten der „Isabella Blow Foundation“ zum Aufruf. Die kürzlich von Guinness gegründete Stiftung soll die Modesammlung der exzentrischen Stylistin Isabella Blow öffentlich zugänglich machen, britische Modetalente und Künstler fördern und Menschen mit Depressionen und psychischen Krankheiten helfen. Blow, die für verschiedene britische Modemagazine arbeitete und für ihre künstlerischen Hüte von Philip Treacy bekannt war, nahm sich 2007 das Leben. Daphne Guinness kaufte Blows gesamte Mode-Sammlung bei Christie’s im Juni 2010 und verhinderte damit die Verteilung.

„Honorable Daphne Suzanne Diana Joan Guinness“, so lautet der vollständige Name von ihr, die 1967 geboren wurde. Sie wird oft als „Muse“ oder „Stilikone“ bezeichnet. Nicht nur in England ist die Tochter eines Barons aus der Guinness-Brauereifamilie bekannt; sie hat auch international eine beachtliche Anzahl von Fans. Nach ihrer Scheidung von ihrem ersten Mann, dem Sohn des griechischen Schiffsmagnaten Stavros Niarchos 1999, wuchs ihre Bekanntheit in der Modewelt als Kundin, Patronin, Stylistin, Designerin und Modell mit individuellem Stil. Für David LaChapelle modelte sie 2010 in einer Maybach-Werbekampagne.

Sie kauft ihre Kleider noch persönlich

Ihr Familienhintergrund und ihre Lebensgeschichte ist ebenso ungewöhnlich wie ihr Geschmack. Als Kind verbrachte sie viel Zeit im spanischen Cadaqués im Haus ihrer französischen Mutter, das gleich neben Salvador Dalís Villa lag. Der verrückt gekleidete Künstler und sein Gefolge inspirierte sie ebenso wie der schlichte, streng-elegante Stil ihrer Mutter, ihrer Großmutter sowie ihrer Tante Marie-Gabrielle von Urach. Ihre Großmutter Diana Mitford, eine der sechs Schwestern des bekannten aristokratischen Mitford-Clans, war ebenfalls öffentliches Interesse gewohnt: Sie heiratete erst in die Guinness-Familie und ließ sich dann scheiden, um 1936 Oswald Mosley, den Führer der „British Union of Fascists“, zu heiraten.

Daphne Guinness selbst gilt als langjährige Patronin junger britischer Modedesigner, wie zum Beispiel Gareth Pugh und Christopher Kane - nicht zuletzt, weil sie alle ihre Kleider selbst kauft und nicht wie andere „Celebrities“ zu Publicity-Zwecken geliehen bekommt. Zuletzt sorgte auch ihre Zusammenarbeit mit dem Silberschmied-Talent Shaun Leane für Schlagzeilen: Leane kreierte für Guinness einen „Contra Mundum“ genannten mehr als einem Kilo schweren Handschuh aus achtzehnkarätigem Weißgold, mit mehr als 5000 Diamanten im Stil mittelalterlicher Kettenhemden besetzt und dekoriert mit Vögeln und Ästen. Guinness mag es dramatisch und ist ein Fan von Uniformen und militärischen Rüstungen.

Fotografiert von Mario Testino

In der Auktion bei Christie’s werden Kleider aus Guinness’ eigener Sammlung angeboten, überwiegend strenge schwarze oder luftige weiße Kreationen neben viel Glitter und Animalischem von Balenciaga bis Chanel. Patricia Frost von Christie’s rechnet mit Interesse amerikanischer Museen und Fans von Daphne Guinness. Besonders mit chinesischen und japanischen Geboten sei zu rechnen - der asiatische Faible für westliche Luxus-Marken ist hinlänglich bekannt.

Zwei Alexander-McQueen-Kleider von in Paris gezeigten Prêt-à-Porter-Kollektionen aus dem Jahr 2008 sind Maßanfertigungen für Guinness (je 15.000/20.000). Ein kurzes Kleid aus steifem, silber-metallischem Material mit integriertem Korsett und ein weißes Kleid aus der Kollektion „The girl who lived in the tree“ kommen mit einer Fotografie von Mat Collishaw für die britische Harpers-Bazaar-Ausgabe vom Juni 2012 zum Aufruf, auf dem Guinness die Kleider vorführt.

Der bekannte Modephotograph Mario Testino nahm Guinness für „Couture Princess“ in der britischen Vogue vom März 2008 in einem nachtblauen Ballkleid von Lacroix auf, das nun 4000 bis 6000 Pfund bringen soll. Eine weitere Aufnahme von Testino aus dieser Serie, vergrößert auf 253 Zentimeter und aus der New Yorker Wohnung von Guinness, ist das teuerste Los mit einer Taxe von 20.000 bis 30.000 Pfund (Edition 2).

Quelle: F.A.S.

 
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