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Cologne Fine Art & Antiques : Gut gelaunt genießen

Die Cologne Fine Art & Antiques ist der perfekte Marktplatz für eine gehobene Klientel, die auf dem Teppich geblieben ist. Ihr Parcours hat die richtigen Maße.

          Die Stimmung bei den Ausstellern war bestens, als das Vernissagen-Publikum pünktlich eintraf, um in der Halle 11.2 der Deutzer Messe auszuströmen. Was wörtlich genommen werden darf, weil die klassische Kojenstruktur noch weiter aufgebrochen ist als im vorigen Jahr. Ständig gibt es Seitenblicke und entsprechend Durchgänge hin zu gleich mehreren großzügigen Ständen der etwa neunzig Teilnehmer, bei denen es geblieben ist.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Damit schließt die Cologne Fine Art & Antiques nahtlos an ihren Auftritt 2009 an, der die handliche Schau in den Focus eines Publikums gerückt hat, das in einem vernünftigen Preisrahmen kaufbereit ist, wenn es Qualität erkennt. Dabei ist das Konzept so ansprechend und überzeugend - wie im Grunde einfach: Eine Kunstmesse hat „als Marktplatz zu funktionieren“ für ihre Besucher, die „das besondere Einzelstück“ suchen. So formulierte es die Direktorin Ulrike Berendson, nicht ohne berechtigten Stolz darauf, einen eigenen Weg definiert zu haben. Das stimmt tatsächlich, jedenfalls für Deutschland und eine Schau, die von der Antike bis zur Zeitgenossenschaft funktionieren will.

          Wer den Parcours durchstreift, wird nicht bewusst auf die durchdachten Neuerungen achten - die Ausdehnung des Designs bis in die Gegenwart, die Design-Lounge oder die intensivierte dialogische Beziehung der einzelnen Bereiche zueinander -, sondern das ganze luftige Arrangement schlicht gut gelaunt genießen. Als ein Omen begegnet einem dann das erstaunliche „Eisengeld“, vor nicht langer Zeit noch veritables Zahlungsmittel des Stamms der Angas in Nigeria.

          Zu finden ist das kühle Stück, das verblüffend einem abstrahierten Torso ähnelt, (für 1800 Euro) bei dem Afrika- und Ozeanienspezialist Vignold aus Köln, der sich wieder mit Thole Rotermund aus Hamburg zusammengetan hat, ohne dass Korrespondenzen mit dessen Zeichnungen und Bildern der Moderne erzwungen wären.

          Eine lodernde Gouache von Léger

          Rotermund erklärt glatt, dass er gekommen ist, weil für ihn die Cologne Fine Art die „Topmesse 2009“ gewesen sei. Das kleinste Blatt, das er mitgebracht hat, ist ein wahres Kleinod: August Macke hat 1914 auf seiner Tunisreise mit Paul Klee und Louis Moilliet genialisch „Zuschauer vor einem Käfig“ skizziert (24.000 Euro). Ganz anders haben sich zwei Vertreter aus Frankfurt zusammengetan, der Galerist Jörg Schuhmacher und der exklusive Juwelier Friedrich.

          Dass er sich gern dem Sammlerpublikum im Rheinland bekannt machen möchte, sagt der Newcomer Marc Stabernack, der das Schmuck-Traditionshaus Friedrich jüngst übernommen hat, und er legt in seine Vitrinen Haute Joaillerie; wunderschön opalisierende Manschettenknöpfe gibt es schon für 5200 Euro, nach oben ist die Skala offen. Schuhmacher hat dazu etwas Feines, nämlich Légers lodernd farbfrische Gouache, die um 1950 entstandene Vorlage für ein Glasfenster in der heutigen Ferme-Musée Fernand Léger in der Normandie; so etwas hat seinen Preis bei 68.000 Euro.

          Zwei zierliche Frauenbildnisse des Gabriel von Max

          Eine hübsche Auswahl bietet Krümmer: Die Hamburger Kunsthandlung nimmt zum ersten Mal teil in Köln, unter dem Motto „Frauen der Moderne“, die freilich auch Männer festgehalten haben dürfen. Ein zauberhaftes kleines Bildchen hier ist die „Junge Frau am Strand“ des ein wenig in Vergessenheit geratenen Franz Skarbina (12 800 Euro). Von dort ist es ein Quantensprung zum knapp zwanzig Jahre später geborenen Emil Nolde: Beck & Eggeling aus Düsseldorf bieten das teuerste Werk der Messe auf mit Noldes Gemälde „Peter und Hans“ von 1949, das mit starken 2,3 Millionen Euro ausgezeichnet ist.

          Back to reality, auch bürgerlich, aber anderen Geschmacks; denn bei Bayer aus München wären, neben ansehnlichen Teilen des Franz von Stuck, zwei zierliche Frauenbildnisse des Gabriel von Max im Angebot, dessen fulminante Ausstellung gerade im Münchner Lenbachhaus zu besichtigen ist (die, sofort von grünen Reservierungspunkten zugedeckten, Preise lauten 15.000 und 22.000 Euro). Ein echter Köln-Rückkehrer ist Aurel Scheibler: Gordian Weber mit seinen Antiken und er legen einen edlen Auftritt hin, der etwa den Kopf einer Aphrodite des zweiten Jahrhunderts vor Christus (680.000 Euro) mit dem Rabenschwarz der Wandarbeiten von Louise Nevelson (165.000 Dollar) zusammenführt.

          Ein Tisch mit Ponyfell und Totenschädeln

          Komplett eingerichtet haben sich in ihrem Gemeinschaftsstand die Hamburger Fotospezialistin Flo Peters, der Kölner Dierk Dierking mit seiner außereuropäischen Kunst und die Design-Aficionados FrankandOliver aus Zürich/Frankfurt. Erlesen-Leben statt Schöner-Wohnen könnte ihr Motto lauten; unbedingt anschauen heißt die Devise.

          Und nicht wundern, wenn ein halsstarriges Stehlampen-Unikat von Gino Sarfatti aus den Vierzigern 40.000 Euro kostet - oder ein zunächst unscheinbares, seltsames „Diebesamulett“ aus Neuguinea in seinem Glaskasten, das um einen menschlichen Unterkiefer herum gebastelt ist und in ein Museum gehört, 200.000 Euro (mit toller Provenienz: der des Urmenschenforschers Ralph von Koenigswald, der 1968 in Frankfurt am Institut Senckenberg die Sektion Paläoanthropologie begründete).

          Extraordinären Geschmack bewies auch das Geschlecht derer von Schwarzenberg, als es sich vom einschlägigen tschechischen Holzschneider Frantisek Rint um 1870 einen Tisch bauen ließ, den nicht bloß Damhirschgeweihe zieren und ein Ponyfell auf der Platte, sondern auch menschliche Totenschädel an den vier Ecken: Der Möbel-Spezialist Schmitz-Avila aus Bad Breisig hat dieses Stück (48.000 Euro) unter seine sonst sehr wohnzimmertauglichen Stücke vornehmlich des 18. Jahrhunderts gemischt.

          51 Schallplatten-Cover von Andy Warhol

          Dass die Morbidezza Konjunktur hat, zeigt das dunkle Labyrinth, das die umwerfenden Schöpfungen des Düsseldorfer Goldschmieds Georg Hornemann birgt, die an höchste Kunstfertigkeit gemahnen - so gut wie an unser aller Vergänglichkeit. Doch vor dieser rangiert der Entdeckerspaß auf dieser Messe: Wollte man nicht schon immer einen Schreibtisch, der aus lauter Büchern zusammengebaut ist, um einige von diesen Platzdieben sinnvoll unterzubringen?

          Der ist von Richard Hutten und steht bei Karena Schuessler aus Berlin (25.000 Euro). Oder soll die eigene Jugend ewig dauern? Dann hilft Klaus Benden aus Köln mit seiner Pop-Art - und er hat sämtliche (bis auf ein) Schallplatten-Cover, die Andy Warhol gestaltet hat, zusammengetragen, das sind 51 gerahmte LPs und zehn Singles (beziffert auf 45.000 Euro plus Mehrwertsteuer, bereits verkauft).

          So treffen sich Leben und Kunst - oder auch dort, wo Andreas Schulze, der diesjährige Preisträger der Cologne Fine Art, die Messe seinerseits um die Installation „Autos mit Licht“ bereichert, ein enorm witziges Lehrstück in Sachen die Kunst der Kunst der Kunst . . . Bleibt das Fazit: Das alte, beinah schon abgeschriebene, wohlhabende und kunstlustige Rheinland hat sich seit einem Jahr zurückgemeldet. Die deutsche Kunstlandschaft braucht ihren harten Kern ganz dringend. An den sich die anderen gern ankristallisieren.

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