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Veröffentlicht: 20.04.2013, 15:12 Uhr

Art Cologne 2013 Jetzt schlägt’s Gegenwart!

Die Region im Fokus: Die Art Cologne zieht ihre ganze Stärke aus einem kraftvollen Sammlerinteresse in Deutschland, Belgien und Holland. Bei der Gegenwartskunst steigt die Qualität weiter.

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Die Sonne scheint in Köln in diesen Tagen ungewöhnlich warm fast wie im Sommer. Über das Wetter zu schreiben, verbietet sich eigentlich, da es sich schnell wieder drehen und bei Erscheinen des Artikels schon dicke Tropfen fallen können. Doch in diesem Fall hat der Einstieg seine Berechtigung. Denn eine Nachricht beschäftigt die Teilnehmer der 47. Art Cologne, die vergnügt Eröffnung feierten und sich über die weiter steigende Qualität im Bereich der Gegenwartskunst freuten: Kölns Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst wird 2014 zwei Wochen früher, nämlich vom 9. bis zum 13. April, stattfinden und damit nicht mehr parallel zur Art Brussels.

Es wird also ein wenig kälter um die Kunst in Köln. Aber heutzutage ist auf Frühling, Herbst und Winter eh kein Verlass mehr. Das ist schade. Nicht nur wegen des Wetters, sondern auch, weil man zuletzt den Eindruck hatte, die Messe habe sich auf diesem Termin etabliert. Nun rückt die Veranstaltung näher an die Maastrichter Kunst- und Antiquitätenmesse (Tefaf) heran, von deren Ausstellern jedoch nur sieben auf der Art Cologne vertreten sind, und weiter weg vom Gallery Weekend in Berlin, das in der kommenden Woche seine Sammler in die Hauptstadt einfliegt.

Der Grund für die Verschiebung leuchtet nicht unmittelbar ein, ist Brüssel doch inhaltlich keine Konkurrenz. Sie zeugt eher davon, dass die Chance einer intensiven Kooperation nicht genutzt wurde, die für die finanzstarke Region zur wichtigen Investition hätte werden können. Nun ist es zu spät. Hat der Klügere nachgegeben? Die Entscheidung vom künstlerischen Leiter der Art Cologne Daniel Hug wird verständlicher, wenn man die diesjährige Messe ausführlich gesehen hat. Die Kaufkraft speist sich nahezu ausschließlich aus regionalen Sammlern und Museumsleuten.

Das klingt provinziell, muss es aber nicht sein: Die Art Cologne profitiert zurzeit davon, dass der „deutsche Markt sehr stark ist“, wie auch Alexander Sies, von Sies+Höke aus Düsseldorf, der einen 175 Quadratmeter großen Stand präsentiert, bestätigt. In Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrisen besinnt man sich anscheinend auf die regionalen Bezüge und hechelt nicht den reiseunlustig gewordenen Amerikanern hinterher. Und in diesen Zeiten gilt es also, sich mit den Nachbarn zu vertragen. Sie sitzen alle in einem Boot. Brüssel will es aber anscheinend nicht so gerne.

Besonders im Erdgeschoss der Messe kann man diese Regionalität ablesen: Maulberger, Ludorff, Beck+Eggeling, Schlichtenmaier, Boisserée, Greve (er hat den größten Stand der Messe), Schwarzer, Strelow und Holtmann stehen für einen etablierten rheinländischen Kunsthändler-Markt - auch wenn am Haupteingang Ropac aus Salzburg/Paris und David Zwirner aus New York Spalier stehen. Neben den bekannten Namen aus dem Süden, wie Klüser oder Henze&Ketterer, tauchen nur wenige internationale Händler auf, darunter auch Hauser&Wirth, Juda aus London, und Moeller aus New York und Berlin.

Bei Juda begeistert eine kleine Skulptur von Naum Gabo von 1933: Sie steht in ihrer Vitrine, als sei sie gerade erst erfunden (315.000 Pfund). Gegenüber in der kleinteiligen Koje von Hauser&Wirth darf man im Dunkeln verschwinden und Christoph Schlingensiefs Film „Say goodbye to the story“ von 2011 genießen. Moeller tritt mit einem sehr bunten Angebot an: Richard Pettibones klitzekleine Appropriation der Warhol-Mona-Lisa, die selbst schon eine Aneignung von Leonardos Mona Lisa ist, schaut amüsiert auf Otto Dix’ „Schwangere“ von 1931 (2 Millionen Euro). Bei Berinson aus Berlin prangt an der Außenwand Hans Bellmers Gemälde „Marseille“ von 1932: Das Bild, das erstmals in Deutschland ausgestellt wird, ist eines der wenigen frühen Gemälde des Künstlers; es stammt aus der Sammlung von André Breton (750.000 Euro).

Ebenfalls aus einer interessanten historischen Kollektion kommt André Massons Gemälde „Le Repas“ von 1922 bei Oriol aus Barcelona: Gertrude Stein besaß einst das Motiv, das jetzt 450.000 Euro kostet. In einer Zeit, als das Figurative endgültig zersplittert schien, malte Antonio Saura sein „Dama“ von 1966, auch bei Oriol gezeigt (275.000 Euro). Der Künstler wurde gerade im Museum Wiesbaden mit einer Retrospektive geehrt. Insgesamt frustriert die Halle der Kunsthändler jedoch, weil eine ganze Reihe Werke schon auf einigen Messen, zuletzt etwa in Maastricht, zu sehen war.

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