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Aktualisiert: 26.01.2015, 10:05 Uhr

Brussels Art Fair Für alle, die schöne Dinge um sich haben wollen

Der Weg zur Brafa nach Brüssel lohnt sich auch dieses Jahr: Von antiken Skulpturen bis zu zeitgenössischer Kunst reicht das Spektrum der Messe.

von Paula Schwerdtfeger aus Brüssel

Zum sechzigsten Mal findet in diesem Jahr die Brussels Art Fair (Brafa) statt. In der Poststation des ehemaligen Industriegeländes Tour & Taxis versammeln sich 126 Aussteller. Ein dicker Teppich, schummriges Licht und wohlproportionierte Innenarchitektur ohne Gigantomanie verwandeln die mehr als 15 000 Quadratmeter große Halle in ein angenehmes Raumgefüge. In diesem Ambiente ist das karge Industriegelände vor der Tür schnell vergessen.

Die Brafa ist eine europäisch geprägte Messe im mittleren Preissegment, die durch ihr breites und vielfältiges Angebot besticht: Hier sind afrikanische Skulpturen neben flämischen Stillleben zu sehen, ausgestopfte Vögel, riesige Weltkarten und noch größere Werke zeitgenössischer Kunst. Möbel, Uhren, Schmuck, antike Gefäße - mit ihrer feinen Auswahl lassen die Aussteller die Herzen der Sammler höher schlagen. Hinter jeder Ecke könnte sich eine Kuriosität, ein nie gesehenes Stück, eine erschwingliche Kostbarkeit verstecken.

Die Kojen der Aussteller liegen an drei langen Gängen, die sich gelegentlich zu kleinen Plätzen öffnen. Abwechslungsreich - eben nicht thematisch - sind sie angeordnet, manchmal gelingen erhellende Bezüge. Die belgische Porfirius Kunstkammer ist zum ersten Mal auf der Brafa. Sie bietet Objekte für eine Wunderkammer im Stil des 16. und 17. Jahrhunderts: Vier Kategorien ergeben zusammen ein Abbild der Welt. Dazu gehören Objekte wie ein sich in stereometrischen Formen nach oben windender Kalzit oder eine Kette aus den Schalen dunkelroter Nashornkäfer. Afrikanische Fetische und kleinteilige Uhrwerke vervollständigen die Sammlung, die in einem Augsburger Kabinettsschränkchen aus dem späten 16. Jahrhundert aufbewahrt werden könnte (um 500.000 Euro). Direkt gegenüber der Kunstkammer-Koje hängt beim Sanderus Antiquariaat eine holländische Weltkarte von 1689 (200.000 Euro): Auch sie repräsentiert die Erde - kartographiert, nicht gesammelt.

Mit Tim und Struppi in den Fokus rücken

Seit 1995 hat sich die vormals rein belgische Messe geöffnet und versucht, stetig internationaler zu werden. Sowohl Aussteller als auch Kundschaft kommen aber auch diesmal hauptsächlich aus Belgien und Frankreich, und so dominieren bei der modernen Kunst belgische Namen und Pariser Schule. Bei Hurtebize aus Cannes ist eine gemalte „Tête de torero“ aus dem Jahr 1961 von Bernard Buffet zu sehen (245.000 Euro). Beim Frankfurter Galerist Jörg Schuhmacher hängt prominent eine kräftige abstrakte Komposition in Gelb, Rot und Orange von 1963/64 Serge Poliakoffs (um 129.000 Euro). Und „Die Galerie“ aus Frankfurt, erstmals auf der Brafa vertreten, zeigt ausschließlich Werke der 1948 in Paris begründeten Cobra-Gruppe. Aus der belgischen Malerkolonie Sint-Martens-Latem kommt die Galerie Oscar De Vos, die eine moderne Reminiszenz an Altmeisterliches zeigt: Der Maler Gustave Van de Woestyne adelt in „Deeske aux champs“ von 1908 den einfachen Bauern mit einem strahlenden Himmel aus Blattgold (590.000 Euro). Bei Francis Maere Fine Arts aus Gent ist ein großes Stillleben James Ensors von 1920 zu erwerben (1,3 Millionen Euro).

Viele rote Punkte wanderten gleich innerhalb kurzer Zeit auf die Schildchen und signalisieren Verkaufserfolg. Bei Petits Papiers - Huberty & Breyne Gallery aus Brüssel ist Victor Hubinons Comicseite „Tigres Volants“ von 1951 für 35.000 Euro schon verkauft. Stolze 2,5 Millionen Euro erwartet die Galerie für das Cover von „Der geheimnisvolle Stern“, dem zehnten Album der Comics-Serie „Tim und Struppi“ von Hergé. Im Frühjahr wurde ein vergleichbar rares Stück bei Artcurial in Paris für, mit Aufgeld, 2,65 Millionen Euro versteigert. Werke von Hergé zeigt auch Harold t’Kint de Roodenbeke, seit 2013 der Leiter der Messe - darunter eine abstrakte Komposition in Öl, achtzig mal vierzig Zentimeter groß (94.000 Euro).

Das Wohnzimmer der Sammler

Aus vorchristlicher Zeit ist ein behauener Kalkstein, der den Kopf eines Mannes darstellt. Er stammt aus dem Südwesten Englands von den keltischen Pagan, um 100 vor Christus bis 100 nach Christus. Er wird in der Koje von Finch & Co aus London ausgestellt und kostet 28.500 Euro. Bei den Alten Meistern sticht ein klassisches Stillleben des holländischen Malers Floris Gerritsz van Schooten heraus, das Jan Muller Antiques aus Gent anbietet (um 200.000 Euro). Der bestimmende Grundton ist ein zartes Beige, vor dem die Früchte auf der reich gedeckten Tafel verlockend leuchten.

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Die größte Koje der Messe hat der Galerist Guy Pieters gemietet. Sie ist in mehrere Räume geteilt, von denen einer dem belgischen Künstler Jan Fabre gewidmet ist: Acht goldene Männerköpfe mit Geweihen bilden eine anmutige Reihe (von 80.000 bis 120.000 Euro). An drei Wänden hängen große Formate, deren Motive aus den schimmernden Panzern von Skarabäen geformt sind (je 222.000 Euro). Einen weiteren Raum bespielt der französische Minimalist François Morellet. Alle gezeigten Werke des achtundachtzigjährigen Künstlers, so Pieters, seien bereits verkauft. Dagegen bescheiden nimmt sich der Auftritt von Axel Vervoordt aus: Einem strengen Formalismus folgend, werden dort archäologische Funde, Möbel des 18. Jahrhunderts und japanische Moderne kombiniert. Trotz des rauhen Betonbodens fühlt man sich - wie an vielen Orten auf der Messe - wie zu Besuch im Wohnzimmer eines befreundeten Sammlers.

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