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Cologne Fine Art & Antiques Papier atmet weiß oder Ein Winterluftholen

Eine Kunstschau auf hohem Niveau muss nicht anstrengend sein: zierliche Zeichnungen und starke Malerei bei der Cologne Fine Art & Antiques – ein Messerundgang.

Die Kunst- und Antiquitätenmesse Cologne Fine Art&Antiques hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Kleinod der Messelandschaft entwickelt, im vorigen Jahr etablierte sie eine Sektion mit Arbeiten auf Papier. Leider sind einige Händler diesmal ferngeblieben, obwohl man weiß, dass es mindestens drei Jahre braucht, bis man angekommen und akzeptiert ist.

Dem angenehmen Auftritt der Messe und ihrer rund hundert Teilnehmer tut das keinen Abbruch. Denn allein schon diese Zeichnungsabteilung lohnt den Besuch. Hier lässt sich ungestört stöbern, darf man sich erfreuen an vorsichtig gesetzten Linien, an motiverfüllenden Studien. Die Preise für die Blätter reichen von tausend Euro bis in sechsstellige Höhen. Bei Boerner aus Düsseldorf brilliert Dürer mit seinem Kupferstich des „Heiligen Eustachius“ (390.000 Euro). Bei Thole Rotermund aus Hamburg ziert die Außenwand ein großformatiges Aquarell von Erich Heckel, „Fördelandschaft“ von 1925: Auf den ersten Blick von windwüstem dilettantischem Grün beherrscht, öffnet sich der Blick auf einen erdkugelrunden, kräftig-blauen Seehorizont (68.000 Euro).

Nebenan hat Paul Schönewald, wie schon 2011, kleine abstrakte Gemälde von Gerhard Richter ornamenthaft geordnet. Erstaunlich, wie Richter heute als Malerstar gehandelt wird: Bei Vömel aus Düsseldorf gibt es für 1500 Euro ein Schwarzweißfoto, das den Künstler 1980 zeigt - signiert vom Meister. Mehrfach taucht der Name Eduard Bargheer auf: Seine knitterigen Aquarelle sind mediterran erwärmend; Vömel hat zwei Papiere mitgebracht (je um 3000 Euro). Lelong aus Zürich überrascht mit einer herrlichen Tintenzeichnung Alexander Calders, sonst für seine Mobiles bekannt; „Solomon Grundy“ von 1944 ist ein Sketch über das Leben: Geburt, Taufe, Heirat, Schlafen, Schlafen, Schlafen und Sterben (Preis auf Anfrage).

Auf der Messe ist alles zu finden: Von Malerei über Asiatika, Design, Möbel oder Silber. International sind jedoch nur wenige Aussteller, wie Woerner aus Hongkong. Dort thront eine bronzezeitliche Zeremonialglocke aus Thailand aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus (62.000 Euro). Jochum bietet Design aus den fünfziger Jahren, darunter ein Stuhl aus Schichtholz von Carlo de Carli 1954 (7000 Euro). Eines der zumindest pekuniären Spitzenwerke der Messe hängt bei Salis&Vertes aus Zürich/Salzburg: Es ist eine „Tête d’homme“ von Picasso aus dem Jahr 1965 für 3,2Millionen Euro. Ob dieses kapitale Werk in Köln einen Käufer findet? Realistischere Chancen haben sicher Max Liebermanns „Zwei Reiter am Meer“ für 980.000 Euro bei Ludorff, Düsseldorf. Der Kunsthändler ist mit gleich zwei Ständen vertreten; die Auswahl ist groß: Über den Preis von Lesser Urys farbenreiches Pastell auf Karton „Unter den Linden“ von 1925/30 wird dort noch verhandelt. Urys charakteristischere „Charlottenburger Chaussee“, ein keines Gemälde um 1925, ist mit 79.000 Euro ausgezeichnet.

Im Kontrast zu diesen Preisen steht das Werk von Karl Bohrmann bei Klüser aus München: Seine „Rote Figur“ von 1996, in Ölkreide auf Papier gebracht, erfordert nur 1700 Euro; sie balanciert als Farbtupfer auf einer Linie Richtung Blattende. Verkauft ist schon Pechsteins „Fischer am See“, um 1911; die Kreidezeichnung hat 28.500 Euro gekostet. Bei Schüller aus Starnberg berührt Gabriele Münters „Blumenstillleben mit Tigerlilie“ von 1941, das sonderbar wächsern vor dem schwarzen Papier schwebt (165.000 Euro). Eine Frau fläzt sich zum Tee hin, raucht genüsslich und tratscht mit ihrer Freundin - zu sehen auf Jeanne Mammens Aquarell „Im Café am Bülowbogen“, um 1932, für 68.000 Euro.

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Setareh gibt Gestaltungstipps: Otto Pienes „Feuerblume“ von 1965 ist mit Hervé van der Staetens „Cristalloide“-Konsole kombiniert (Preis auf Anfrage). Erstaunlicherweise bietet nach dieser schrägen Kombination sogar George Grosz’ Gemälde „The Checkered Napkin“ von 1936 (Preis auf Anfrage) und ein Blumenstillleben von Corinth von 1923 für 400000 Euro ästhetische Abkühlung. Wie auch Vasarelys „Tecoma-P“ von 1989: Das kleine, blau-grüne Acrybild kostet bei Jörg Schumacher aus Frankfurt 24.000 Euro.

Gerade haben wir uns gefreut über den Ankauf des Pommerschen Landesmuseums in Greifswald. In Köln wird ein wesentlich unspektakuläreres Bild von Johan Christian Dahl, „Elblandschaft nahe Dresden“ von 1851, bei Katrin Bellinger angeboten. Doch auch hier strahlt die Spätromantik und umhüllt den Besucher mit wohligem Kunstgefühl. Das sollte Besucher bringen. Leicht wird es für die Messe nicht, auf Dauer mit München zu konkurrieren. Die beiden Städte sind jedoch so unterschiedlich, haben so verschiedene Sammlerszenen zu bieten, dass für beide Raum genug bleiben sollte - Kunst muss reisen, ein Zuhause findet sie immer.

Cologne Fine Art & Antiques. Bis zum 25. November in der Deutzer Messe. Geöffnet von 11 bis 20 Uhr, am Sonntag, den 25. November, von 12 bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet 25 Euro, der Katalog 10 Euro.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 24.11.2012, 06:16 Uhr