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Tefaf : Noch führen alle Wege nach Maastricht

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The European Fine Art Fair gilt als die schönste Kunstmesse der Welt. Gelingt es ihr, diesen Ruf zu verteidigen? Die aktuelle Ausgabe zeugt von einem Geschmackswandel und setzt auf Originalität.

          Es bleibt wahr: Sie ist die schönste Messe, eine Augenweide, durchaus auch dort, wo mitten unter den Antiquitäten die Preziosen der Haute Joaillerie glitzern. Die Blumenpracht ist diesmal in nachgerade bräutlichem Weiß gehalten, kleine Narzissen, Hortensien, Tulpen natürlich schillernd in ihren gläsernen Röhrchen. Das ist wirklich sehr charmant. Und vielleicht ist es auch keine Täuschung, dass der Andrang der Besucher zur Vernissage gleich um zwölf Uhr mittags noch niemals zuvor so hoch war wie bei dieser Ausgabe, das Durchkommen in den Gängen gestaltete sich mitunter richtig schwierig. Neben dem klassischen Previewpublikum wurden auffällig viele internationale Museumsleute gesehen, vor allem im Bereich der älteren Kunst. Dort liegt ja auch die eigentliche Stärke von Tefaf, diesmal womöglich sogar wieder deutlicher als in den vorigen Jahren. Sie ist die ultimative Leistungsschau für Bilder und Antiquitäten, die in den sorgfältig bestückten Ständen handverlesen ausgebreitet sind.

          Der alljährliche „Art Market Report“, den die European Art Market Foundation auf der Basis einer großangelegten Umfrage unter Händlern zusammenstellt, verzeichnet für den weltweiten Kunstmarkt 2015 einen Rückgang von sieben Prozent, von 68.2 Milliarden auf 63.8 Milliarden Dollar. Auf diesen Umsatz sollen dem Wert nach 46 Prozent auf das Konto von Nachkriegs- und Gegenwartskunst gehen, in 41 Prozent der getätigten Verkäufe. Von solchen Zahlen muss sich die Maastrichter Schau in ihrer unverändert klassischen Anmutung womöglich nicht direkt tangiert fühlen. Ihre Kernkompetenz liegt woanders – und genau das macht ihre Stärke aus. Dennoch steht der Schritt nach New York unmittelbar bevor, wo Tefaf gleich zwei Ableger im Jahr etablieren will (F.A.Z. vom 6. Februar). Einer im Herbst soll Kunst und Antiquitäten präsentieren, der andere im Frühjahr Moderne, Gegenwart und Design. Grund für diese Entscheidung mag der starke amerikanische Markt sein, aber auch die Notwendigkeit, die dortige zahlungskräftige Käuferschaft direkt vor der Haustür abzuholen und obendrein neue Kunden anzuziehen, vor allem auch aus Südamerika; sie haben kaum die Muße, einige Tage für die Kunst im beschaulichen holländischen Städtchen zu verbringen.

          Prächtige Blumen und eine Überraschung

          Nun allerdings ist erst einmal Frühling in Maastricht, und wie seit Jahren gewohnt zeigen mehr als 260 Galerien und Antiquitätenhändlern aus zwanzig Ländern in neun Sektionen ihre besten Stücke vor, nach der gründlichen Jurierung, für die Tefaf bekannt ist. Der Beginn des Rundgangs bei den Gemälden erlaubt einmal mehr kleinere und größere Vergleiche. So gibt es zum Beispiel eines der beliebten Stillleben des Balthasar van der Ast bei Johnny van Haeften aus London (beziffert mit 1,69 Millionen Euro) oder bei Xaver Scheidwimmer aus München (dort lautet die Auskunft 650 000 Euro). Das prächtige Blumenstillleben in einer Nische von Roelant Savery am Stand von Colnaghi hat bereits das Mauritshuis in Den Haag erworben (genannt werden mehr als sechs Millionen Dollar). Daneben gibt sich Colnaghi sehr bewusst spanisch, was nicht verwundert, seit das Händlerduo Jorge Coll& Nicolás Cortés gemeinsam mit Konrad O. Bernheimer die Londoner Traditionsfirma führen. Die traditionelle Bernheimer-Präsenz fehlt schon ein wenig. Und wie eine Hommage an ihn, der in dem Buch „Narwalzahn und Alte Meister“ die bewegte Geschichte der Münchner Händlerdynastie Bernheimer aufschrieb, steht am prächtigen Stand der Bremer Handlung Neuse ein veritabler Narwalzahn (19500 Euro). Hauptstück dort sind die sieben, wahrlich bewegten Schlachtengemälde von Albrecht Adam, nach ihrem Auftraggeber „Leuchtenberg-Zyklus“ genannt (für 5,5 Millionen Euro).

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