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Tefaf : Maastricht ist Maastricht ist Maastricht

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Es bleibt dabei: Die „European Fine Art Fair“ lebt von Hochkarätigem aus allen Epochen - unangefochten. Das beweist ein erster Rundgang durchs Museum auf zehn Tage.

          Seit Wochen schon ist das Vorglühen im Gange. Stapelweise schickten die Händler Sonderkataloge, die ihre neuesten Pretiosen kunsthistorisch aufbereitet zelebrieren. Es prasselte E-Mails, die große Namen tropfen lassen, und alles zielte auf das große Ereignis, „The European Art Fair“ in Maastricht (Tefaf), wo diese Herrlichkeiten zu bewundern und erwerben sein würden.

          Gleichzeitig berichteten dienstfertig vorauseilende Gazetten schon einmal, was sonst dort so geschehe, zum Beispiel wie viele Privatjets zur Tefaf einfliegen (bis zu 300), dass im vergangenen Jahr 73.000 Besucher kamen und dass zur Eröffnung Champagner und Austern in etwa 10.000 Gäste investiert worden sein sollen.

          Steht man endlich vor „dem Rembrandt“ - Otto Naumann zeigt das großformatige Porträt eines Mannes mit melancholischem Blick und sinnlichem Mund, der die Hände an den Hüften hält - erscheint einem das Gemälde schon ganz vertraut, beim Preis von 47 Millionen Euro. Übrigens wurde es im Dezember 2009 bei Christie's in London für achtzehn Millionen Pfund (Taxe 18/25 Millionen), also umgerechnet 19,9 Millionen Euro, an ein Telefon zugeschlagen, während Otto Naumann selbst im Saal saß.

          Nicht dass Millionenpreise auf der Tefaf eine Seltenheit wären. Aber Klappern gehört zum Handwerk, und je weiter oben es ansetzt, desto höher die Spannung, desto lockender das Versprechen: auch mit dieser neuesten Ausgabe wieder die beste Kunstmesse der Welt vor sich zu haben. Ist das geglückt?

          Eine kleine Kostbarkeit von Carlo Dolci

          Aber ja doch. Das „Wunder von Maastricht“, auf der platten Wiese im niederländischen Nirgendland, wiederholt sich gerade zum vierundzwanzigsten Mal. Hinter dem diesmal mit roten Nelken besteckten Entrée vergisst man die sterile Messehalle und taucht ein in ein Museum auf zehn Tage. Gleich vorn, an der Koje von Dickinson herrscht Hochbetrieb. Der Londoner Händler präsentiert Renoirs „Femme cueillant des Fleurs“. 1874 malte der Impressionist hier Camille, die erste, jung verstorbene Frau seines Freundes Claude Monet, auf einer blütenschäumenden Wiese.

          Das „Sterling and Francine Clark Art Institute“ in Massachusetts, das eine der größten privaten Renoir-Sammlungen in Amerika besitzt, will fünfzehn Millionen Dollar für das Gemälde und diese für Neuerwerbungen nutzen. Wer die Altmeister-Strecke absolvieren möchte - sie vor allem half den Ruf dieser Messe begründen - besehe anschließend bei Agnew's eine kleine Kostbarkeit von Carlo Dolci: eine Madonna mit Kind, in Heiligkeit sanft aus dem tiefen Blau des Marienmantels leuchtend (300.000 Euro).

          Kartenspielerinnen in glänzender Seide

          Überhaupt kommen italienische Maestri gut zur Geltung, etwa bei Bernheimer-Colnaghi, wo als Neuzugang aus spanischem Privatbesitz ein schönes rauhes Männerbildnis von Bartolomeo Guidobono prangt (265.000 Euro). Dass Sammler im Eck zwischen Belgien, Deutschland und Holland nachdrücklich Malerei erwarten, die dort auch zuhause ist, offenbaren viele Stände mit dicht inszenierten Angeboten, die nichts an zünftigen Bauernspäßen, brillanten Stillleben mit viel Fisch und Austern zwischen schimmernden Gerätschaften oder vom Wind durchpusteten Seestücken zu wünschen übrig lassen.

          Mit Genuss und Sachkenntnis diskutierten Vernissage-Besucher Erzeugnisse der großen Malerfamilien Brueghel und Ruysdael und freuten sich bei Johnny van Haeften über Hondecoeters großen aufgeplusterten Gockel zwischen seinen Hennen und Küken. Am selben Stand hängt auch noch Gerard Terborchs entzückende Kartenspielerrunde mit Frauen in glänzender Seide (2,2 Millionen Pfund).

          Spitzenqualität in allen Sparten

          Jack Kilgore aus New York hängt mit Gustave Dorés mächtig großem, von rosa Wölkchen umspieltem Matterhorn ein klares Bekenntnis zur Malerei des 19. Jahrhunderts (192.000 Euro). Ebenso Arnoldi-Livie, wo uns Picassos erste Gönnerin, die gebürtige Chilenin und Pariser Stilikone Eugenia Huici Arguedas de Errázuriz, auf Jacques-Emile Blanches Pastell-Porträt von Kopf bis Fuß in weiß begegnet (525.000 Euro).

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