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Art Moskau Die Wende steht an

24.09.2011 ·  Die Art Moskau kämpft noch mit dem rüden Massengeschmack. Doch eine unbelastete neue Generation ist schon unterwegs, die Stadt und ihre Kunst grundlegend zu verändern.

Von Swantje Karich, Moskau
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Die Oligarchen stehen hier nicht Schlange, wie es sich mancher europäische Galerist vielleicht erträumt. Auf der Art Moskau, die im Central House of Artists ihr fünfzehnjähriges Bestehen feiert, gibt es auch keine Monumentalskulptur von Jeff Koons zu erwerben, auch keinen Damien Hirst. Die Werke sind klein, die Summen auch. Doch hier beherrschen ebenfalls glatte Oberflächen die Szenerie, wenig haptische, visuelle Erlebnisse bestimmen die Messe. Alles ist Oberfläche. Jedoch nur medial - inhaltlich ist die russische Kunst wüst, gerne auch offensiv pornographisch, dann gefühlskalt naturalistisch. Die ukrainische Kunst fällt da sofort auf. Sie ist teilweise von einem mitfühlenden Realismus. Das hört sich drastisch an.

So ist es auch gemeint. Denn auf der Art Moskau, an der in diesem Jahr 39 meist russische Galerien teilnehmen, muss man lange auf die Suche gehen, um Kunst zu finden, die weiter reicht: Ivan Mikhailov hält zum Beispiel das russischen Faible für die Raumfahrt fest. Er hat wundersame Fotografien von blauroten Raketen gemacht. Wie aus einem Traum entsprungen; er fand sie auf Kinderspielplätzen. Auf den zweiten Blick sind es Klettergerüste, die mutig Richtung Himmel weisen (Auflage 5; 1450 Euro) - Kinder sind jedoch nicht zu sehen. In der Pobeda Gallery aus Moskau halten drei Damen „Teatime“ (Auflage 5; 6600 Euro).

Es sind die russischen Künstlerinnen Dina Kim, Katya Kameneva und Gala Smirnskaya, die aufwendig verkleidet, theatralisch-humorvoll die drei Seelen in ihrer Brust darstellen: Russland, Europa und Asien. Marina Alexeeva lässt in der Gisich Gallery aus St. Petersburg alles drumherum vergessen: Hier muss man ganz nah herangehen, in ihre kleinen, leicht zu übersehenden Kästen hineinschauen: Der Blick reicht in einen Waggon der Moskauer Metro, in dem sich à la William Kentridge allerhand surreale Dinge ereignen - zeichnerisch oder fotografisch collagiert. „Subway“ von 2011 ist schon verkauft, „Mozart und Salieri“ noch zu haben.

Die Gegenwartskunst hat es in Russland immer noch schwer. Der Berliner Galerist Volker Diehl versuchte im vergangenen Jahr eine Parallelschau zur schon damals wenig befriedigenden Art Moskau aufzubauen, wollte mit renommierten Galerien aus Deutschland zur High-End-Messe „Cosmoscow“ antreten. Sie verkauften schlecht, das Unternehmen wurde in Frage gestellt. Er will es wieder versuchen, aber zu einem anderen Termin.

Ideen einer neuen Generation

„Die Russen sehen in Dingen, die sie nicht verstehen, eine Bedrohung“, sagt Anastasia Mityushina vom Center for Contemporary Culture, das Dasha Zukova, die Gefährtin von Roman Abramowitsch, in Moskau etablieren will. Eine andere Pionierin ist Christina Steinbrecher: Sie ist die neue künstlerische Leiterin der Art Moskau und kam vor drei Jahren in die Stadt. Es gebe keinen Grund, Trübsal zu blasen, verteidigt die Deutsche mit russischem Vater ihre Konzepte.

Eine neue Generation übernehme nun die Ideenfindung; und die sei nicht mehr geprägt von der dunklen Zeit der Sowjetunion. Sie könne frei und unbedarft aufspielen. Für diesen Willen zur Veränderung steht auch die Kunstbiennale der Stadt, die an diesem Wochenende beginnt und von Peter Weibel kuratiert wird. Es sind die Nischen, die man in Moskau finden muss. Aber es gibt sie, die Hartgesottenen, die weiter für eine neue zeitgenössische Kunst in Russland eintreten. Die Zukunft ist schon fast da.

Art Moskau. Im Central House of Artists, bis zum 25. September. Täglich von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Eintritt 400 Rubel (10 Euro).

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1978, Redakteurin im Feuilleton.

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