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Kunstmesse München : Mit leichter Hand ein museales Ambiente schaffen

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Vielleicht belebt Konkurrenz das Geschäft doch? Während die große 52. Münchner Kunstmesse in Riem tagt, empfehlen sich messemüde Münchner Innenstadtgalerien mit der Kleinmesse Munich Highlights als dezente und dezentrale Alternative.

          Kunst genug tischt München dieser Tage wieder auf: Die ganz große Portion gibt es auf der 52. Kunst-Messe, die rund hundert Aussteller heute in Riem eröffnen. Weitere Köstlichkeiten warten bei den „Munich Highlights“, angeboten von Händlern, die, im vierten Jahr messeabtrünnig, in ihren Innenstadtgalerien mit Gastkollegen ihr eigenes Süppchen kochen. Beide Veranstaltungen lohnen, ja verlangen den Besuch und stillen doch nicht den Wunsch nach einem Rezept, welches das ewige Hickhack beenden und den gemeinsamen Neustart ermöglichen würde - derzeit ist eine solche Formel nicht in Sicht.

          Als zuverlässig tragende Messesäule steht am Beginn des Rundgangs wieder David Cahns Antikenstand und begrüßt den Besucher mit dem römischen Marmorkopf eines göttlich schönen Dionysos. Der ist eine passende Leitfigur beim Eintauchen ins sinnenhafte Vergnügen einer Halle voller Kunst, die alle Interessen bedient. Vorzüglich steht die beim Kunsthandwerk traditionell starke Veranstaltung diesmal mit Möbeln da, die man überall in eleganten Salonpräsentationen antrifft.

          Das heilige Mannequin

          Da steht ein frühbarocker Augsburger Fassadenschrank, kapital in der Höhe und prachtvoll mit vollplastischen Engelsköpfen beschnitzt bei Christian E. Franke (175.000 Euro), der auch das komplette lustvolle Bildprogramm eines Raums hängte, den Christian Georg Schütz und Werkstatt mit schießenden Jägern, Entenstrich, Fischzügen und Weinernten ausstattete (335.000 Euro). „Unser Mannequin“ nennt man auf Sengers feinstmöbliertem Mehrraumstand die Heilige Cecilia an der Orgel, eine süße zarte Beauté, um 1510 in Villach als Relief geschaffen. Charlotte Auguste Mathilde, Witwe des Königs von Württemberg, war richtig kreativ: Sie selbst malte bukolische Szenen auf Porzellanplaketten, die Hofebenist Klinckerfuß 1825 in einen Sekretär und passende Etagère einbaute, zu bewundern bei Peter Mühlbauer (225.000 und 65.000 Euro).

          Patrick Kovacs aus Wien, einer von nur mehr vierzehn ausländischen Teilnehmern, kam mit einem Rarissimum: Aus der Einrichtung, die Josef Hoffmann 1905 für den Wiener Arzt Hermann Wittgenstein entwarf, stammt ein in nur zwei Exemplaren bekannter Stuhl mit kühn kippender Rückenlehne - ein Experiment, ein Sammlerstück, das 25.000 Euro erfordert. Feuervergoldete Kaminböcke in Gestalt steigender Rösser auf schwingenden Roccaillen (135.000 Euro) passen trefflich in die französische Ambiance, die Albrecht Neuhaus pflegt. Und bei Neuse fasziniert ein Schachspiel, das Augsburger Künstler 1735 aus edlen Materialien schufen; da sieht der König aus wie Ludwig XIV., und dicke Elefanten tragen die Türme; Kostenpunkt: 660.000 Euro.

          Die Gipfel der klassischen Moderne

          Die Kunst auf Papier konzentriert ihre engagierten Vertreter im eigenen Karree. Bei Martin Möller prangt auf einer Menzel-Wand die Ölskizze eines bärtigen Kopfes, eine aufregende Neuentdeckung mit rückseitigen Aufklebern, die auf das „Eisenwalzwerk“ verweisen - man lasse sich die hochspannende Geschichte erzählen (240.000 Euro). Thole Rotermund zeigt ein frisches, freies Aquarell vom Walchensee; Corinth datierte es am 20. Juli 1918. Am Tag darauf, seinem sechzigsten Geburtstag, entschied der Maler, sich an diesem See niederzulassen, der sein liebstes Motiv werden sollte (134.000 Euro).

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