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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Salon du Dessin 2011 Das Glück ist mit dem Schnellen

 ·  Jeder will der Erste sein: Hochwertige Zeichnungen Alter Meister sind außerhalb von Museen immer schwerer zu finden. Eine wichtige Adresse für den Kauf seltener Blätter ist der Salon du Dessin in Paris.

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Die Pariser Messe für Zeichnungen „Salon du Dessin“ feiert ihren zwanzigsten Geburtstag. Von ihrer ersten Ausgabe 1991 im Hotel George V mit weniger als zwanzig rein französischen Ausstellern bis zum aktuellen Jahrgang mit 39 Galerien aus acht Ländern in der Pariser Börse ist viel geschehen: Der Salon du Dessin ist von einer Liebhaberveranstaltung zum größten Ereignis der Frühjahrssaison geworden.

Einem immer gleichen Ritual folgend, stürmen die Besucher aus aller Welt am Eröffnungstag um Punkt sechzehn Uhr in die Halle des Palais Brongniart, schreiten eilig die Kojen ab, lassen hier und da ein besonders begehrtes Blatt „für zehn Minuten“ reservieren und kehren eventuell zurück, wenn sie beim weiteren Durchgang nicht noch ein größeres Glück gefunden haben.

Wer Außergewöhnliches sucht, muss sich schnell entscheiden: Die schönsten und seltensten Blätter werden in den ersten Minuten der Messe verkauft, manche sogar schon vorher, wenn sie im vorab versandten Katalog abgebildet sind. Hochkarätige, museale Stücke sind auf diesem relativ schmalen Markt selten geworden.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass solche von Beginn an einen roten Punkt tragen: Honoré Daumiers „L'amateur d'estampes“ bei Le Claire aus Hamburg zum Beispiel oder Degas' „Tête d'un homme“ in Kohle und Graphit bei Arturo Cuellar aus Zürich. Unter den Vertretern der zeitgenössischen Kunst sind diesmal Karsten Greve aus Köln, Thaddaeus Ropac aus Salzburg/Paris, die Galerie de France aus Paris und als Neuzugang David Nolan aus New York mit dabei.

Ein figurenreiches Blatt von Tiepolo

Am anderen Ende des Spektrums ist die auf mittelalterliche Buchmalerei spezialisierte Pariser Galerie „Les Enluminures“ hinzugekommen. Eine größere Spannbreite hat die Messe vielfältiger gemacht, aber auch ihren vormals klaren Anspruch verwischen lassen. Der Salon du Dessin, der auf seinem Fachgebiet unangefochten als die beste Messe gilt, muss sich nicht zuletzt gegen die Konkurrenz der Auktionshäuser - Christie's, Artcurial oder Piasa versteigern an drei Abenden Meisterzeichnungen in Paris - behaupten.

Das für sein Interesse und seine Kennerschaft von vielen Teilnehmern hochgelobte Publikum drängte zur Vernissage zahlreich in die kleinen Kojen. An manchen Stellen wird der Besucher mit wahren Schönheiten belohnt - wie der Darstellung eines kraftvoll und demütig zugleich auftretenden „Verkündigungsengels“ von Paolo Farinati: Die braun lavierte Tusch- und Kreidezeichnung gibt es bei Jean-Luc Baroni aus London für 60.000 Euro; bei Colnaghi aus London/München lädt die Zeichenkunst von Tiepolo mit der großformatigen figurenreichen Tusch- und Kreidezeichnung der „Begegnung Christi mit Zachäus“ (220.000 Euro) zum Verweilen ein.

Maler bei der Arbeit

„Trinity Fine Art“ aus London gibt Einblick in Menge und Vielfalt des Werks von Luigi Valadier, bedeutendster Spross einer römischen Goldschmiededynastie, der vom Hochaltar bis zur Hängelampe alles entwarf. Das Paar Bleistift- und Tuschzeichnungen von einem männlichen und einem weiblichen Set mit Öl- und Essigfläschchen, um 1784, aus dem Dinner-Service des Fürsten Marcantonio Borghese ist mit 40.000 Euro veranschlagt.

In einer Liebesszene von kaum verhüllter Erotik vereinte der Prud'hon-Schüler Jean-Baptiste Mallet „Mars und Venus (Paris und Helena)“ in einem antiken Dekor, das in der Zeit nach der Französischen Revolution in Mode kam, angeboten bei Le Claire Kunst für 45.000 Euro. Bei Arturo Cuellar findet man ein bekanntes Motiv von Ingres. Der Künstler hat „Roger délivrant Angélique“ aus Ariosts „Rasendem Roland“ mehrmals aufgenommen; im Louvre, in der National Gallery in London und im Ingres-Museum in Montauban hängen verschiedene Versionen des Gemäldes von 1819.

Cuellar kann mit einer in Graphit auf Pauspapier gefertigten und auf Velin aufgezogenen Vorzeichnung für die Version der National Gallery aufwarten (138.000 Euro). Camille Corot hielt fest, wie sich die Maler im Freien an die Arbeit machten: Die Tusch- und Bleistiftzeichnung von 1833, „Peintres travaillant dans la forêt de Fontainebleau“, kostet bei der Galerie Normand aus Paris 160.000 Euro.

Entdeckung aus Amerika

Seit der Ausstellung auf dem Salon von 1869 ist das große, sechzig mal hundert Zentimeter messende Aquarell von Henri Harpignies, das die Seine und die „Île de la Cité“ vom Louvre aus zeigt, in der Familie des damaligen Käufers geblieben - und damals gehörte die Uferstraße noch Fuhrwerken, Reitern und Velozipeden (bei La Scala für 150.000 Euro). Jill Newhouse aus New York hat ein reizvolles frühes Pastell von Monet mitgebracht, „Petit chat endormi“ von 1865, das einen Preis von 375.000 Euro veranschlagt.

Arnoldi-Livie aus München offerieren sowohl einige der von der Wiener Albertina an die Familie Berolzheimer restituierten Zeichnungen von Moritz von Schwind - es sind drei Entwürfe für das Wiener Opernhaus mit Motiven aus Don Giovanni (zusammen für 22.000 Euro) - als auch Noldes nach langer Zeit in amerikanischem Sammlerbesitz wiederentdecktes Aquarell „Marschlandschaft um Utenwarf, Nordsee“, entstanden um 1920 (185.000 Euro).

Eine wandfüllende Arbeit von Louise Bourgeois

Eine andere freudige Überraschung: Das mit Kohle gefertigte „Selbstporträt“ von Käthe Kollwitz aus dem Jahr 1924 bei Martin Moeller aus Hamburg war lange Jahre nur über eine Lithographie bekannt (120.000 Euro). Zwei junge Männer - der eine flüstert dem anderen etwas zu - stehen vor dem Pariser Pantheon der „Großen Männer“: So skizzierte Balthus 1926 mit Tusche eine „Visite du Panthéon“ (bei Aittouarès aus Paris für 12.000 Euro).

Louise Bourgeois ließ Notenlinien auf handgeschöpftes Papier drucken, um in einer elf Elemente umfassenden Arbeit von 2006 ihrer früheren Heimat eine Hommage zu erweisen. „Paris toujours Paris“ heißt das wandfüllende Werk bei Karsten Greve aus Köln für 100.000 Euro (Auflage 8/12), das mit knappen Hinweisen wie „Premier Amour“, Straßennamen oder einem Datum beim Betrachter eigene Erinnerungen wachruft. Paris bleibt Paris - ein passenderes Motto kann sich der Salon du Dessin auch in diesem Jahr kaum auf die Fahnen schreiben.

Salon du Dessin. Bis zum 4. April in der Pariser Börse. Geöffnet von 12 bis 20.30 Uhr, am Montag von 12 bis 20 Uhr. Eintritt mit Katalog kosten 15 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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