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Art Basel in Hongkong : Der Osten lehrt den Westen das Staunen

Die Messe von Hongkong findet zum ersten Mal unter Führung der Art Basel statt. Doch gerade die Kunst aus dem asiatischen und pazifischen Raum tut gut - und sorgt für starke Verkäufe.

          Gefragt nach der durchschnittlichen Größe einer Wohnung in Hongkong, schätzte ein Bürger der Stadt: vierzig Quadratmeter. Das ist wohl noch zu hoch gegriffen in dieser Stadt der ragenden Türme, die so viele Menschen beherbergen auf so wenig Grundfläche. Gemessen daran haben manche der Stände auf der Art Basel Hong Kong verschwenderische Dimensionen. „Hong Kong is the perfect place“, schwärmte Marc Spiegler, der Direktor der Art Basel, zur Eröffnung. Schließlich sei Hongkong auch eine Hafenstadt, wie Basel und Miami Beach. Außerdem, möchte man hinzufügen, von steuerlichen Vorteilen gesegnet, was auch den Handel mit der Kunst beschwingt. Einen bedenkenswerten Aspekt steuerte dazu ein Kenner der Lage im Gespräch bei: Nichts sei so teuer in Hongkong wie Platz. Inzwischen ist es die Stadt mit den höchsten Immobilienpreisen auf der Welt; weshalb Kunst hier liegenzulassen kaum lohnend wäre.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Marc Spiegler weiß auch sehr gut, dass es darum geht, „diesen asiatischen Markt zu bauen“. Der ist zwar durchaus schon da, zumal Magnus Renfrew als Direktor der Art Basel für Asien geblieben ist, der zuvor die Art Hong Kong seit 2008 führte, bis diese Messe 2011 von Basel übernommen wurde. Im Hong Kong Convention and Exhibition Centre sind in zwei Hallen und auf zwei Ebenen rund 250 Galerien aus 35 Ländern versammelt. Die Basel-Premiere bedeutet zugleich ein Novum in der sonst so durchglobalisierten Kunstszene: Mehr als die Hälfte der Teilnehmer kommt aus dem asiatischen und pazifischen Raum. Das ist ein deutliches Bekenntnis zur Region, ohne das dieser Markt freilich nicht auf Dauer zu erobern wäre. Außerdem ist es das intelligente Kalkül der Direktoren Spiegler, Renfrew und Annette Schönholzer, die für die neuen Initiativen des Baseler Großunternehmens zuständig ist. Man kann nicht an drei Plätzen die gleiche Show haben wollen, so formuliert es Spiegler mit Blick auf Basel und Miami Beach.

          Und tatsächlich hinterlässt dieses erste so kompakte Aufeinandertreffen der Galerien aus dem Westen und dem Osten einen nachhaltigen Eindruck. Es wird - auch in der Gegenwartskunst - Zeit, sich davon zu verabschieden, dass Europa die Qualitätsmaßstäbe setzt und Amerika allein seligmachend ist. Dabei tritt die Klassische Moderne in den Hintergrund (erwähnt sei als Ausnahme die Galerie Leandro Navarro aus Madrid, die einen ganzen Stand mit schönen Picassos, Kleinformaten vor allem und Papierarbeiten, eingerichtet hat). Es dominiert die Zeitgenossenschaft. Die Plazierung der Galerien ist ausgesprochen geschickt, besonders dort, wo es zum spannungsvoll inszenierten Nebeneinander oder Gegenüber von Teilnehmern beider Seiten kommt.

          Beginnt man also oben mit der Halle drei, sagt David Juda an seinem Stand bei der Preview fröhlich: „Leute von überall sind da.“ Für die hält er seines Hauskünstlers Katsura Funakoshi geheimnisvolle Holzfrau „Am I Floating?“ bereit (300.000 Euro) oder auch Christos berühmten frühen vollgeladenen, verpackten Einkaufswagen (600.000 Euro). Vis-à-vis bilden Richard Gray, Karsten Greve und die Galerie Gmurzynska ein starkes Karree. Bei Gray hängt ein eleganter Frank Stella von 1974, „Mrs. Rabbit’s Rainbow III“ (2,2 Millionen Dollar), Greve hat eine großartige Bronze von Louise Bourgeois, „Inner Ear“ aus dem Jahr 1962 (Auflage 6), dabei, und Gmurzynska zelebriert eine One-Man-Präsentation mit neueren Bildern von Fernando Botero (130.000 bis 1,3 Millionen Dollar; das teuerste ist bereits verkauft), der zur Preview auch selbst gekommen ist. Galeriedirektor Mathias Rastorfer ist für die Auswahl der asiatischen Moderne zuständig, keine einfache Aufgabe - vielleicht wird sich diese Gruppe durch die Messe in Hongkong zuallererst herauskristallisieren. Hans Mayer, Hongkong-erfahren, lobt die Organisation und erwartet die Klientel für seinen grünen Lucio Fontana (1,25 Millionen Dollar) oder auch für Hans Hofmanns „Shifting Planes“ von 1947 (346.000 Euro).

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