10.11.2008 · Spitzenstücke der Antike sind auf der Basel Ancient Art Fair zu sehen. Ein Rundgang über die fünfte Ausgabe der Messe im prächtigen Wenkenhof.
Von Tilo RichterDas Ambiente im Riehener Wenkenhof bietet der Basel Ancient Art Fair einen beinahe fürstlichen Rahmen. Nachdem die Tradition der Antiquitätenmessen in Basel noch vor vier Jahren wegzubrechen drohte, initiierten Robert Bigler und Vincent Geerling in wenigen Monaten die Messe für Antike Kunst. Noch bis zum 12. November präsentieren jetzt sechzehn Spitzengaleristen aus Europa und den Vereinigten Staaten ihre wichtigsten Objekte der Klassischen Antike, Ägyptens und der frühen Hochkulturen Vorderasiens.
Unter den vielen einzigartigen Ausstellungsstücken auf der Messe ragen zwei Exponate besonders heraus: Charles Ede Antiquities aus London hat eine marmorne Venus in die Mitte seines Standes gestellt (247.000 Franken), eine zeitlos schöne späthellenistische Figur, von der Ergänzungen des 19. Jahrhunderts entfernt wurden und deren alte Schönheit nun wieder wirken kann. Ein zweites atemraubendes Stück ist ein kleinformatiger Porträtkopf einer hochrangigen Person in dunkelbraunem Basaltstein, den der Genfer Galerist Jean Louis Domercq von Sycomore Ancient Art anbieten kann. Für das berückend schöne Objekt aus der Zeit um 2500 vor Christus muss man heute 1,6 Millionen Franken ausgeben.
Die Büste eines ägyptischen Schreibers
Robert Bigler, Züricher Spezialist für asiatische und ägyptische Kunst, schafft einen beeindruckenden Längsschnitt durch alle Epochen der Kunst Ägyptens: Aus der frühen Pyramidenzeit um 2600 vor Christus stammt die edle Büste eines Schreibers, die aus fossilem Hartkalkstein gehauen wurde (250.000 Franken). Jüngstes Beispiel ist eine Porträtmaske aus Gipsstuck (38.000 Franken), geformt im 1. oder 2. Jahrhundert nach Christus, als Ägypten römische Provinz war.
Die New Yorker Safani Gallery hat wenige große Skulpturen mitgebracht: Ein edler römischer Torso eines Jünglings (269.000 Franken) ist unter diesen der schönste Solitär. Spitzenstücke der exzellenten Auswahl an bronzenen und steinernen Kleinplastiken bei Safani ist ein ungefähr 3000 vor Christus entstandener „Sterngucker“ (173.000 Franken). Das wegen seiner Unversehrtheit sehr rare Abbild einer Gottheit fand man nahe der thrakischen Hafenstadt Gallipoli.
In Form eines Fischs
Klein, aber fein ist schließlich auch eine steinerne Schminkpalette in der abstrahierten Form eines Fischs bei Roswitha Eberwein aus Freiburg (22.000 Franken). Passend zu diesem Objekt findet man bei arte classica aus Lugano reizvollen und tragbaren antiken Schmuck in Glas und Stein (Preise von 2000 bis 20.000 Franken).
Jerome Eisenberg von Royal-Athena in New York, der seit mehr als einem halben Jahrhundert den internationalen Antikenhandel mitprägt, zeigt neben Kleinplastik eine Auswahl überlebensgroßer Marmorköpfe. Im Kontrast dazu fällt ein brillant erhaltener, beinahe siebzig Zentimeter hoher nackter Eros in Bronze auf (1,6 Millionen Franken). Für Eisenberg, der inzwischen den Großteil seiner Ware übers Internet verkauft, habe die Finanzkrise angeblich keinen Einfluss auf seine Geschäfte, gerade in letzter Zeit erfreue er sich großer Umsätze bei Stammkunden.