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Kunstmesse in Paris : Zeitreise im Grand Palais

  • -Aktualisiert am

Ein „Mekka der Altmeister“: Der „Salon International du Livre Ancien, de l’Estampe et du Dessin“ gibt sich sehr erlesen und kann mit Rembrandt, Vasari und Géricault aufwarten.

          Bei jeder Messe zeigt sich der Pariser Grand Palais in einem anderen Licht. Gerade verwandelt er sich in eine Bibliothek und ein Graphikkabinett. Es ist eine Einladung zur imaginären Reise durch die Zeit, wenn illuminierte Handschriften aus dem 13.Jahrhundert oder die ersten Darstellungen von Krokodilen im 17. Jahrhundert neben handsignierten Fotos von Liz Taylor und James Dean über die Wirklichkeitswahrnehmung verschiedener Epochen erzählen.

          Die beiden Messen „Salon International du Livre Ancien“ und „Salon de l’Estampe et du Dessin“ haben eine lange Geschichte, die Ende der achtziger Jahre ganz bescheiden begann. Dass sie nun zum siebten Mal unter der Glaskuppel des Grand Palais vereint auftreten, hat sich nicht nur wegen des hervorragenden Ausstellungsorts - viele Händler kommen erst seit dem Umzug - als glückliche Entscheidung erwiesen. Auch zwischen den kostbaren Büchern und den hochwertigen Graphiken oder Zeichnungen wird auf diese Weise ein Dialog hergestellt. Kein Wunder, dass die zwei Messen mit 145 Buchhändlern und 34 Galerien aus fünfzehn Ländern nun auch im Namen „Salon International du Livre Ancien, de l’Estampe et du Dessin“ verschmolzen sind.

          Mit Jules Verne lässt sich die Reise um die Welt und in der Zeit antreten: Das Antiquariat „Aux deux Éléphants“ aus Chartres hat sich auf die „Voyages extraordinaires“ spezialisiert und bietet in illustrierten Ausgaben sämtliche Romane und Erzählungen Vernes an; die Bände kosten, je nach Zustand und Titel, zwischen einigen Hundert und einigen Tausend Euro. Bei Peter Bichsel aus Zürich fällt ein Album für 750 Euro auf, das 28 Ansichten von Paris um 1850 zeigt; sie wurden nach Daguerreotypien gezeichnet und in Stahl gestochen. Unter ihnen findet sich auch eine Abbildung des „Palais de l’Industrie“, der dann zur Weltausstellung 1900 vom Grand Palais ersetzt wurde: So wird man am selben Ort in der Zeit zurückversetzt.

          Ein Faksimile aus dem Jahr 1926 mit Skizzen und Tagebucheinträgen von Paul Gauguin führt auf die andere Seite des Erdballs - der Einband aus Palmenbast spiegelt eine typische Vorstellung von Südsee (1160 Euro). Bei Bado und Mart aus Padua geht die Reise mit Giorgio Vasari weiter, dessen „Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten“ in einer dreibändigen Ausgabe mit Gravuren für 14.800 Euro angeboten werden.

          Erlesene illuminierte Stundenbücher gibt es bei Jörn Günther Rare Books aus Stalden in der Schweiz. Dort fällt ein Gebetbuch auf, das um 1517 für Karl V. gefertigt wurde - eine Rarität, die deshalb mit 850.000 Euro beziffert ist. Im Antiquariat Bibermühle von Heribert Tenschert findet sich das Juwel der Messe, ein faszinierendes „Museum auf Papier“ vom Anfang des 17. Jahrhunderts, das in zwölf Bänden und mit 750 fein gearbeiteten Aquarellen sämtliche bis dato bekannten Tiere und Pflanzen beschreibt. Das Werk wurde von Kaiser Rudolf II. von Österreich in Auftrag gegeben, es war für seine „Wunderkammer“ bestimmt. Fünf Millionen Euro lautet der Preis dafür.

          Auch bei den Druckgraphiken und Zeichnungen liegt der Schwerpunkt auf den vergangenen Jahrhunderten. Bei Terrades aus Paris zeigt eine Radierung von Giovanni Battista Piranesi die Spanische Treppe im 18.Jahrhundert (4000 Euro). Aus demselben Jahrhundert stammt die Studie eines geneigten Frauenkopfs von Adam Friedrich Oeser; die sensible Kreidezeichnung kostet bei Nathalie Motte Masselink aus Paris 12.000 Euro. Helmut Rumbler aus Frankfurt bietet gleich eine ganze Reihe von Rembrandt-Radierungen an (von 34.000 bis 86.000 Euro).

          Für F. Carlo Schmid von der Kunsthandlung C.G. Boerner, Düsseldorf und New York, ist dieser „Salon International“ die wichtigste Messe für Druckgraphik in Europa, ein „Mekka der Altmeister“. Boerner hat sich diesmal besonders auf französische Blätter spezialisiert, unter ihnen fallen zwei Stiche von Théodore Géricault auf, mit dessen Lieblingssujet, dem Pferd: eine Kampfszene „Mameluk, défendant un trompette blessé“ für 6600 Euro und ein Bauer mit Pferd für 5800 Euro. Bei Grillon aus Paris führen dann handsignierte Serigraphien von Victor Vasarely weiter in die Moderne (je 1800 Euro). Und von einem kleinen Blatt für 4000 Euro bei der Pariser Galerie Paul Prouté möchte man die Augen gar nicht mehr abwenden: Die Radierung zeigt eine dieser sinnlichen, das Leben genießenden Odalisken von Henri Matisse (4000 Euro).

          Im Grand Palais, Paris, bis zum 28.April. Täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt mit Katalog kostet 10 Euro.

          Quelle: F.A.Z.

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