11.10.2008 · Selbstbewusst ins fünfte Jahr: Die „Munich Highlights“ locken mit attraktiven Neuzugängen ins City-Quartier - unser Rundgang stimmt ein auf den kommenden Messemarathon in der bayerischen Hauptstadt.
Von Brita Sachs, MünchenDie „Munich Highlights“ sind flügge geworden: Bisher präsentierte sich der Münchner Spitzenhandel zeitgleich mit der Kunst Messe München, die er, ihrer überdrüssig, verlassen hatte. Jetzt, im fünften Jahr, gibt es gerade mal einen Tag Überschneidung beider Veranstaltungen. Die Kunsthandlungen in ihren attraktiven Innenstadtquartieren bauen ostentativ auf die eigene Anziehungskraft und die ihrer Gäste - auch diese sämtlich aus der Top-Klasse. Mitsamt den Neuzugängen, die die beliebte Kunststrecke hinzugewinnen konnte, listet sie jetzt vierzehn Adressen und fast das Doppelte an Ausstellern. Da wünscht man sich glatt den Klapphocker aus der Völkerwanderungszeit, den Frank C. Möller anbietet.
Solide dank kleiner, bereits in der Antike ausgeführter Reparatur und mit dezentem Silberdekor kostet der zeitlos praktische Begleiter 70.000 Euro. Der Hamburger ist, übrigens auch mit exquisiten Röntgenmöbeln, zu Gast in der Brienner Straße bei Konrad O. Bernheimer, dem einstigen Initiator des Parcours. Er selbst bedient das Altmeisterfach imposant mit einer gitarrespielenden Spanierin von Louis Michel van Loos (500.000 Euro), während sich seine Tochter Blanca mit zeitgenössischer Fotografie an ein junges Publikum wendet. In anderen Räumen bewundert man Heribert Tenscherts erlesene Inkunabeln und bei Katrin Bellinger eine Männerskizze, die Menzel in Verona für sein Gemälde „Piazza delle Erbe“ anlegte (24.000 Euro).
Porzellan auf Reisen
Genüsslich lässt es sich durch ein Reich herrlicher Skulpturen wandeln bei Böhler aus Starnberg, Blumka aus New York und S. Mehringer. Nebenan rät Helga Matzke in ihrem funkelnden Silberkabinett zu wertbeständiger Kapitalanlage; zwei Augsburger Reisedosen im Etui könnten das sein (38.000 Euro). Noch bestätigen die Händler mit Eifer, dass Kunst als vergleichsweise sichere Anlage gelten darf - immer vorausgesetzt, es handelt sich um Spitzenstücke. Bei Röbbig jedenfalls kämpft man derzeit weniger mit Auswirkungen der Finanzkrise als um die Beschaffung bester Porzellane. Doch ließ sich neue Kundschaft gewinnen, weshalb die sehr frühe Meissener Olio-Terrine mit Höroldt-Chinoiserien schon bald gen Osten ziehen könnte (20 .000 Euro).
Nach einem erquicklichen, bei Daxer & Marschall möglichen Eintauchen in die Italianità malender Nordländer, die im Rom des 19. Jahrhunderts Licht und Impulse tankten, empfiehlt sich ein Abstecher in die Prannerstraße, wo vier neue Messeflüchtige bei den Highlights andocken: unter ihnen Frau Metz de Benito, deren gotische Madonnen bestens mit dem nackert bogenschießenden Erich Heckel klarkommen, den Kollege Kirchner 1909 zeichnete und den Riedl für 38.000 Euro anbietet.
Neue Koalitionen
Die Highlights-Teilnehmer schwören auf München als wichtigsten deutschen Platz für den Handel mit Alter Kunst und als Mischpult für diese mit der Moderne. Vor allem hier wurde nochmals nachgelegt: Erstmals koaliert Antikenspezialist David Cahn aus Basel mit der Galerie Maulberger. So kommt ein Aphroditentorso mit bemerkenswert schönem Hinterteil zu ästhetischem Gewinn neben einem kapitalen Nay-Gemälde von 1953, das früher in der Pinakothek der Moderne hing (395.000 Euro). Beide Händler gehören zu den wenigen Doppelteilnehmern von Highlights und Kunst Messe; ein weiterer ist die Galerie Häusler, die zum Highlights-Einstand neue Neonschriften der österreichischen Lichtkünstlerin Brigitte Kowanz strahlen lässt.
Auch in der Galerie Thomas leuchtet es: Dan Flavins bunter Neonturm „Für Charlotte“ (550.000 Dollar). Die Londoner Galerie Marlborough hat schönste Blätter aus Picassos „Suite Vollard“ gehängt (von 26.000 Euro an). Fred Jahn kombiniert die Klassiker seines Repertoires - George Grosz, de Kooning, Richter, Lüpertz - mit silbernen Schalen, Bechern und Schmuck von Giampaolo Babetto. Daniel Blau hängt nie gezeigte Unikate des englischen Fotografen Adam Fuss; bei Sabine Knust lohnt eine aufregende Gegenüberstellung von Baselitz' Graphik-Mappe „Bäume“ mit Kirchner-Blättern zum selben Sujet. Und Spannungsbögen zwischen Klassisch und Neu schafft die Galerie Arnoldi-Livie mit ihrem Berliner Gast Michael Haas.