Home
http://www.faz.net/-gyz-77bpt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Gegenwartskunst Hinter dem Horizont geht’s immer weiter

Vor zehn Jahren startete die Londoner Frieze Art Fair und dominiert seither den Markt der Gegenwartskunst in England. Jetzt versucht die „Art13 London“ ihr Glück.

Die Olympia Grand Hall mit ihrem Tageslicht von oben ist wirklich großartig für die Kunst, überhaupt wenn diese sich nicht drängen muss, sondern gut proportioniert verteilen kann. Davon profitiert die Premiere der „Art13 London“ unbedingt, die sich selbstbewusst als erste wichtige Messegründung seit einer Dekade in der Stadt bezeichnet. Tatsächlich startete zuletzt die Frieze Art Fair im Oktober 2003. Die neue Schau mit rund 130 Ausstellern setzt dezidiert auf „globale“ Kunst der Moderne und Gegenwart, die etwa aus China, Indien, Südafrika, Australien oder Brasilien kommt - und entsprechend auf ein Publikum, das sich in der weltoffenen Stadt London dafür einfinden soll. Die in Deutschland geborene Direktorin Stephanie Dieckvoss, die schon beim Beginn der Frieze beteiligt war, dann 2007 bei der Gründung der Art Hongkong (inzwischen ja zum Messezirkus der Art Basel Miami Beach gehörig), will nun eine Messe für eine breitere Öffentlichkeit machen, die sie auch gern unabhängig und eigenständig halten will. Ihr „Herzblut“, so sagt sie, hängt an dem Konzept des „globalen Aspekts“ - eines erweiterten Horizonts, so lässt sich das verstehen, etwa auch wieder in Richtung auf eine Wiederbelebung von Performance, außerdem mit Schwerpunkten bei Fotografie und Grafik.

Rose-Maria Gropp Folgen:

Die Erstausgabe setzt davon einiges um, vor allem die weiträumige Herkunft der Aussteller. Und im angenehmen Parcours unter der hohen Stahlkonstruktion des ausgehenden 19. Jahrhunderts setzen zumal die „projects“ interessante Akzente, einzelne raumintensivere Arbeiten, die in den Gängen zwischen den Ständen plaziert sind. Zu ihnen gehört „Soul City“, die Pyramide aus rund 6000 Orangen, die der 1936 geborene südafrikanische Künstler Roelof Louw schon 1967 als Konzept entwickelt hat. Die Londoner Richard Saltoun Gallery präsentiert diese Arbeit, die auf genial einfache Art - jeder Betrachter kann sich eine Frucht davon wegnehmen - die Prinzipien von Konsum und Form verhandelt; außerdem duftete sie am Eröffnungsabend so frisch. Unbedingt anziehend ist auch Zena el Khalils Werk „A’ Salaam Alaykum: Peace Be Upon You“. Das Wort „Allah“, zusammengesetzt aus zahlreichen kleinen Spiegelkacheln, dreht sich, vier Meter hoch ragend, auf seiner Konsole und bricht glitzernd den umgebenden Raum auf (35000 Euro).

Die Galerie Tanit aus München und Beirut vertritt die Libanesin, Jahrgang 1976. Im geräumigen Stand von Tanit gibt es auch eine klassische Spiegelarbeit von Michelangelo Pistoletto, „Maria Colori“ (375000 Euro), oder Fotografien, die der junge Libanese Roy Samata 2011 in Kairo auf dem Tahrir-Platz gemacht hat (Auflage 5; 950 Euro).

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Alte Meister in London Wer war eigentlich Richard Parkes Bonington?

Zu wenig erstklassige Werke, zu hohe Taxen: Die Auktionen mit Alten Meistern in London bringen Rückgänge. Doch marktfrische, hochkarätige Werke können sich auch in schwierigen Zeiten behaupten. Mehr Von Gina Thomas, London

24.07.2015, 06:00 Uhr | Feuilleton
Kunsttest Finde die Fälschung!

In der Dulwich Picture Gallery in London hängt inmitten der Meisterwerke von Rembrandt und Rubens derzeit eine Fälschung - und das mit voller Absicht. Besucher sollen herausfinden, welche Werke echt sind und welches Gemälde nachgemacht ist. Das Ziel: eine intensivere Auseinandersetzung mit der Kunst. Das gefälschte Bild wurde in China in wenigen Wochen hergestellt und hat einen Wert von gut 100 Euro. Mehr

12.02.2015, 21:41 Uhr | Aktuell
Einblicke ins Active Office Mit Turnringen und Besprechungsmuscheln

Die Fondsgesellschaft Union Investment macht gute Geschäfte. Die neue Zentrale in Frankfurt soll den Erfolg mehren: Einblicke in das Active Office. Mehr Von Thorsten Winter und Niklas Grapatin (Fotos)

28.07.2015, 15:10 Uhr | Rhein-Main
VfL Wolfsburg Schürrle trainiert bei Londoner Wetter

André Schürrle dreht seine ersten Runden in Wolfsburg. Die Hoffnungen in den 32-Millionen-Euro-Mann sind groß: Mit dem Weltmeister will der VfL die Bayern angreifen. Mehr

03.02.2015, 18:16 Uhr | Sport
Börsencrash Deutschland ist nicht in Schanghai

Deutsche Anleger fürchten, die unruhigen Zeiten an Chinas Börse könnten auch die Kurse deutscher Aktien belasten. Zu Unrecht - oder zumindest nicht so, wie es Untergangspropheten landläufig verkünden. Mehr Von Martin Hock

28.07.2015, 16:46 Uhr | Finanzen

Veröffentlicht: 01.03.2013, 13:17 Uhr

Schutz in Deutschland

Von Nikolas Busse

Ein Teil der Bevölkerung beginnt sich unter dem Eindruck der Migrationsströme zu radikalisieren. Der Staat muss reagieren - und die Flüchtlinge verlässlich schützen, die es bis nach Deutschland schaffen. Mehr 6