http://www.faz.net/-gyz-79cie
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 24.05.2013, 16:44 Uhr

Art Basel in Hongkong Der Osten lehrt den Westen das Staunen

Die Messe von Hongkong findet zum ersten Mal unter Führung der Art Basel statt. Doch gerade die Kunst aus dem asiatischen und pazifischen Raum tut gut - und sorgt für starke Verkäufe.

von , Hongkong

Gefragt nach der durchschnittlichen Größe einer Wohnung in Hongkong, schätzte ein Bürger der Stadt: vierzig Quadratmeter. Das ist wohl noch zu hoch gegriffen in dieser Stadt der ragenden Türme, die so viele Menschen beherbergen auf so wenig Grundfläche. Gemessen daran haben manche der Stände auf der Art Basel Hong Kong verschwenderische Dimensionen. „Hong Kong is the perfect place“, schwärmte Marc Spiegler, der Direktor der Art Basel, zur Eröffnung. Schließlich sei Hongkong auch eine Hafenstadt, wie Basel und Miami Beach. Außerdem, möchte man hinzufügen, von steuerlichen Vorteilen gesegnet, was auch den Handel mit der Kunst beschwingt. Einen bedenkenswerten Aspekt steuerte dazu ein Kenner der Lage im Gespräch bei: Nichts sei so teuer in Hongkong wie Platz. Inzwischen ist es die Stadt mit den höchsten Immobilienpreisen auf der Welt; weshalb Kunst hier liegenzulassen kaum lohnend wäre.

Mehr zum Thema

Rose-Maria Gropp Folgen:

Marc Spiegler weiß auch sehr gut, dass es darum geht, „diesen asiatischen Markt zu bauen“. Der ist zwar durchaus schon da, zumal Magnus Renfrew als Direktor der Art Basel für Asien geblieben ist, der zuvor die Art Hong Kong seit 2008 führte, bis diese Messe 2011 von Basel übernommen wurde. Im Hong Kong Convention and Exhibition Centre sind in zwei Hallen und auf zwei Ebenen rund 250 Galerien aus 35 Ländern versammelt. Die Basel-Premiere bedeutet zugleich ein Novum in der sonst so durchglobalisierten Kunstszene: Mehr als die Hälfte der Teilnehmer kommt aus dem asiatischen und pazifischen Raum. Das ist ein deutliches Bekenntnis zur Region, ohne das dieser Markt freilich nicht auf Dauer zu erobern wäre. Außerdem ist es das intelligente Kalkül der Direktoren Spiegler, Renfrew und Annette Schönholzer, die für die neuen Initiativen des Baseler Großunternehmens zuständig ist. Man kann nicht an drei Plätzen die gleiche Show haben wollen, so formuliert es Spiegler mit Blick auf Basel und Miami Beach.

Und tatsächlich hinterlässt dieses erste so kompakte Aufeinandertreffen der Galerien aus dem Westen und dem Osten einen nachhaltigen Eindruck. Es wird - auch in der Gegenwartskunst - Zeit, sich davon zu verabschieden, dass Europa die Qualitätsmaßstäbe setzt und Amerika allein seligmachend ist. Dabei tritt die Klassische Moderne in den Hintergrund (erwähnt sei als Ausnahme die Galerie Leandro Navarro aus Madrid, die einen ganzen Stand mit schönen Picassos, Kleinformaten vor allem und Papierarbeiten, eingerichtet hat). Es dominiert die Zeitgenossenschaft. Die Plazierung der Galerien ist ausgesprochen geschickt, besonders dort, wo es zum spannungsvoll inszenierten Nebeneinander oder Gegenüber von Teilnehmern beider Seiten kommt.

Beginnt man also oben mit der Halle drei, sagt David Juda an seinem Stand bei der Preview fröhlich: „Leute von überall sind da.“ Für die hält er seines Hauskünstlers Katsura Funakoshi geheimnisvolle Holzfrau „Am I Floating?“ bereit (300.000 Euro) oder auch Christos berühmten frühen vollgeladenen, verpackten Einkaufswagen (600.000 Euro). Vis-à-vis bilden Richard Gray, Karsten Greve und die Galerie Gmurzynska ein starkes Karree. Bei Gray hängt ein eleganter Frank Stella von 1974, „Mrs. Rabbit’s Rainbow III“ (2,2 Millionen Dollar), Greve hat eine großartige Bronze von Louise Bourgeois, „Inner Ear“ aus dem Jahr 1962 (Auflage 6), dabei, und Gmurzynska zelebriert eine One-Man-Präsentation mit neueren Bildern von Fernando Botero (130.000 bis 1,3 Millionen Dollar; das teuerste ist bereits verkauft), der zur Preview auch selbst gekommen ist. Galeriedirektor Mathias Rastorfer ist für die Auswahl der asiatischen Moderne zuständig, keine einfache Aufgabe - vielleicht wird sich diese Gruppe durch die Messe in Hongkong zuallererst herauskristallisieren. Hans Mayer, Hongkong-erfahren, lobt die Organisation und erwartet die Klientel für seinen grünen Lucio Fontana (1,25 Millionen Dollar) oder auch für Hans Hofmanns „Shifting Planes“ von 1947 (346.000 Euro).

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kader Attia in Frankfurt Die Wunden der Welt zeigen und flicken

Er ist einer der wichtigsten Künstler unserer Gegenwart, seine Werke fassen jeden an: Der französische Künstler Kader Attia im Frankfurter Museum für Moderne Kunst. Mehr Von Rose-Maria Gropp

24.05.2016, 21:44 Uhr | Feuilleton
Asien in Baden-Württemberg Stuttgart als Topadresse in Europa für chinesische Kunst

Michael Trautmann gilt als einer der international führenden Experten für asiatische Kunst. Er arbeitet für das Auktionshaus Nagel in Stuttgart, das mit einem Jahresumsatz von 37 Millionen Euro auf Augenhöhe mit den Topadressen in Paris und London steht. Mehr

03.05.2016, 02:00 Uhr | Feuilleton
Olympia 2016 Termine & Ergebnisse im Volleyball

Bei Olympia 2016 in Rio gibt es im Volleyball vier Entscheidungen, je eine bei den Männern und bei den Frauen sowie in der Halle (je zwölf Teams mit je 144 Athleten) und am Beach (je 24 Teams mit je 48... Mehr

13.05.2016, 11:18 Uhr | Sport
Teures Hongkong Obdachlos trotz Job

Die Mieten in Hongkong gehören zu den höchsten weltweit. Selbst für viele Menschen, die eine bezahlte Arbeit haben, ist der spärliche Wohnraum schier unerschwinglich. Immer mehr von ihnen leben deshalb auf der Straße. Mehr

30.04.2016, 13:07 Uhr | Gesellschaft
Ausstellung Eine Kindheit in Bottrop

Die Galerie Johnen in Berlin zeigt in ihrer aktuellen Ausstellung neue Skulpturen von Martin Honert, darunter auch ungewöhnlich düstere Stücke. Mehr Von Georg Imdahl

20.05.2016, 11:02 Uhr | Feuilleton

Anleitung zur Reparatur

Von Jasper von Altenbockum

Die SPD hält das Integrationsgesetz für ein neues Einwanderungsgesetz. Warum nur? Beim Thema Einwanderung geht es um eine ganz andere Frage. Mehr 164