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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Art Brussels 2011 Stadt der Fiktionen

 ·  Jung, kritisch, politisch: Der künstlerische Nachwuchs zeigt sich selbstbewusst auf der Art Brussels. Die etablierten Galerien setzen auf Jaume Plensa, Wim Delvoye und Jan Fabre. Ein Messerundgang.

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Die Faustregel, dass junge Kunst junge Sammler anziehe, trifft auf der 29. Art Brussels zu. Zwischen den 170 Ausstellern aus Belgien, Europa und Amerika trifft sich vor allem ein Publikum im Alter von dreißig bis 45 Jahren. Die Platzvergabe für die jüngeren und die etablierten Galerien ist gerecht; jeder Gruppe ist eine Halle zugedacht, wobei es dem Nachwuchs gestattet wird, die Besucher in Empfang zu nehmen. Bei konstanter Ausstellerzahl gingen der Messe in diesem Jahr einige wichtige Flaggschiffe verloren (die allerdings bei der Art Cologne gerade präsent waren): Annely Juda Fine Art aus London, Sprüth Magers aus Berlin und London, Johann König aus Berlin oder auch Hauser & Wirth aus London und Zürich blieben fern.

Den ersten Blick zieht der einstige Young British Artist Gavin Turk mit „Pop Diptych“ bei der Galerie Aeroplastics aus Brüssel auf sich: Auf einer 3,4 mal 2,1 Meter großen Leinwand inszeniert sich der Künstler fünffach in Anlehnung an Warhols „Elvis“-Pose (68.000 Euro). Eine Hommage an Hans Holbein, genauer an den Schädel auf dessen berühmtem Gemälde „Die Gesandten“, hat die Galerie Honor Fraser aus Los Angeles mitgebracht: Der Amerikaner Robert Lazzarini modellierte 2010 das schräg gezerrte VanitasSymbol als Einzelobjekt „Skull“ aus Knochen und Kunstharz (50.000 Dollar).

Bei dem Kopenhagener Galeristen Nils Staek versucht sich der Schweizer Künstler Olaf Breuning an einem Kommentar zu Basquiat oder Mondrian, indem er auf den Fotografien „Jean Michel“ oder „Piet“ seinen Aktmodellen die wichtigsten Werke der großen Kollegen mit Körperfarbe an markanten Stellen aufmalt (19.000 Euro). Bei Isabelle von den Eynde aus Dubai dringt die dramatische Lage in der arabischen Welt auf den europäischen Kunstmarkt: In „Fictionville“, einer neunteiligen Serie von je 21 mal dreißig Zentimeter großen Arbeiten, übermalt der Iraner Rokni Haerizadeh Agenturfotos von den Aufständen und deren Niederschlagung: Soldaten tragen Tutus, das Schussrohr eines Panzers wird zum Rüssel, die drängende Menschenmenge erhält Schweineköpfe (18.000 Euro).

Bei Figge/von Rosen aus Köln und mit neuer Dependance in Berlin montiert die Walter-Dahn-Schülerin Fränze Hoppe in einer unbetitelten Installation ein rosafarbenes Miniatur-Dampfschiff auf mintgrünen Hintergrund. Der perspektivischen Ferne wirkt sie witzig entgegen, indem sie vor die Collage zwei Plastikwannen mit Wasser stellt (4500 Euro). In der Halle für die schon länger etablierten Galerien bietet Rodolphe Janssen aus Brüssel zwei von Wim Delvoyes großen, dornenkronenähnlichen Plastiken „Double Helix“ von 2008 an (Auflage je 3; je 160.000 Euro).

Ein Kriegsschauplatz mit Käfern

Lelong aus Paris zeigt Jaume Plensas 1,15 Meter hohe Bronze „Green Self Portrait“ von 2008, auf der sich Wörter wie „Fruit“ oder „Eggs“ aneinanderreihen (Auflage 5; 100.000 Euro). Außerdem gibt es bei Lelong ein 43 mal sechzig Zentimeter großes Gemälde „Sans titre“ von Miró, entstanden 1971/72 (250.000 Euro). Die Deweer Gallery aus Otegem stattet die Außenwand ihrer Koje mit Stephan Balkenhol aus: Die Holzbüste „Kopfsäule“ von 2011 (42.000 Euro) steht vor einem zwei mal drei Meter messenden Teppich aus neuseeländischer Wolle mit Kopfmotiven (85.000 Euro); links und rechts davon hängen kleine Holzbilder, „Kopfrelief (Frau)“ und „Relief (Mann)“, beide von 2007 (18.000 Euro).

Einen Kriegsschauplatz konstruierte Jan Fabre im Jahr 2000 mit „1. Slagfeld - Champs de Bataille“: Das Werk, auf dem Käfer sich in Regimentern um die Teile einer Ritterrüstung formieren, ist bei Jamar aus Antwerpen ausgestellt (95.000 Euro). Dort findet sich auch eine Gouache von René Magritte aus dem Jahr 1964, die als Vorlage für den Wimpel des „Lions Club“ gedient hat (195.000 Euro). Bereits verkauft ist das Blütenstillleben in knalligen Farben von Marc Quinn „Elephants on the Ocavango Delta“ von 2010. Der Londoner Galerist Ben Brown hatte es für 114.000 Euro angeboten.

Messegelände Brussels Expo, bis zum 1. Mai. Täglich von 12 bis 19 Uhr. Eintritt 15 Euro, Katalog 25 Euro, zusammen 35 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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