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Veröffentlicht: 20.02.2016, 11:37 Uhr

Art Karlsruhe Besser als die Zeitgenossen sieht die Fotografie aus

Die Art Karlsruhe bleibt sich in ihrer 13. Ausgabe treu: Leider schwankt auch das Angebot der ausgestellten Kunstwerke stark in der Qualität

von Felicitas Rhan

Wie in jedem Jahr sind es die Klassische Moderne und die Zero-Gruppe, die auf der Art Karlsruhe stark vertreten sind; ihnen sind zwei der vier Hallen auf dem Messegelände gewidmet. Sie bilden das solide Fundament der Messe. Bei den Zeitgenossen in Halle4 sieht das anders aus, mehr Kitsch als Kunst, könnte man urteilen. Dafür hat die Foto-Sektion zugelegt, Arbeiten von noch wenig bekannten Fotografen wecken Entdeckerlust. Man findet sie allerdings weniger in der dafür reservierten Halle1, sondern mehr in den Kojen der Hallen2 und 3. Dem Thema ist auch die Sonderausstellung „Der Maler als Fotograf“ gewidmet, die Ernst Ludwig Kirchners Fotos in sein Werk integrieren will. Doch bis auf wenige Ausnahmen dienten ihm die Lichtbilder nur als Mittel zur Dokumentation und Vorbereitung seiner Arbeiten, sie sind nicht so spektakulär wie angekündigt.

Dafür fallen die Fotos von Thomas Kellner bei In Focus-Galerie aus Köln auf: Es sind schwarzweiße Montagen einzelner Sequenzen eines Kontaktbogens, die multiperspektivisch architektonische Monumente abbilden. Durch die Aneinanderreihung der kleinen Bildabschnitte gerät das Motiv in Bewegung, scheint in sich labil zu sein und erinnert an den Kubismus und dessen Formauflösung, etwa als „Eiffelturm“ (1997; 2690Euro) oder als „Brooklyn Bridge“ (2003; 1190 Euro). Auch Yamamoto Masao bei der Galerie Baumgarten aus Freiburg fotografiert in Schwarzweiß. Die analog entstanden Bilder strömen in ihren meditativen Motiven eine große Ruhe aus (Preise von 1500 bis 2800 Euro). Großformatig und farbenfroh geht es dagegen bei der Konstanzer Galerie Geiger zu: Sie zeigt neben einem „Scherbenbild“ von Christian Megert (2014; 34000 Euro) eine unbetitelte Komposition von Heinz Mack als Blickfang (2011; 94000 Euro). Otto Piene sticht bei der Galerie Ludorff aus Düsseldorf mit seiner roten „Feuerblume“ heraus (1964; 85000 Euro).

Die Galerie Döbele aus Dresden, die im März ihre neuen Räume in Mannheim eröffnet, hat Hermann Glöckner dabei; neben konstruktiven Werken, wie der „Faltung“ (1979; 14000 Euro), sind auch einige Frühwerke im Angebot: Bereits im Aquarell „Weite Landschaft bei Johnsbach“ aus dem Jahr 1950 wird der Wille zur Abstraktion erkennbar (5000 Euro). Eine ganz andere, unbetitelte Landschaft von Per Kirkeby überzeugt bei Michael Werner. Der ursprünglich weiß-braunen Schneelandschaft verpasst der Däne mit einigen Pinselstrichen Umrisse und Schatten in Rosa, Gelb und Blau (2013; 40000 Euro). Markus Lüpertz ist bei Werner stark vertreten; sein bemalter bronzener „Kopf des Titan“ von 1995 kostet 50000 Euro.

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Das Skulpturen-Angebot ist eher schwach. Skurril sind bei Michael Schultz aus Berlin die kleinen Epoxidharz-Plastiken von Feng Lu, etwa ein elf Fische säugendes fremdartiges Tier mit dem Titel „SPQR – The Strong Cubs“ (20000 Euro). Bei dem Hamburger Thole Rotermund sind die Töne leiser; er zeigt zarte Zeichnungen aus den zwanziger und dreißiger Jahren von Karl Hofer neben einer Tuschefederzeichnung Werner Tübkes. Hofers „Sitzender Mädchenakt“ ist das intime Bildnis eines unsicheren Kinds (14000 Euro), während die kokette Haltung bei Tübke ganz für die elegante Dame von 1957 spricht (8400 Euro). Das teuerste Kunstwerk der ganzen Messe endlich stammt von Kirchner. Seine späten „Badenden Frauen und Kinder“ werden für 3,4Millionen Euro bei Henze&Ketterer aus Wichtrach in der Schweiz angeboten.

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